Montag, 23.06.2008

Olympia

Orange-Bademäntel nicht sinnvoll

Berlin - Erst plädierte er nach den Unruhen in Tibet für einen Sportler-Protest gegen Chinas Politik in orangenen Bademänteln, doch dann machte er sich kundig und kam zu neuen Einsichten.

Wasserballer Sören Mackeben, 29-jähriger Nationalspieler von den Wasserfreunden Spandau 04 und mit seinem Verein Meister und Pokalsieger geworden, las Hintergrundartikel, sprach mit chinesischen Studenten an der Uni und wurde sogar vom chinesischen Botschafter Ma Canrong in Berlin empfangen.

"Ich habe gemerkt, wie wenig Ahnung ich von dem Thema hatte und dass ich in vielem nur Angelesenes aus den Medien wiederholte und quasi blank da stand, wenn ich mit Argumenten konfrontiert wurde, auf die ich nichts mehr entgegnen konnte", bekennt er heute.

Chinesischer Botschafter interessiert

Mackebens etwas andere Vorbereitung auf die Reise zu den Olympischen Spielen nach Peking hat sich auf jeden Fall gelohnt. Der chinesische Botschafter kannte die Geschichte mit den Bademänteln. Und er war "sehr interessiert, offen, hat auf alles geantwortet", schildert Mackeben seine Eindrücke.

Es gab keine Tabus, weder die Dalai Lama-Problematik, Menschenrechte, noch Internet-Zensur. Allerdings konnte der Wasserballer nicht in jedem Punkt die chinesische Position teilen.

Orange als Farbe der Mönche

Im Frühjahr hatte der Student für Europäische Wirtschaft mit dem Vorschlag für Medienaufmerksamkeit gesorgt, bei den Olympischen Spielen, bei denen die deutschen Männer im Eröffnungsmatch auf Gastgeber China treffen, in orangefarbenen Bademänteln anzutreten.

Orange ist die Farbe der tibetanischen Mönche. Nach diesem Statement war die Randsportart Wasserball plötzlich für einen Moment im Fokus der Öffentlichkeit.

"Das hat mich stutzig gemacht. Es gab in kürzester Zeit über 20 Interview-Anfragen. Mehr als in meinem ganzen Wasserball-Leben davor zusammen", berichtet Mackeben.

Facettenreich und formelhaft

Doch ihn störte eine gewisse Erwartungshaltung und Vorfestlegung in der Fragestellung der Medien. Der gebürtige Niedersachse wollte mehr zum Thema wissen und ergriff eine ungewöhnliche Eigeninitiative.

Ma Canrong habe den Ärger über Klischees und mangelnde Sachkenntnis in den Berichten nicht verhehlt, sagt Sören Mackeben. Aber, so der Botschafter, die Zentralregierung daheim in Peking habe es auch verpasst, ihre Leistungen in Sachen Tibet der vergangenen Jahre nach außen besser zu kommunizieren.

Sören Mackeben: "Ich fing an zu begreifen, wie komplex die Problematik ist, wie viele Facetten sie hat und wie formelhaft darüber diskutiert wird. Deshalb ist die Idee mit den orangefarbenen Bademänteln auch nicht mehr sinnvoll".

Kein Umfaller

Als Umfaller sieht er sich deshalb nicht. "Man kann auch so in Peking seine Meinung sagen, sich klar für die Menschenrechte aussprechen. Im übrigen habe sich mit etwas Abstand zu den Frühjahrs-Ereignissen nachhaltig sein damaliger Verdacht bestätigt.

"Das Thema ist genau so lange interessant, wie sich die Nachricht oder die Zeitung damit besser verkauft. Heute musst du schon wieder nach Beiträgen zum Thema suchen."


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