Biathlon-WM: Tops und Flops

Die Karaoke-Champions

Von Adrian Franke
Montag, 16.03.2015 | 15:47 Uhr
Das deutsche Herren-Team gewann bei der WM Gold in der Staffel
© getty
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Deutschlands Biathlon-Wiederauferstehung, die Boe-Show oder Smiths historischer zweiter Platz - die Biathlon-WM in Kontiolahti hatte vieles zu bieten. Doch es gab nicht nur positive Überraschungen. Daria Domracheva und Lokalmatadorin Kaisa Mäkäräinen enttäuschten, während das DSV-Team falsche Goldmedaillen erhielt. Außerdem: Was war nur mit dem Wetter los?

Tops:

"Die Nummer eins der Welt sind wir": Die Fans durften in Kontiolahti die deutsche Biathlon-Wiederauferstehung bewundern. Gold in der Frauen-Staffel, Gold in der Männer-Staffel - kollektives Aufatmen war nach der enttäuschenden WM 2013 sowie den mageren Olympischen Spielen in Sotschi angesagt. "Die Mannschaft ist extrem gereift und ich bin einfach nur stolz darauf, wie sich dieses Team in den letzten Jahren entwickelt hat", schwärmte der schon fast zu Tränen gerührte Männer-Bundestrainer Mark Kirchner.

Es war das erste Doppel-Gold seit 1997 und aus Männer-Sicht ein unerwarteter Erfolg über den haushohen Favoriten Norwegen. Franziska Preuß legte Silber im Massenstart hinterher, zuvor schon hatten Laura Dahlmeier (Silber) und Erik Lesser (Gold) in der Verfolgung abgeräumt. Entsprechend ausgelassen fiel die Feier aus. "Die Nummer eins der Welt sind wir", grölten die Staffel-Sieger nach der Medaillenzeremonie und die Trainer feierten ausgelassen mit, das Wort "Teamspirit" schien über allem zu schweben.

Die Party ging anschließend in einer finnischen Karaoke-Bar weiter, gesangliche Details sind (glücklicherweise) nicht überliefert. Der Blick ging dann doch schnell wieder nach vorne. "Unsere Arbeit und die ganze Konzeption waren richtig. Aber wir sind weit davon entfernt, jetzt zu sagen, dass wir irgendwem etwas bewiesen hätten", mahnte Frauen-Trainer Gerald Hönig. Wirklich Zeit zum Ausruhen gibt es ohnehin nicht: Schon am Donnerstag geht es im russischen Chanty-Mansijsk mit dem Weltcupfinale weiter.

Showstealer Boe: Wer vor Beginn der WM sein Geld auf Tarjei Boe gesetzt hatte, kann sich auf schöne Renditen freuen. Der Norweger hatte krankheitsbedingt alle Weltcup-Rennen in Oberhof und Ruhpolding sowie die Rennen am heimischen Holmenkollen verpasst und zählte nicht wirklich zum Favoritenkreis.

Zwei Wochen später stehen fünf Medaillen (Bronze im Sprint, Bronze in der Mixed-Staffel, Bronze in der Verfolgung, Bronze im Massenstart, Silber mit der Staffel hinter Deutschland) zu Buche, damit stahl Boe dem Rest die Show: In fünf von sechs Rennen gewann er eine Medaille, mehr Edelmetall gewann bei der WM niemand. Keiner schoss besser als der Norweger, der beim Massenstart sogar Altmeister Ole Einar Björndalen abkochte.

Fourcade beweist Klasse: Nicht einmal eine Strafminute konnte Martin Fourcade aufhalten, der Olympiasieger verteidigte seinen WM-Titel im Einzel und verwies Emil Hegle Svendsen (+20,9 Sekunden) und Ondrej Moravec (+40,5) auf die Plätze.

Doch der Franzose bewies nicht nur in der Loipe Klasse: Fourcade widmete seinen Sieg den Opfern des Hubschrauberunglücks, bei dem am 10. März unter anderem auch die französischen Spitzensportler Camille Muffat, Alexis Vastine und Florence Arthaud ums Leben gekommen waren.

"Ich habe an Camille, Alexis und Florence gedacht, die während dem Rennen bei mir waren. Ich möchte ihnen diesen Sieg widmen", erklärte Fourcade und fügte hinzu: "Jeder ist in dieser schweren Zeit für ihre Familien da." SPOX sagt: Beide Daumen hoch!

Smith schreibt Geschichte: Dass Kanada ein Wintersportland ist, würde wohl kaum jemand bezweifeln. Dass Biathlon auch ein Wintersport ist, scheint bislang im großen weißen Norden aber noch nicht wirklich jemanden interessiert zu haben. Das könnte sich mit dieser WM ändern: Der Kanadier Nathan Smith wurde der erste männliche Athlet seines Landes, der bei einer Biathlon-WM aufs Treppchen fuhr. Im Sprint wurde er sensationell Zweiter.

"Das ist einfach völlig verrückt. Ich hatte ein gutes Gefühl, aber das hatte ich niemals erwartet", staunte auch der 29-Jährige anschließend Bauklötze: "Es war eine Kombination einer guten Zeit und etwas Glück. Ich bin gut gelaufen und es ist einfach ein unglaubliches Gefühl." Doch geht es nach Smith, war das erst der Anfang: "Ich kann mir vorstellen, dass jemand, der neu in dem Sport ist und von einer Olympischen Medaille träumt, gerne einem Landsmann folgen will. Ich denke, das kann motivierend sein."

Seine eigene Motivation hatte er sich schon vor gut zwei Monaten geholt: "Ich habe bei den Manitoba Canada Winter Games nach Weihnachten ein kleines Seminar gehalten. Die jungen Sportler hatten viele Fragen und ich habe beschrieben, wie es war, im Weltcup-Team zu sein. Ihre Faszination und Begeisterung darüber zusehen hat mich gepackt. Das hat mir wirklich gezeigt, dass die jungen Athleten zu uns aufschauen."

Tops: Die DSV-Wiederauferstehung, Showstealer Boe und kanadische Geschichte

Flops: Aktenzeichen XY, die falsche Medaille und das Wetter

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