Donnerstag, 19.03.2015

Freunds Traum vom Gesamtweltcup

Im "Tal der Schanzen" auf den Gipfel

Drei Wochen nach WM-Gold peilt Severin Freund am Freitag den nächsten großen Coup an. Als dritter deutscher Skispringer kann der 26-Jährige den Gesamtweltcup gewinnen.

Severin Freund liegt im Gesamtweltcup 94 Punkte vor Peter Prevc
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Severin Freund liegt im Gesamtweltcup 94 Punkte vor Peter Prevc

Eigentlich bevorzugt Severin Freund elektronische Beats. Am Freitag jedoch steht bei dem 26-Jährigen wieder schräge Blasmusik hoch im Kurs. "Planica, Planica, du Königin des Schnees", dröhnt es dann bei jedem 215-m-Flug aus den Lautsprechern.

Für Freund sollte das kein Problem sein, hat der 26-Jährige im slowenischen Wintersport-Mekka doch viel vor. Als dritter deutscher Skispringer kann der 26-Jährige den Gesamtweltcup gewinnen.

"Es ist noch nichts entschieden. Aber die Ausgangslage ist sehr gut, ganz klar", sagt Freund, der drei Wochen nach WM-Gold seine überragende Saison krönen kann.

94 Punkte beträgt sein Vorsprung auf Lokalmatador Peter Prevc, bei einem Sieg am Freitag (15.15 Uhr im LIVE-TICKER) wäre ihm die große Kristallkugel nicht mehr zu nehmen. Und im Notfall wartet am Sonntag eine weitere Chance.

"Ein enges und hochkarätiges Rennen"

So weit will Freund es aber erst gar nicht kommen lassen. Vier Siege in Folge hat der Niederbayer zuletzt gefeiert, auch auf dem umgebauten Riesen-Bakken im "Tal der Schanzen" gilt der Skiflug-Weltmeister als Favorit. Und vielleicht fällt in Planica sogar der Weltrekord, der seit einem Monat bei 251,5 Metern steht, gehalten vom Norweger Anders Fannemel.

So oder so gibt es für Freund nur eine Devise: Attacke. "Beim Skifliegen kann man nicht verhalten springen oder abwarten", sagt der Wahl-Münchner, der ganz nebenbei auch die kleine Kristallkugel als bester Skiflieger holen kann.

Viel wertvoller ist allerdings die große. Aus deutscher Sicht gelang dieses Kunststück bislang nur Jens Weißflog (1984) und Martin Schmitt (1999 und 2000).

"Severin hat sich eine gute Ausgangsposition geschaffen, um in Planica sein großes Ziel aus eigener Kraft erreichen zu können. Aber es wird ein enges und hochkarätiges Rennen", sagt Werner Schuster.

Hannawald-Rekord einstellen?

Nur zu gut erinnert sich der Bundestrainer noch an die vergangene Saison. Auch damals duellierte sich Freund mit Prevc, es ging um Rang zwei im Gesamtweltcup hinter dem Polen Kamil Stoch. Damals wuchs der Slowene über sich hinaus und zog in letzter Sekunde vorbei.

Vierschanzentournee: Die Sieger der letzten 20 Jahre
Die Vierschanzentournee ist jedes Jahr auf Neue ein Highlight. SPOX blickt auf die letzten 20 Sieger zurück
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2014/15: Stefan Kraft (Österreich). Der 22-Jährige setzte sich vor seinem Landsmann Michael Hayböck und Peter Prevc durch
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2013/14: Thomas Diethart (Österreich). Der Sensationssieger kam aus dem Nichts und gewann sowohl in Garmisch als auch in Bischofshofen
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2012/13: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der Dominator wiederholte seinen Triumph bei der Vierschanzentournee dank Siegen in Innsbruck und Bischofshofen
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2011/2012: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der 23-Jährige gewann in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen und bescherte den Österreichern den vierten Titel in Folge
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2010/2011: Thomas Morgenstern (Österreich). Morgi ließ Simon Ammann (SUI) und Tom Hilde (NOR) hinter sich
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2009/2010: Andreas Kofler (Österreich). Ihm reichte für den Gesamtsieg ein erster Platz in Oberstdorf, in den anderen drei Wettbewerben landete er nicht auf dem Podest
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2008/2009: Wolfgang Loitzl (Österreich). Loitzl gewann gleich drei der vier Springen
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2007/2008: Janne Ahonen (Finnland). Er holte sich als erster Skispringer den fünften Gesamtsieg. Erstmals wurden zwei Springen in Bischofshofen ausgetragen, Innsbruck (zu viel Wind) fiel aus
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2006/2007: Anders Jacobsen (Norwegen). Setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gregor Schlierenzauer durch
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2005/2006: Janne Ahonen (Finnland) und Jakub Janda (Tschechien). Das Duo hatte nach vier Springen jeweils 1081,5 Punkte. Erstmals in der Geschichte der Tournee gab es zwei Sieger
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2004/2005: Janne Ahonen (Finnland). Er knackte fast den Rekord von Sven Hannawald mit den vier Tagessiegen. Doch im letzten Springen landete Ahonen nur auf Platz zwei
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2003/2004: Sigurd Pettersen (Norwegen). Kam ebenfalls auf drei Siege. Peter Zonta war nur in Innsbruck besser
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2002/2003: Janne Ahonen (Finnland). Ihm reichte ein Sieg in Innsbruck, um die Tournee zum zweiten Mal zu gewinnen
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2001/2002: Sven Hannawald (Deutschland). Historisch! Hanni gewann als bislang einziger Athlet alle vier Springen. Da verbeugte sich selbst der 2007 verstorbene Bundestrainer Reinhard Heß
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2000/2001: Adam Malysz (Polen). Musste sich auf den ersten beiden Schanzen noch geschlagen geben, ehe er in Innsbruck und Bischofshofen triumphierte
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1999/2000: Andreas Widhölzl (Österreich). Er gewann auf den letzten drei Schanzen und sicherte sich so den Tourneesieg
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1998/1999: Janne Ahonen (Finnland). Schnappte sich 1999 den ersten seiner insgesamt fünf Tourneesiege
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1997/1998: Kazuyoshi Funaki (Japan). Er siegte auf den ersten drei Schanzen und holte sich vor Sven Hannewald den Titel
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1996/1997: Primoz Peterka (Slowenien). Gewann im knalligen Orange in Garmisch - dieser Erfolg reichte am Ende zum Tourneesieg
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1995/1996: Jens Weißflog (Deutschland). Der Floh vom Fichtelberg holte sich 1996 zum vierten und letzten Mal den Gesamtsieg
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Nun aber hat Freund deutlich bessere Karten. Nach Gold bei der Skiflug-WM 2014 und der nordischen WM 2015 wäre es der dritte von fünf großen Titeln, die es im Skispringen zu holen gibt. Nur Einzel-Gold bei Olympia und der Tournee-Triumph würden dann in der Sammlung noch fehlen.

Alle fünf Titel hat bislang nur der Finne Matti Nykänen gewonnen, sieben weitere Springer stehen bei vier großen Siegen, darunter Weißflog und Hans-Georg Aschenbach.

So weit will Freund aber noch nicht denken. Ein Sieg am Freitag - es wäre der fünfte in Folge und die Einstellung des deutschen Rekords von Sven Hannawald - würde die Erfüllung eines Traumes bedeuten. Und dafür würde Severin Freund notfalls auch die schräge "Planica-Hymne" in Kauf nehmen.


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