Bob: Olympiasieger Steven Holcomb aus den USA wurde in Lake Placid tot aufgefunden

Tod mit 37: Trauer um Olympiasieger Holcomb

SID
Sonntag, 07.05.2017 | 10:10 Uhr
Steven Holcomb war in den vergangenen Jahren einer der erfolgreichsten Bob-Fahrer
© getty
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Bob-Olympiasieger Steven Holcomb ist mit nur 37 Jahren gestorben. In die Bestürzung mischen sich die Fragen nach der Todesursache.

Er hatte noch so viele Pläne. Steven Holcomb verhandelte gerade noch mit potenziellen Sponsoren, drehte für den US-Sender NBC schon TV-Spots für die Olympischen Winterspiele und hatte im März sogar schon die Olympia-Bobbahn in Pyeongchang in Augenschein genommen. In Südkorea aber wird sein Schlitten fehlen: Der Vierer-Olympiasieger von 2010 starb unter noch ungeklärten Umständen am Samstag in seinem Zimmer im US-Olympiazentrum von Lake Placid - Steven Holcomb wurde nur 37 Jahre alt.

"Mein Herz ist gebrochen, ich stehe unter Schock. Er war der personifizierte Bobsport der USA und wird das auch immer sein", kommentierte die frühere Zweier-Weltmeisterin Elana Meyers die traurige Nachricht tief betroffen: "Wir haben nicht nur einen großartigen Bobfahrer verloren, sondern einen großartigen Teamkameraden und einen noch besseren Freund."

Auch im deutschen Lager herrschte Betroffenheit: "Die Bob-Welt verliert mit 'Holcy' einen herausragenden Sportler und einen tollen Menschen", sagte Vorstand Thomas Schwab vom BSD am Sonntag auf SID-Anfrage.

Holcomb war früher einmal depressiv - doch er kämpfte weiter

In die tiefe Bestürzung über den unerwarteten Tod des Weltklasse-Fahrers - in der vergangenen Weltcup-Saison erreichte Holcomb Platz zwei im kleinen Schlitten und Rang drei im Vierer - mischte sich auch die quälende Frage nach der Todesursache. Der US-Verband erwartete noch für Sonntag den Abschluss der amtlichen Autopsie.

Tatsächlich gibt Holcombs Tod Rätsel auf. Organisch waren nach einer Augen-Operation vor neun Jahren, durch die seine Ärzte eine fortschreitende Erblindung verhinderten, keine ernsthafteren Erkrankungen des Kraftpaketes bekannt. Auch mit Doping wurde der zweimalige Olympiadritte nicht in Verbindung gebracht.

Einen Anhaltspunkt allerdings könnte Holcomb bereits vor fünf Jahren selbst gegeben haben: In seinem Buch über die Erfahrungen mit der Keratoconus-Krankheit seiner Augen und dem anschließenden Weg zum Olympia-Triumph in Kanada gestand Holcomb einen Selbstmordversuch von 207 öffentlich ein. Der Grund: Depressionen.

Weltmeister Gesamtweltcup- und Olympiasieger im "Night Train"

Seine psychischen Probleme hatte Holcomb nach dem Suizid-Versuch offensiv bekämpft, dies brachte ihm viele Sympathien ein. "Depressionen", berichtete Holcomb in seinem Buch, "Depressionen sind nichts, das man sich durch einen Windzug einfängt und am nächsten Tag ist man krank. Es ist ein schleichender, degenerativer Prozess wie auch Keratoconus. Wie bei meiner zunehmenden Erblindung habe ich mich entschieden, selbst gegen die Dämonen zu kämpfen - ohne jemandem davon zu erzählen oder mir Hilfe von anderen zu holen."

Die gewonnenen Schlachten gegen Körper und Psyche stärkten Holcomb für die Kämpfe gegen seine Konkurrenten in der Eisrinne. 2009 holte der vom Bremser zum Piloten aufgestiegene Fahrer im Vierer seinen ersten von insgesamt fünf WM-Titel, ehe Holcomb ein Jahr später in Vancouver den "Night Train (Nachtzug)" zum ersten Olympia-Gold für die USA im großen Schlitten seit 1948 steuerte.

Sein Manager Brant Feldman reagierte fassungslos auf Holcombs Tod. "Als wir uns kürzlich noch gesehen hatten", erzählte Feldmann von der letzten Begenung mit seinem Schützling, "war alles cool. Wir sprachen dabei auch über den richtigen Zeitpunkt für einen Rücktritt, und er meinte, dass die WM 2019 in Whistler sein Schwanengesang werden soll." Dieser letzte Auftritt auf der Bahn seines größten Erfolges von 2010 war Holcomb jedoch nicht mehr vergönnt.

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