"Skispringen ist wie Todesangst"

Donnerstag, 03.12.2015 | 17:24 Uhr
Dieter Thoma hat 1989/90 die Vierschanzentournee gewonnen
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SPOX: Apropos Schuster. Wie bewerten Sie eigentlich die Arbeit des Bundestrainers?

Thoma: Er macht seinen Job sehr gut. Auch er lernt von Jahr zu Jahr immer mehr dazu. Das soll jetzt nicht blöd klingen. Er ist ein sehr gut ausgebildeter Trainer, der alles kann, was man können muss. Aber er lässt auch die Co-Trainer wirken, was ziemlich clever ist. Die können in Absprache in den jeweiligen Bereichen selbstständig arbeiten, so entsteht ein ganz anderes Gefüge. Der Werner hat die Trainer unter sich im positiven Sinne im Griff.

SPOX: Und das war vor ihm nicht immer so?

Thoma: In der Vergangenheit war es manchmal so, dass es völlig unterschiedliche Auffassungen von Training und Technik gab und jeder Landesverband um Einfluss kämpfte. Es ist im Prinzip immer so, aber es müsste heißen: Wir springen gemeinsam für Deutschland und nicht zum Beispiel wir für den Schwarzwald, wir für Bayern und ihr für Thüringen. Werner hat es geschafft, sich anzunähern, ein gesamtdeutsches Team ohne Grüppchen zu formen. Es ist immer mehr ein Miteinander, kein Gegeneinander. Und das ist soooo wichtig.

SPOX: Im Rodeln gab es ähnliche Schwierigkeiten. Da wurde den Bayern vorgeworfen, ihr eigenes Süppchen zu kochen.

Thoma: Jeder hat seine Befindlichkeiten und möchte seine Berechtigung, das ist auch irgendwo okay. Im Skispringen ist der Bundestrainer eher so eine Art Bundespräsident. Er muss das große Ganze im Blick haben. Ein Bundespräsident muss sich auf den unterschiedlichen Gebieten nicht immer selbst zu 100 Prozent auskennen.

SPOX: Also hat Schuster auch Schwächen?

Thoma: So meine ich das überhaupt nicht. Werner ist natürlich ein Fachmann, der sich überall auskennt. Er ist aber nicht ständig mit jedem Sportler zu Hause beim Training, sondern bekommt durch seine Co-Trainer alles mit. Und er versucht nicht, die zu überstimmen, sondern miteinander im Dialog die richtigen Schlüsse zu ziehen.

SPOX: Geben Sie uns bitte ein Beispiel.

Thoma: Wenn Freunds Heimtrainer Christian Winkler beispielsweise seinem Schützling etwas erklärt, würde Werner nicht währenddessen unterbrechen und sagen: Das sehe ich aber so oder so. Er wartet das Gespräch ab und redet im Nachhinein mit dem Trainer und bringt dann seine Ideen ein. Die Zusammenarbeit im deutschen Team funktioniert deshalb richtig gut, es herrscht auch eine tolle Atmosphäre. Und das ist - das weiß ich aus eigener Erfahrung - enorm wertvoll. Man geht dann als Springer mit einer ganz anderen Stärke an einen Wettkampf heran.

SPOX: Man merkt, dass Sie sich viele Gedanken über Ihren Sport machen. Auch darüber, wie das Skispringen für den Fernsehzuschauer und für das Publikum vor Ort insgesamt populärer gemacht werden kann. An was denken Sie dabei?

Thoma: Man darf natürlich keinen zu großen Einfluss auf die Sportler nehmen, aber man muss sie noch mehr einbinden. Man muss dem Zuschauer noch mehr eindeutige Informationen bieten und die Leute unterhalten. Die sollen sagen: Das war ein richtig tolles Event mit sportlichen Höchstleistungen, außerdem haben wir die Sportler auch mal ohne Helm zu Gesicht bekommen. Der Fan sollte die Jungs auch im Alltag kennen. Klar sind die, die schon seit Jahren dabei sind, oder auch die meisten deutschen Springer bekannt. Man muss den Fans aber alle Springer präsentieren und vorstellen, damit sie sich womöglich mit dem einen oder anderen Sportler identifizieren können. Oder was junge Zuschauer angeht, damit Sie sich einen Skispringer als Idol aussuchen können.

SPOX: Also müssen Skispringer mehr von sich preisgeben?

Thoma: Man kann sich in gewissen Bereichen natürlich weiterhin schützen. Man kann sagen: Ich möchte mein Privatleben raushalten, vor allem wenn man Kinder hat. Man möchte ja nicht unbedingt, dass sein Kind im Fernsehen gezeigt wird. Dennoch haben die Sportler nur eine relativ kurze Phase in ihrem Leben, in der sie auch finanziell etwas bewirken können. Wenn sie also eine Werbefigur sind, die man sieht und erkennt, dann gibt es bessere Sponsorenverträge. Natürlich bleibt die Leistung das Grundlegende. Ohne Leistung gibt es keinen Sponsorenvertrag. Trotzdem muss ein Sportler ein bisschen etwas von sich preisgeben.

SPOX: Wie kommt man als Sportler in der Öffentlichkeit gut an?

Thoma: Die Menschen wollen Typen haben, von denen sie sagen: Schau mal, das ist ein Mensch wie du und ich, aber der bringt Spitzenleistungen. Das ist geil, hinter dem kann ich stehen. Ein Skispringer muss sich jetzt nicht unbedingt zu politischen oder religiösen Themen äußern. Aber eine eigene Meinung zu haben und diese auch vertreten - das sollte man schon machen. So kann der Fan ja erst sehen: Der gefällt mir, der ist sympathisch, der gibt gute Interviews. Bodenständigkeit in der Kombination mit einer gewissen Offenheit kommt bei den Menschen meistens gut an. Der Mensch ist das, was übrig bleibt. Die Leistungen sind irgendwann weg.

SPOX: Welcher Skispringer war in dieser Hinsicht in der Vergangenheit besonders erfolgreich?

Thoma: Martin Schmitt ist ein gutes Beispiel. Der war sehr erfolgreich und gleichzeitig als Mensch immer top und nie neidisch oder so. Der wahre Mensch ist bei ihm herausgekommen, als er keine Erfolge mehr hatte. Es war wahnsinnig beeindruckend, wie er damit umgegangen ist. Auch mit der Kritik. Das war großer Sport, da muss ich noch heute den Hut vor ziehen. Er ist einfach immer ein guter Typ geblieben.

Seite 1: Thoma über enorme Belastungen und die DSV-Adler

Seite 2: Thoma über Schuster, neue Ideen und Martin Schmitt

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