Dienstag, 24.06.2008

Olympia

Start nur über Bundesgericht

Pensacola/Boston - Der wegen Dopings gesperrte US-Sprinter Justin Gatlin droht bei seinem juristischen Streit um einen Olympia-Start in Peking in einer Sackgasse zu landen.

Gatlin, Leichtathletik
© DPA

Rund sechs Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele steht fest, dass der 100-Meter- Olympiasieger vor ein Schweizer Bundesgericht ziehen müsste, um seine letzte Chance auf eine Titelverteidigung nutzen zu wollen.

Denn Howard Stupp, der Direktor des Rechtsausschusses des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), teilte mit, dass der Amerikaner unabhängig von der Entscheidung eines US-Gerichtes nicht in Peking starten dürfe. Gatlins-Anwalt Joe Zarzaur beurteilte die Erfolgschance vor dem Schweizer Gericht zurückhaltend.

Sperre bis zum 25. Mai 2010 

"Wenn er das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS in Lausanne anfechten möchte, muss er vor ein Schweizer Bundesgericht ziehen", teilte Strupp in einem Schreiben an ein Bundesgericht in Pensacola/Florida mit. Dort hatte US-Richter Lacey A. Collier auf Antrag des Sprinters eine zehntägige Einstweilige Verfügung erlassen, damit Gatlin bei den US-Meisterschaften der Leichtathleten in Eugene/Oregon starten und sich dort für Peking qualifizieren kann.

Grund der juristischen Intervention war das CAS-Urteil vom 6. Juni. Die oberste Sportgerichtsbarkeit hatte Gatlins Klage auf eine Halbierung seiner Doping-Sperre abgewiesen und seinen bis zum 25. Mai 2010 geltenden Bann um zwei Monate verlängert, da Gatlin erst am 25. Juli 2006 Selbstanzeige erstattet hat. Somit wäre er selbst bei einer Halbierung seiner Sperre nicht bei den US-Trials startberechtigt.

Weitere Schritte noch offen

Neun Anwälte des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC), des US-Leichtathletik-Verbandes (USATF) und der US-Anti-Doping- Agentur (USADA) betonten einstimmig, dass die Sache nicht in Colliers Zuständigkeitsbereich falle. "Man kann die Sache drehen, wie man will. Letztlich muss das CAS-Urteil annulliert werden", sagte USOC-Anwalt Howard Jacobs.

Man könne nicht einfach herkommen, nur da man mit einem Ergebnis nicht einverstanden sei, so Jacobs. Sollte Gatlin über die 100 Meter in Eugene starten, werden die Antragsgegner voraussichtlich vor das elfte Bezirksgericht in Atlanta ziehen.

Gatlins weitere Schritte sind jedoch noch offen. "Unsere letzten Standpunkte waren unsere stärksten. Leute halten dies alles zwar für den wohl größten Umweg, aber es war das Positivste der vergangenen zwei Jahre und ich fühle mich wirklich gut dabei", meinte Gatlin.

"Justin muss überlegen, was er jetzt machen will", sagte sein Anwalt Joe Zarzaur. "Es ist fraglich, ob das Ergebnis anders ausfallen wird, wenn ein Schweizer Gericht die Rechte von Amerikanern mit Behinderungen interpretieren soll", erklärte Zarzaur weiter.

Auch 2006 positiv getestet 

Gatlin sieht seine Rechte als Behinderter verletzt. Er wurde zwar 2001 des Amphetamin-Dopings überführt, konnte aber nachweisen, dass der positive Befund das Ergebnis einer medikamentösen Behandlung gegen seine von Geburt an vorhandene Aufmerksamkeitsstörung war. Die zunächst auf zwei Jahre ausgelegte Sperre wurde vom Leichtathletik- Weltverband IAAF daraufhin auf zwölf Monate reduziert, jedoch nie vom CAS aufgehoben.

Der Sprinter wurde zudem am 22. April 2006 bei einem Staffelrennen in Kansas positiv auf Testosteron getestet und gilt daher als Wiederholungstäter. Da sich Gatlin anschließend auf eine Zusammenarbeit mit der USADA einigte, wurde seine am 24. Mai 2006 verhängte achtjährige Sperre im Januar von einem US-Gericht halbiert.


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