Mittwoch, 04.06.2008

Olympia

In Peking sind noch Betten frei

Peking - Für die Zeit der Olympischen Spiele in wenigen Wochen in Peking sind noch viele Hotelbetten frei. Der gefürchtete Engpass blieb bisher aus. Eine verschärfte Visa-Vergabe, hohe Preise und schlechte Nachrichten haben sich offenbar auf die Buchungen ausgewirkt.

"In diesem Jahr sind so viele Dinge in China passiert", klagte die Direktorin des Pekinger Tourismusbüros, Zhang Huiguang. Erst sorgte im Januar eine Schneekatastrophe für ein Verkehrschaos, dann folgten im März die Unruhen in Tibet und schließlich starben im Mai bei einem Erdbeben im Südwesten mindestens 70.000 Menschen.

"Einige ausländische Tourgruppen haben nach dem Erdbeben ihre Reisen abgesagt", erklärte der Mitarbeiter eines Reisebüros in Peking. Auch Berichte von angeblich vereitelten Terroranschlägen gegen die Spiele oder auf ein Passagierflugzeug könnten potenzielle Besucher beunruhigt haben.

Allgemeine Verwirrung um Visa-Vergabe

Abschreckend dürfte aber vor allem die verschärfte Visa-Vergabe auf manche der rund 500.000 erwarteten Olympia-Touristen aus dem Ausland gewirkt haben. Weil China Proteste von Exiltibetern und anderen Aktivisten während der Spiele verhindern will, wurde die früher großzügig ausgelegte Visa-Vergabe erschwert.

Unter Chinareisenden und Geschäftsleuten herrscht seither wegen der offenbar uneinheitlich gehandhabten Visa-Praxis Verwirrung. Touristen müssen zusätzliche Dokumente wie etwa eine gültige Hotelbuchung vorlegen.

Besonders schwer haben es Geschäftsleute, die nötigen Genehmigungen für mehrere Ein- und Ausreisen zu bekommen. Bisher konnten die Reisedokumente relativ einfach in Hongkong erneuert werden. Nun können manche Manager, die geschäftlich viel in China zu tun haben, nur im Heimatland ihr Visum verlängern lassen.

Sinkende Touristenzahlen 

Im April hat die Zahl der Touristen aus Hongkong und Taiwan bereits um 35 Prozent bzw. 25 Prozent abgenommen, sagen die Statistiken des Pekinger Tourismusbüros. Ob dafür die Visa-Vergabe verantwortlich sei, habe man aber "nicht analysiert", heißt es aus der Statistikabteilung. Insgesamt kamen im April 5,3 Prozent weniger ausländische Touristen in die Hauptstadt.

Selbst Hotels der gehobenen Klasse haben noch Zimmer für die Zeit der olympischen Wettkämpfe vom 8. bis zum 24. August anzubieten. Fast ein Viertel der Betten in Fünf-Sterne-Hotels sind noch frei, wie das Tourismusamt berichtete.

Bei den Vier-Sterne-Unterkünften sind es sogar mehr als die Hälfte. In den niedrigeren Klassen der insgesamt 5892 Hotels sind noch weniger Zimmer bereits gebucht. Inklusive der 815 Sterne-Hotels mit 660.000 Betten bietet Peking nach eigenen Angaben ohnehin mehr Unterkünfte für Besucher als die früheren Olympiastädte Sydney und Athen.

Hohe Preise schrecken Besucher ab

Für Touristen aus China dürften vor allem die hohen Preise während der Zeit der Spiele der ausschlaggebende Grund für die unerwartete Zurückhaltung sein. Zimmer in einem Fünf-Sterne-Hotel kosten fast dreimal so viel wie sonst, vier Sterne kommen sogar rund viermal so teuer. "Die Hotelpreise steigen, die Transportkosten steigen, deshalb werden viele sich dagegen entscheiden, in dieser Zeit zu kommen", sagt Zhang Huiguang.

Manche Reiseveranstalter sehen die Spiele deshalb eher als Hemmschuh für den traditionellen China-Tourismus an, auch wenn das China-Interesse wegen Olympia insgesamt gestiegen ist. "Wir haben so gut wie gar keine Touren diesen Sommer", erklärt der Touristenführer eines europäischen Unternehmens.

Viele Touristen kommen dieses Jahr speziell für die Spiele und buchen weniger typische China-Reisen mit Besichtigung der Terrakotta-Armee und Bootstour auf dem Jangtse. Die angepeilte Zahl der ausländischen Besucher liegt für den Olympia- Zeitraum auch nur um 20.000 bis 80.000 höher als im Vorjahr.

Touristen-Boom bleibt aus

"Im Vergleich zum vergangenen Jahr gibt es keinen wesentlich Anstieg", stellt Liu Yang von der China Commercial Travel Agencyfest. Von einem Touristen-Boom durch Olympia kann deshalb offenbar keine Rede sein. Damit die Industrie am Ende nicht gar Einbußen verbuchen muss, versuchen die Behörden schon, mögliche Bedenken zu zerstreuen.

"Ich kann ihnen versichern, dass die chinesischen Behörden die Sicherheit der Touristen, der Stadt und der Spiele garantieren können", beteuerte Zhang Huiguang. Peking werde die Touristen "enthusiastisch" willkommen heißen.


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