Sonntag, 27.07.2008

Olympia

China sieht Terrorgefahr für Olympia

Peking - Der Terrorismus ist aus chinesischer Sicht die größte Gefahr für die Sommerspiele in Peking.

China, Angst, Terror
© Getty

Die Polizeibehörden wiesen aber Behauptungen einer angeblichen uigurischen Terrorgruppe in einem Internetvideo zurück, dass eine Reihe von Anschlägen in China in den vergangenen Monaten auf ihr Konto gehe. Es gebe keine Hinweise auf terroristische Hintergründe für die Explosionen wie jüngst in Bussen in Südchina mit zwei Toten.

In dem Video hatte eine "Turkestanische Islamische Partei" behauptet, hinter den Anschlägen zu stecken. Ein vermummter Kommandeur rief in dem dreiminütigen Film auch zu Terrorakten während der Olympischen Spiele auf. Experten stellten die Glaubwürdigkeit des Videos aber infrage.

Bedrohung durch uigurische Gruppen

Ohne auf das Video einzugehen, sagte die Sprecherin des Organisationskomitees (BOCOG), Wang Hui, am Sonntag vor der Presse in Peking: "Der Terrorismus ist die größte Gefahr für Olympische Spiele." Es werde alles unternommen, um für sichere Spiele in Peking zu sorgen.

Obwohl China bis heute von größeren Terroranschlägen verschont wurde, hat die Polizei internationale Terrorgruppen, uigurische Gruppen sowie kriminelle Akte als größte Gefahren für die Spiele identifiziert, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Schon heute herrschen massive Sicherheitsvorkehrungen, die aber nicht nur auf die Terrorgefahr zielen, sondern auch verhindern sollen, dass Proteste von China-Kritikern die Spiele überschatten könnten.

Zweifelhaftes Video

Die Authentizität des Terrorvideos, das zunächst das Washingtoner IntelCenter bekanntgemacht hatte, wurde von einer Reihe von Experten angezweifelt. Der amerikanische Uiguren-Experte Dru Gladney sagte, exil-uigurische Gruppen hätten keineswegs zu Störungen der Olympischen Spiele aufgerufen.

Über die Turkestanische Islamische Partei ist wenig bekannt. Doch bringen Experten die Gruppe mit der Ostturkestanischen Unabhängigkeitsbewegung (ETIM) in Verbindung, die von China und den USA als Terrorgruppe eingestuft worden ist.

Uiguren-Experte Gladney wies aber darauf hin, dass die ETIM schon seit Jahren nicht mehr in Erscheinung getreten sei. Die Bewegung, wenn es jemals eine gewesen sei, habe seines Wissens nach ohnehin nie viele Anhänger gehabt.

Die chinesische Regierung benutze den Namen ETIM heute undifferenziert für uigurische Unabhängigkeitsgruppen. Die Sicherheitsbehörden hatten die in dem Video genannten Anschläge bisher auch nicht mit Olympia in Verbindung gebracht.

Razzien und Festnahmen

Eine Explosion in einem Bus in Shanghai, die auch angeführt war, hatte laut Polizei "nichts mit Terroranschlägen zu tun", wie Xinhua berichtete.
Chinas Polizei unterstellt gleichwohl uigurischen Separatisten, Anschläge auf die Spiele verüben zu wollen.

Seit Jahresanfang wurden mehrere Razzien und Dutzende Festnahmen von Uiguren gemeldet, die angeblich Anschläge auf die Spiele geplant haben sollen. Konkrete Beweise wurden nicht veröffentlicht.

Xinjiang im Nordwesten ist neben Tibet eine weitere Unruheregion Chinas. Das muslimische Turkvolk der Uiguren fühlt sich durch die chinesische Fremdherrschaft unterdrückt.

Chinas Führung hatte sich das frühere Ostturkestan nach der Gründung der Volksrepublik 1949 - ähnlich wie Tibet - als autonome Region einverleibt. Exil-Uiguren fordern eine Wiederherstellung der einstigen Ostturkestanischen Republik.


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