Donnerstag, 10.07.2008

Für DOSB-Präsident Bach steht Sport im Vordergrund

"Ehrlichen Herzens auf Olympia freuen"

Frankfurt/Main - Nach monatelangen Diskussionen um die politische Situation in China steht für Thomas Bach nun der Sport bei den Olympischen Spielen in Peking im Vordergrund.

"Wir sollten uns ehrlichen Herzens freuen auf diese Spiele", sagt der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vize-Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Frankfurt/Main.

"Wir sind heute in einer Situation, wo man spürt, dass das Fieber der Olympischen Spiele um sich greift", meinte Bach bei einer Veranstaltung der Deutschen Olympischen Akademie und bezog sich 29 Tage vor Beginn der Wettkämpfe in China (8. bis 24. August) dabei auf Gespräche mit Athleten.

Kritiker mit "mehr Leidenschaft als Sachkenntnis"

Bach verteidigte erneut den Fackellauf, der wegen des Tibet-Konflikts nur unter enormen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden konnte.

"Langfristig sehr viel problematischer ist, dass das olympische Symbol der Fackel mehr zu einem Statussymbol des Austragungslandes geworden ist", räumte der Anwalt aus Tauberbischofsheim jedoch ein. "Wir müssen der Welt klarmachen, dass es ein von Olympia ausgehendes Symbol ist."

Der führende deutsche Sportfunktionär kritisierte, dass es bei der Vergabe der Sommerspiele vor sieben Jahren an Peking nur die eine oder andere Nachfrage gegeben habe. "Nun sind unserer Republik plötzlich Hunderte von China-Experten entwachsen - teilweise mit mehr Leidenschaft als Sachkenntnis."

Diejenigen Sportler, die sich einer Meinung über den Tibet-Konflikt oder die politische Situation in China enthalten, weil sie nicht genug darüber wüssten, "verdienen größten Respekt", betonte Bach.

Olympia löst nicht Probleme der Welt

Er befürworte es, "wenn die Menschen bereit sind aufzunehmen, zu lernen und dann erst eine Meinung bilden". Dass weder Bundespräsident Horst Köhler noch Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eröffnungsfeier der Sommerspiele nach China fliegen werden, nahm Bach gelassen: "Ich glaube nicht, dass sich unsere Athleten im Stich gelassen fühlen.

Und ich glaube nicht, dass dies einen prägenden Einfluss auf die Leistungen haben wird."

Angesichts von derzeit etwa 50 bewaffneten Konflikten auf dem Erdball, so Bach weiter, werde es den Menschen vielleicht noch mehr ins Bewusstsein geraten, "was es bedeutet, dass alle 205 Länder dieser Erde sich zum friedlichen Wettstreit versammeln".

Das IOC könne mit den Spielen und dem olympischen Gedanken nicht die Probleme der Welt lösen. "Aber ich habe den kleinen Funken Hoffnung, dass es zum Nachdenken anregt, ob es nicht auch im friedlichen Dialog geht." Die olympischen Zeichen seien deshalb vielleicht wichtiger als je zuvor.


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