Freitag, 26.12.2014

Deutschlands Nummer eins bereit wie nie

Freund: Großer Tournee-Coup möglich

Die große Hass-Liebe von Severin Freund soll endlich zur handfesten Romanze werden. Nach zahlreichen vergeblichen Anläufen will Deutschlands Nummer eins die schwarze Serie der DSV-Adler beenden und seinen Frieden mit der Vierschanzentournee machen.

Severin Freund ist davon überzeugt, dass für ihn der Gesamtsieg möglich ist
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Severin Freund ist davon überzeugt, dass für ihn der Gesamtsieg möglich ist

"Ich habe definitiv das Zeug zum Gesamtsieg", sagt der Niederbayer vor dem Auftaktspringen am Sonntag (16.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Oberstdorf.

"Diesen Winter ist alles nach Plan gelaufen. Ich habe zwei Podestplätze und einen Sieg. Wenn die Chance da ist, will ich sie ergreifen", sagt Freund. Es sind ungewohnt forsche Töne des 26-Jährigen angesichts seiner persönlichen Tournee-Bilanz. Mehr als Platz sieben in der Gesamtwertung sprang für den Skiflug-Weltmeister bislang nicht heraus, im vergangenen Winter reichte es sogar nur zum 16. Rang. "Das nagt an uns", gibt Bundestrainer Werner Schuster zu.

Um 13 Jahre nach Sven Hannawalds legendärem Grand Slam und nach sechs Gesamtsiegen in Folge des Rivalen Österreich tatsächlich Skisprung-Geschichte zu schreiben, muss Freund vor allem die Hürde Garmisch-Partenkirchen nehmen.

"Besser vorbereitet als die letzten Jahre"

Die Olympiaschanze bereitet dem Rastbüchler an Neujahr regelmäßig Kopfschmerzen, vergangenen Winter verpasste er gar den zweiten Durchgang. Die Umstellung von Oberstdorf auf Garmisch hat Freund daher ausgiebig trainiert.

"Ich wähne uns besser vorbereitet als die letzten Jahre", sagt Schuster: "Severin ist wieder ein Jahr reifer. Mit Team-Gold bei Olympia und dem Titel bei der Skiflug-WM hat er noch einmal Substanz geschöpft." Zeit also, den Überfliegern aus dem Nachbarland ein Schnippchen zu schlagen? "Es gab zuletzt genügend österreichische Siege. Es ist Zeit für etwas anderes", sagt Freund.

Wenn Freund die Trumpfkarte im Aufgebot von Schuster ist, dann ist Richard Freitag der Joker. Nach seinem Sieg bei der Generalprobe in Engelberg gehört der Sachse etwas überraschend zum erweiterten Kreis der Favoriten. "Wir bekommen einen Springer dazu, der Topleistungen bieten kann.

Überraschung dieses Jahr unwahrscheinlich

Engelberg war der notwendige Befreiungsschlag", sagt Schuster. Freitags großer Vorteil: Er geht fast ohne Druck in die Tournee, Ähnliches gilt für Newcomer Markus Eisenbichler. Hoffnungsträger Andreas Wellinger fehlt dagegen verletzt.

Am Ende aber wird es vor allem darum gehen, in Oberstdorf eine Welle der Euphorie zu erwischen. So wie im vergangenen Jahr Thomas Diethart, der aus dem Nichts kam und zwei Wochen später die Tournee gewonnen hatte. Danach fiel der Österreicher wieder in ein Loch, nur mit Mühe schaffte es der Titelverteidiger überhaupt in das aktuelle Tournee-Aufgebot des neuen Trainers Heinz Kuttin.

Vierschanzentournee: Die Sieger der letzten 20 Jahre
Die Vierschanzentournee ist jedes Jahr auf Neue ein Highlight. SPOX blickt auf die letzten 20 Sieger zurück
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2014/15: Stefan Kraft (Österreich). Der 22-Jährige setzte sich vor seinem Landsmann Michael Hayböck und Peter Prevc durch
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2013/14: Thomas Diethart (Österreich). Der Sensationssieger kam aus dem Nichts und gewann sowohl in Garmisch als auch in Bischofshofen
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2013/14: Thomas Diethart (Österreich). Der Sensationssieger kam aus dem Nichts und gewann sowohl in Garmisch als auch in Bischofshofen
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2012/13: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der Dominator wiederholte seinen Triumph bei der Vierschanzentournee dank Siegen in Innsbruck und Bischofshofen
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2011/2012: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der 23-Jährige gewann in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen und bescherte den Österreichern den vierten Titel in Folge
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2010/2011: Thomas Morgenstern (Österreich). Morgi ließ Simon Ammann (SUI) und Tom Hilde (NOR) hinter sich
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2009/2010: Andreas Kofler (Österreich). Ihm reichte für den Gesamtsieg ein erster Platz in Oberstdorf, in den anderen drei Wettbewerben landete er nicht auf dem Podest
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2008/2009: Wolfgang Loitzl (Österreich). Loitzl gewann gleich drei der vier Springen
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2008/2009: Wolfgang Loitzl (Österreich). Loitzl gewann gleich drei der vier Springen
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2007/2008: Janne Ahonen (Finnland). Er holte sich als erster Skispringer den fünften Gesamtsieg. Erstmals wurden zwei Springen in Bischofshofen ausgetragen, Innsbruck (zu viel Wind) fiel aus
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2007/2008: Janne Ahonen (Finnland). Er holte sich als erster Skispringer den fünften Gesamtsieg. Erstmals wurden zwei Springen in Bischofshofen ausgetragen, Innsbruck (zu viel Wind) fiel aus
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2006/2007: Anders Jacobsen (Norwegen). Setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gregor Schlierenzauer durch
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2006/2007: Anders Jacobsen (Norwegen). Setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gregor Schlierenzauer durch
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2005/2006: Janne Ahonen (Finnland) und Jakub Janda (Tschechien). Das Duo hatte nach vier Springen jeweils 1081,5 Punkte. Erstmals in der Geschichte der Tournee gab es zwei Sieger
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2005/2006: Janne Ahonen (Finnland) und Jakub Janda (Tschechien). Das Duo hatte nach vier Springen jeweils 1081,5 Punkte. Erstmals in der Geschichte der Tournee gab es zwei Sieger
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2004/2005: Janne Ahonen (Finnland). Er knackte fast den Rekord von Sven Hannawald mit den vier Tagessiegen. Doch im letzten Springen landete Ahonen nur auf Platz zwei
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2004/2005: Janne Ahonen (Finnland). Er knackte fast den Rekord von Sven Hannawald mit den vier Tagessiegen. Doch im letzten Springen landete Ahonen nur auf Platz zwei
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2003/2004: Sigurd Pettersen (Norwegen). Kam ebenfalls auf drei Siege. Peter Zonta war nur in Innsbruck besser
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2003/2004: Sigurd Pettersen (Norwegen). Kam ebenfalls auf drei Siege. Peter Zonta war nur in Innsbruck besser
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2002/2003: Janne Ahonen (Finnland). Ihm reichte ein Sieg in Innsbruck, um die Tournee zum zweiten Mal zu gewinnen
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2002/2003: Janne Ahonen (Finnland). Ihm reichte ein Sieg in Innsbruck, um die Tournee zum zweiten Mal zu gewinnen
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2001/2002: Sven Hannawald (Deutschland). Historisch! Hanni gewann als bislang einziger Athlet alle vier Springen. Da verbeugte sich selbst der 2007 verstorbene Bundestrainer Reinhard Heß
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2000/2001: Adam Malysz (Polen). Musste sich auf den ersten beiden Schanzen noch geschlagen geben, ehe er in Innsbruck und Bischofshofen triumphierte
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2000/2001: Adam Malysz (Polen). Musste sich auf den ersten beiden Schanzen noch geschlagen geben, ehe er in Innsbruck und Bischofshofen triumphierte
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1999/2000: Andreas Widhölzl (Österreich). Er gewann auf den letzten drei Schanzen und sicherte sich so den Tourneesieg
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1999/2000: Andreas Widhölzl (Österreich). Er gewann auf den letzten drei Schanzen und sicherte sich so den Tourneesieg
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1998/1999: Janne Ahonen (Finnland). Schnappte sich 1999 den ersten seiner insgesamt fünf Tourneesiege
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1998/1999: Janne Ahonen (Finnland). Schnappte sich 1999 den ersten seiner insgesamt fünf Tourneesiege
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1997/1998: Kazuyoshi Funaki (Japan). Er siegte auf den ersten drei Schanzen und holte sich vor Sven Hannewald den Titel
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1997/1998: Kazuyoshi Funaki (Japan). Er siegte auf den ersten drei Schanzen und holte sich vor Sven Hannewald den Titel
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1996/1997: Primoz Peterka (Slowenien). Gewann im knalligen Orange in Garmisch - dieser Erfolg reichte am Ende zum Tourneesieg
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1995/1996: Jens Weißflog (Deutschland). Der Floh vom Fichtelberg holte sich 1996 zum vierten und letzten Mal den Gesamtsieg
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An eine ähnliche Überraschung glaubt diesmal niemand. Werner Schuster zählt gar eine "Kerngruppe" auf, aus der seiner Meinung nach der Sieger kommen wird. "Michael Hayböck und Peter Prevc hatten nur einstellige Platzierungen, Roman Koudelka, Simon Ammann, Noriaki Kasai und Severin Freund Siege. Der Einzige, der das ins Wanken bringen kann, ist Richard Freitag. Der kann alle ärgern", sagt Schuster.

"Das wäre ein Wunder"

Bleibt die Frage nach Kamil Stoch. Der verletzte Doppel-Olympiasieger aus Polen hat in diesem Winter noch keinen Weltcup absolviert. "Mit ihm rechne ich nicht. Das wäre ein Wunder", sagt Schuster.

Es wäre ein Konkurrent weniger für Severin Freund, um endlich mit der Tournee seinen Frieden zu schließen. Immerhin: Zumindest mit dem Startort Oberstdorf verbindet Freund eine Art Liebesbeziehung. "Da kannst du ihn nachts um drei Uhr wecken", sagt Schuster: "Da springt er immer gut."


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