Freitag, 20.02.2015

Severin Freund im Interview

"Die Brechstange holt keine Medaille"

Das Ziel ist klar: Severin Freund soll die deutschen Skispringer bei der WM in Falun zum Titel führen und selbst endlich die heiß ersehnte Einzelmedaille holen. Vor dem Auftaktspringen von der Normalschanze (Samstag, ab 16.30 Uhr im LIVE-TICKER) spricht der 26-Jährige im Interview mit SPOX über die Ausgangslage, sein schwankendes Gewicht und verrät, wie ihn jugendlicher Leichtsinn einmal schwer in die Bredouille brachte.

Severin Freund will bei der WM in Falun ganz oben aufs Treppchen
© getty
Severin Freund will bei der WM in Falun ganz oben aufs Treppchen

SPOX: Severin, gestatten Sie mir die Frage nach Ihrem Gewicht?

Severin Freund: Ja, die Frage ist gestattet (lacht). Aber die Disqualifikation von Neustadt ist längst abgehakt. Körpermaße schwanken eben und natürlich will man jeden Vorteil bei der Skilänge nutzen. Man macht es ja immer nach bestem Wissen und Gewissen. Das ist eben einmal knapp schiefgegangen. Aber ich habe daraus gelernt.

SPOX: Mit zwei Siegen aus den letzten drei Springen sind Sie im Kreis der Top-Favoriten. Ein gutes Gefühl?

Freund: Ich fühle mich sehr gut. Für die WM trainiert man ja während der ganzen Vorbereitung. Jetzt steht sie vor der Tür und in Schweden wird die Stimmung hervorragend sein. Da ist viel Tradition und Begeisterung, das macht es als Teilnehmer zu einem besonderen Erlebnis.

Nordische Ski-WM: Der Favoritencheck

SPOX: Während Fußball und Handball sich angesichts der Weltmeisterschaften in Katar große Sorgen um Tradition und Zukunft machen, ist das Skispringen da eher auf der sicheren Seite, oder?

Freund: Ich denke schon. Allein der Aufwand wäre ja gigantisch. An Skispringen muss ich also nicht denken, die nordischen Sportarten sind im Norden wirklich gut aufgehoben.

SPOX: Zurück zur anstehenden WM. Trotz toller Form: Eine Kampfansage hat man von Ihnen trotzdem nicht gehört.

Freund: Die Brechstange holt keine Medaille. Natürlich will ich eine gewinnen und meine Form macht es auch möglich. Bei einer WM muss man angreifen, da geht jeder höheres Risiko. Trotzdem ist die Konkurrenz einfach sehr stark. Einige haben den letzten Weltcup ausgelassen um nochmal zu trainieren. Alles ist möglich. Vor der Tournee waren sich auch alle sicher, dass ein Springer gewinnt, der einen der ersten Weltcup-Siege der Saison geholt hat. Genau die hatten dann Probleme und gewonnen hat Stefan Kraft.

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SPOX: Schön, dass Sie die Tournee von sich aus ansprechen. Sie waren auch dort ein Top-Favorit, hatten dann aber vor allem zum Auftakt große Schwierigkeiten.

Freund: Das stimmt. Natürlich habe ich mir das anders vorgestellt. Aber entscheidend war, schnell den Fehler im Ablauf zu finden. Das haben wir schon nach Garmisch geschafft. Ich war beispielsweise viel zu langsam. Auf die Österreicher habe ich bis zu einem km/h verloren, das sind knapp zwei Luken bei der Anfahrt. Dann haben wir mit Videostudium genau analysiert und in der Folge die Anfahrtsposition geändert.

SPOX: Und das war der alleinige Grund?

Freund: Natürlich nicht. Bei mir ist es so: Je fitter ich bin, desto leichter kann ich leichte Fehler im Flug durch einen starken Absprung überlagern. Ich bin jetzt athletisch auf einem sehr guten Level. Dazu haben wir auch beim Material nochmal getestet.

SPOX: Cheftrainer Werner Schuster will auf jeden Fall eine Einzelmedaille. Dazu natürlich auch gerne den Titel im Team.

Freund: Das wollen wir auch. In der Saison haben wir zwei der drei Teamspringen gewonnen und einmal sind wir Zweiter geworden, dabei brachten wir jedes Mal als Team eine sehr gute Leistung. Wir brauchen bei der WM auf jeden Fall einen perfekten Wettbewerb, dann sind wir vorne. Mit Andi Wellinger bekommen wir einen starken Springer dazu. Natürlich hat er länger gefehlt und man muss sehen, ob die Zeit gereicht hat. Dieses Risiko gibt es ja immer nach Verletzungen, aber ich bin mir sicher, dass er uns hilft.

Seite 1: Freund über sein Gewicht, Katar und den Tournee-Absturz

Seite 2: Freund über die WM, den deutschen Rekord und Kritik vom DSV

Interview: Jonas Schützeneder

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