"Ergebnis der Studie klar"

SID
Donnerstag, 07.04.2016 | 11:24 Uhr
Die IBU verteidigt ihr Vorgehen
© getty
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Doping-Experte Fritz Sörgel hat mit Verwunderung auf die Entscheidung des Biathlon-Weltverbandes IBU reagiert, Meldonium-Verfahren vorerst auszusetzen. Die IBU hatte angekündigt, zunächst das Ergebnis einer Studie der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA zur Klärung des Abbaus des Herzmedikaments abzuwarten.

"Man kann die Studie machen, aber das Ergebnis ist jetzt schon klar", sagte Sörgel dem SID. Alle wissenschaftlich relevanten Punkte seien geklärt und publiziert. Die Halbwertzeit des Mittels sei kurz und liege bei unter fünf Stunden. "Selbst bei großzügiger Auslegung wird man da nach drei Tagen nichts mehr finden", betonte der Wissenschaftler, der zu dem Thema am 31. Mai in Frankfurt/Main ein Symposium mit "Meldonium-Entdecker" Ivars Kalvins veranstaltet.

Die IBU verteidigte ihr Vorgehen und wies in einer Mitteilung darauf hin, dass eine neue Pilotstudie die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Abbauzeit von Meldonium in Frage stellen würde. Demnach scheint es wohl möglich, dass Athleten das verbotene Mittel vor September 2015 genommen haben, als es noch nicht auf der Verbotsliste stand.

Wie die WADA erklärte, sei das Herzmittel mit Jahresbeginn auf die Verbotsliste gesetzt worden, weil es Athleten einzig und allein zur Leistungssteigerung eingenommen hätten. Die Verbände hätten zuvor drei Monate Zeit gehabt, die Maßnahme den Athleten mitzuteilen. Auf SID-Anfrage wies die WADA zudem hin, dass einzig und allein der Zeitpunkt der entnommenen Probe, und nicht der Zeitpunkt der Einnahme, für eine mögliche Sanktionierung entscheidend sei.

Meldonium bereits seit dem 1. Januar verboten

Sollte die Abbauzeit aber tatsächlich länger dauern, könnten die gesperrten Athleten argumentieren, das Mittel schon vor September genommen zu haben. Den Verbänden würde damit möglicherweise eine Klagewelle auf Schadenersatz drohen.

Das sei aber für die IBU nicht der Grund gewesen, die Verfahren auszusetzen, wie deren Generalsekretärin Nicole Resch dem SID versicherte. "Unsere Entscheidung hat nur mit dem Fakt zu tun, dass wir korrekte Anträge stellen wollen. Und deshalb warten wir die Ergebnisse der WADA-Studie ab."

Das Herzmedikament Meldonium steht seit dem 1. Januar auf der WADA-Verbotsliste. In den vergangenen Wochen waren mehrere prominente russische Sportler wie Tennis-Superstar Maria Scharapowa und Schwimm-Weltmeisterin Julija Jefimowa des Meldonium-Dopings überführt und gesperrt worden.

Im Biathlon war der frühere Juniorenweltmeister Eduard Latypow (Russland) nach Einnahme des Mittels suspendiert worden. Der Ukrainer Artem Tyschtschenko und seine Teamkollegin Olga Abramowa wurden ebenfalls mit Meldonium erwischt und provisorisch suspendiert. Die Athleten sollen zunächst gesperrt bleiben. Mit dem Ergebnis der Studie wird im Spätsommer gerechnet.

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