Donnerstag, 31.07.2008

Die ausgefallensten Olympia-Sportarten

Weitspucken und Sackhüpfen

München - Sie dachten, dass Moderner Fünfkampf und Synchronschwimmen ausgefallene Sportarten wären? Weit gefehlt. SPOX hat in den Olympia-Archiven gekramt und präsentiert die Redaktions-Hitliste der ausgestorbenen Olympia-Sportarten.

Tauziehen, Olympia, Tug of War
© Getty

"Besonders bevor die Spiele professionalisiert wurden, gab es so manche Stilblüten", sagt David Wallechinsky, Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft der Olympia-Historiker in einem Interview mit der "Associated Press". "Erst als die Spiele größer wurden, hat man auch die einzelnen Sportarten ernst genommen. "

Hier die Top 8 der SPOX-Redaktion:

Platz 8: Sackhüpfen, Tonnenspringen & Weitspucken. Kindergeburtstag? Nein. Olympische Spiele 1904 in St. Louis, USA. Damals galten noch satte 102 Sportarten als olympisch. Darunter auch das Tonnenspringen. Ein 400-Meter-Hindernislauf, bei dem die Teilnehmer alle 50 Meter kopfüber durch an Seilen aufgehängte Fässer springen mussten. Auch Sackhüpfen gehörte dazu, ebenso wie das Tabak-Weitspucken.

Was folgte, war die Verspottung der Olympischen Spiele als Western-Show und eine umgehende Einmottung der meisten kuriosen Sportarten. Außerdem wurden bereits zwei Jahre später erneut Olympische Spiele abgehalten, um den Image-Schaden einzudämmen.

Platz 7: Tauziehen. Das Prinzip muss man wohl kaum erklären: Eine Horde Männer, ein dickes Seil - und ab dafür. Von 1900 bis 1920 gehörte das Kräftemessen sechs Mal zum Leichtathletik-Programm der Olympischen Spiele. Und Deutschland holte sogar Gold: Nämlich bei den eingeschobenen Spielen 1906 in Athen zusammen mit der Schweiz.

Platz 6: Unterwasserschwimmen: Einfaches Schwimmen langweilt die Zuschauer. Dachten sich die Organisatoren der Olympischen Spiele 1900 in Paris und erfanden kurzerhand das 200-Meter-Unterwasserschwimmen.

Dabei ging es nicht nur darum, einen möglichst großen Teil der Strecke tauchend zurückzulegen, sondern auch so lange wie möglich unter Wasser zu bleiben. Pro Unterwasser-Sekunde gab es einen Punkt, für jeden getauchten Meter zwei. Sieger Charles de Vendeville aus Frankreich hielt insgesamt 68,4 Sekunden die Luft an und legte 60 Meter unter Wasser zurück. Der Wettbewerb wurde anschließend abgeschafft.

Platz 5: Hindernisschwimmen: Und noch einen einmaligen Schwimm-Event riefen die Franzosen im Jahr 1900 ins Leben: Das Hindernisschwimmen. Dabei mussten die Teilnehmer 200 Meter in der Seine zurücklegen, über Boote klettern, unter Schiffen hindurchtauchen und an einer Stange empor klettern. Gewonnen hat der Australier Frederick Lane in 2:38,4 Minuten - womit er dank günstiger Seine-Strömung angeblich ganz nebenbei den damaligen Weltrekord über die regulären 200-Meter-Freistil egalisierte.

Platz 4: Weitsprung für Pferde: Was macht der gemeine Leichtathlet, wenn er fußlahm wird? Er setzt sich ganz einfach aufs Pferd und lässt das Tier für ihn springen. Stimmt natürlich nicht, aber 1900 in Paris gab es tatsächlich einen olympischen Hoch- und Weitsprung-Wettbewerb für Pferde. Gewonnen hat der Belgier Constant van Langhendonck mit seinem Hengst "Extra Dry". Auf ihm sprang er 6,10 Meter über einen Wassergraben. Der Weltrekord für menschliche Solo-Springer liegt aktuell übrigens bei 8,95 Meter.

Platz 3: Das Pistolen-Duell: Klar, müssen die Amerikaner gewesen sein. Cowboys & Indianer und so. Doch weit gefehlt, es waren die Griechen. 1906 in Athen wurde sich gepflegt olympisch duelliert. Naja fast. Denn anstatt sich in bester Wild-West-Manier gegenseitig über den Haufen zu knallen, ballerten die Teilnehmer auf in Gehröcke gekleidete Schaufensterpuppen mit Zielscheiben auf der Brust.

Gewonnen haben damals übrigens der Franzose Leon Moreaux (über 20 Meter) und der Grieche Konstantinos Skarlatos (30 Meter). Ob ihnen anschließend Sheriffs-Posten in den USA angeboten wurden, ist nicht überliefert.

Platz 2: Taubenschießen: Klingt brutal, ist es auch. Denn hier geht es nicht etwa um Tontauben oder andere Attrappen: Wir sprechen hier tatsächlich von den kleinen gurrenden Viechern aus Fleisch und Blut, die einem in der Innenstadt aus der Hand fressen und auf den Kopf sch.... Wie auch immer: Knapp 300 Exemplare der Gattung "gemeine Stadttaube" wurden 1900 in Paris vom Himmel geholt, als die Olympioniken den besten Schützen auf die flatternde Scheibe ermittelten. Zum Entzücken von Tierschützern und Stadtreinigung wurde das blutige Spektakel anschließend wieder abgeschafft. Einziger Titelträger bleibt damit der Belgier Leon de Lunden mit 21 Treffern bei nur zwei Fehlschüssen.

Platz 1: Kraulen nur für Matrosen: Immer nur zugucken ist langweilig: Dachte sich auch die Besatzung der im Hafen von Piräus liegenden griechischen Kriegsschiffe bei den Olympischen Spielen 1896 und wollte unbedingt an den vor der eigenen Nase stattfindenden Schwimmwettbewerben teilnehmen.

Das Problem: Die guten Matrosen waren einfach zu langsam. Und damit man sich nicht ganz blamiert, wurde kurzerhand ein eigener Wettbewerb über 100 Meter geschaffen. Drei Seefahrer nahmen teil, der Sieger war am Ende knapp eine Minute langsamer als der Gewinner des regulären Wettbewerbs. Immerhin bei uns gewinnen sie damit was - nämlich Platz eins im Ranking der kuriosesten Olympia-Sportarten.

Knapp an den Top 8 vorbeigeschrammt sind: Keulenschwingen, Kopfspringen und Einzel-Synchronschwimmen. Weitere Anregungen sind immer gerne gesehen.

Jan-Hendrik Böhmer

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