Armin Assinger im Interview

"Mama verdrückte ein paar Schnapserl"

Von Christoph Köckeis
Donnerstag, 05.02.2015 | 10:02 Uhr
Athlet und Showmaster: Armin Assinger während seiner aktiven Zeit im Weltcup
© imago
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Vom Ski-Zirkus auf die Showbühne - Armin Assinger hat es geschafft. Er ist Österreichs Antwort auf Günther Jauch: schnell, lustig, kultig. Im SPOX-Interview spricht der 50-Jährige über die Millionenshow, die Kunst der Verdrängung, Kicken im Zielraum sowie berüchtigte Kamerafahrten. Plus: Die Sorgen einer Downhill-Mom und die deutsche Slalom-Armada.

SPOX: Herr Assinger, was haben Jauch und Sie gemein?

Armin Assinger: (lacht) Außer unseren Beruf eher wenig. Wir beide sind so unterschiedlich, womöglich kann man uns gerade deshalb vergleichen. Er verfolgt bei "Wer wird Millionär?" jedenfalls seinen eigenen Ansatz, ich bei der "Millionenshow" meinen. Der größte Unterschied ist wohl die gemeinsame Sprache. Obwohl ich mit meinem Dialekt in Köln bislang zurechtkomme.

SPOX: Kennen Sie einander?

Assinger: Nein, tatsächlich nicht. Einmal telefonierten wir. Das war eine kuriose Geschichte. Moderatorin Miriam Weichselbraun saß bei der Promi-Millionenshow auf dem Stuhl und sagte zu mir, sie würde gerne ihren Freund Günther anrufen. Ich begrüßte ihn und fragte: "Günther, woher kommen sie?" Ich wusste nicht, dass es Günther Jauch ist. Plötzlich war er Joker. Als er sich zu erkennen gab, brach im Studio Gelächter aus. Es sollte der einzige Kontakt bleiben, obwohl wir das gleiche Studio, die gleiche Garderobe nutzen.

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SPOX: Wie viele Kandidaten räumten bei Ihnen den Jackpot ab?

Assinger: Ich meine, es waren sechs oder sieben - und lediglich ein Mann. Sie durch die Sendung zu führen, ist etwas Besonderes. Zumal ich die Schicksale kenne und mehr weiß, als ich dem Zuschauer preisgebe. Wenn ein 50-Jähriger, der ob seines Alters keinen Job findet, 150.000 Euro gewinnt, denke ich mir: "Halleluja, es hat den Richtigen erwischt!" Für mich ist es schön, dass Fortuna hin und wieder Herz zeigt.

SPOX: Also ist das lockere Fragestellen mit Nervenkitzel verbunden?

Assinger: Ja, ich zittere wirklich mit. Jeder, der das Glück hat, bei mir in der Mitte zu sitzen, erlebt da eine Ausnahmesituation. Diese 20 bis 30 Minuten können alles auf den Kopf stellen. Auch wenn man sich fest vornimmt, sich vom Geld nicht beeinflussen zu lassen, der Alltag ändert sich trotzdem. Um eine Million Euro auf dem Konto zu haben, musst du im Berufsleben erst zwei verdienen. Bei uns kriegst du sie auf einen Schlag. Wobei ich glaube, die Gefahr des Durchdrehens, des Größenwahns, ist bei Lotto-Gewinnern höher. Für die Millionenshow musst du ein gewisses Maß an Intelligenz mitbringen.

SPOX: Inwiefern vermag ein Rennen, ein großer Triumph nachhaltig das Leben zu beeinflussen?

Assinger: Ein Einzelsportler ist zu bodenständig dafür. Du lernst sehr früh, nicht himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt zu reagieren. Man hebt durch Erfolge nicht so schnell ab, wenngleich der Rummel um dich eklatant steigt. Es heißt allerdings nicht umsonst: Olympiasieger bist du ein Leben lang. Die Spiele umgibt der Ewigkeits-Nimbus. Man sieht es bei Franz Klammer. Dessen Triumph 1976 in Innsbruck lenkte seine Karriere in ungeahnte Bahnen. Er ist ein ewiger Held.

SPOX: Wie sehr prägte Sie die Laufbahn?

Assinger: Für mich ist Leistungssport eine der besten Lebensschulen. Engagierst du dich dort, lernst du bald zu verlieren, lernst zu gewinnen und damit umzugehen. Ich möchte das nicht missen. In sehr kurzer Zeit machte ich Erfahrungen, für die andere 30 bis 40 Jahre benötigen. Du musst um alles kämpfen, deine Ziele verfolgen, denn dir wird gar nichts geschenkt. Hast du erkannt, dass du nicht liegen bleiben darfst, wenn du hinfällst, ist es leichter. Das Hinfallen ist übrigens nicht das Problem. Heutzutage ist das Liegenbleiben die Krux.

SPOX: In "Bergab und doch bergauf" vergleichen Sie das Leben nicht ohne Grund mit einer Abfahrt.

Assinger: Genau, und zwar mit der schwersten Abfahrt, der schönsten und ruhmreichsten, der Streif. Auf ihr werden Legenden geboren. Mir gelang es in Kitzbühel, auf das Podium zu fahren. Andere hat diese Piste übel abgeworfen. Sie ist ein Mythos.

SPOX: Ein angsteinflößender Mythos. Sie beschäftigen sich in Ihrem Buch mit Furcht sowie Selbstzweifeln. Plagten Sie nie solche trivialen Gefühlsregungen, bevor sie sich auf die Streif katapultierten?

Assinger: Die Angst war allgegenwärtig. Ein aktiver Rennfahrer spricht nicht darüber, er spricht dann von Respekt. Erst nach dem Rücktritt gesteht er sich ein, dass ihm der Stift ging. Grundsätzlich denkst du am Start nicht nach. Gerade beim Skifahren würden dir tausend Gründe einfallen, warum etwas schief gehen könnte. Als Neuling beschäftigt dich das sowieso nicht. Irgendwann kommt eine Phase, in der man sich mit Eventualitäten auseinandersetzt. Bist du darüber hinweg, findest du zu dir. So war es bei mir gegen Ende. Ich konnte zwar ob der schweren Verletzungen meine Knie nicht ganz abbiegen, aber das musste ich nicht. Angriff ist die beste Verteidigung, also gab ich Gas, Gas, Gas. Das mulmige Gefühl blendete ich aus.

SPOX: Geht das?

Assinger: Es gibt zwei Arten von Angst. Die eine lähmt dich, wie die Maus, die vor der Schlange erstarrt und gefressen wird. Die andere lässt dich wachsam sein. Wachsam heißt bewegungsbereit, aktiv. Je schlechter die Sicht, desto angriffslustiger fuhr ich, um sicher auf meinen Brettern zu stehen. So lehrte es mir Pirmin Zurbriggen, einer der Besten seiner Zunft.

SPOX: Die Kunst der Verdrängung.

Assinger: Sportler sind in einem geschützten Bereich und zimmern sich ihre Welt zurecht. Manchmal geht das nicht anders und du musst dir was vormachen, aus Selbstschutz. Bist du erfolgreich, heiligt der Zweck die Mittel. Viele Fußballer lesen keine Zeitungen. Greift Manuel Neuer bei einer Flanke daneben, wird er den Aussetzer erkennen. Dafür braucht er nicht die Medien. Lieber vertraut er auf seine Stärke und geht in das nächste Training konzentrierter. Beim Skifahrern ist es ähnlich. Sie bauen eine Hülle auf, um sich nicht verunsichern zu lassen und mit dem Selbstverständnis ranzugehen, alles niederzureißen. Als Sportler bin ich Egomane. Ich alleine habe die Leistung zu maximieren. Siegertypen verstehen das und schalten im entscheidenden Moment den Kopf aus.

Die alpine Ski-WM im Überblick

Seite 1: Assinger über Jauch und den Mythos Kitzbühel

Seite 2: Assinger über die neue Generation und deutsche Hoffnungen

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