Dienstag, 09.12.2014

Wüst: "Vom Gefühl her nicht richtig"

Wüst und co. erwägen EM-Boykott

Die Stimmung ist angespannt, die Rufe nach einem Boykott werden immer lauter. "Vom Gefühl her ist es nicht richtig, meinen EM-Titel in Russland zu verteidigen", sagte Ireen Wüst, die erfolgreichste Eisschnellläuferin der vergangenen Jahre: "Darum schließe ich auch nichts aus."

Ireen Wüst hat kein gutes Gefühl dabei, ihren Titel in Russland zu verteidigen
© getty
Ireen Wüst hat kein gutes Gefühl dabei, ihren Titel in Russland zu verteidigen

Was sich da in den Niederlanden zusammenbraut, könnte einen ersten Vorgeschmack geben auf eine neue Eiszeit, die dem Weltsport bevorsteht. Der Eisschnelllauf könnte im Januar jedenfalls einen Stein ins Rollen bringen. In den Niederlanden, der mit Abstand größten und wichtigsten Nation im weltweiten Eisschnelllauf, ziehen immer mehr Sportler und Trainer einen Boykott der EM in Tscheljabinsk (10. und 11. Januar) in Erwägung.

Noch im Februar hatten die Oranje-Stars bei der russischen Olympia-Show in Sotschi acht Gold-, sieben Silber- und acht Bronzemedaillen abgeräumt - und damit mehr Edelmetall als das komplette deutsche Olympiateam.

Mittlerweile steht wohl kaum ein Land außer der Ukraine Russland in der weltpolitischen Krise unversöhnlicher gegenüber als die Niederlande.

"Politisch stimmt in dem Land viel nicht"

Von den 298 Todesopfern, die der weltweit geächtete Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 über der Ukraine gefordert hat, stammten 192 aus den Niederlanden.

"Politisch gesehen stimmt in dem Land natürlich nicht viel", sagt Wüst, "und ich denke auch, dass viele Niederländer jemanden kennen, der von der Flugzeugkatastrophe der MH 17 betroffen ist."

Ohne niederländische Stars wäre die EM am Ural eine Veranstaltung zweiter Klasse. Wüst, Doppel-Olympiasiegerin von Sotschi, hat die letzten beiden EM-Mehrkämpfe für sich entschieden. Bei den Männern ist die Oranje-Dominanz in der Königsdisziplin Mehrkampf noch viel erdrückender. 22 der letzten 26 Europameister sind Niederländer.

Vierschanzentournee: Die Sieger der letzten 20 Jahre
Die Vierschanzentournee ist jedes Jahr auf Neue ein Highlight. SPOX blickt auf die letzten 20 Sieger zurück
© getty
1/21
Die Vierschanzentournee ist jedes Jahr auf Neue ein Highlight. SPOX blickt auf die letzten 20 Sieger zurück
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen.html
2014/15: Stefan Kraft (Österreich). Der 22-Jährige setzte sich vor seinem Landsmann Michael Hayböck und Peter Prevc durch
© getty
2/21
2014/15: Stefan Kraft (Österreich). Der 22-Jährige setzte sich vor seinem Landsmann Michael Hayböck und Peter Prevc durch
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=2.html
2013/14: Thomas Diethart (Österreich). Der Sensationssieger kam aus dem Nichts und gewann sowohl in Garmisch als auch in Bischofshofen
© Getty
3/21
2013/14: Thomas Diethart (Österreich). Der Sensationssieger kam aus dem Nichts und gewann sowohl in Garmisch als auch in Bischofshofen
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=3.html
2012/13: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der Dominator wiederholte seinen Triumph bei der Vierschanzentournee dank Siegen in Innsbruck und Bischofshofen
© Getty
4/21
2012/13: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der Dominator wiederholte seinen Triumph bei der Vierschanzentournee dank Siegen in Innsbruck und Bischofshofen
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=4.html
2011/2012: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der 23-Jährige gewann in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen und bescherte den Österreichern den vierten Titel in Folge
© Getty
5/21
2011/2012: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der 23-Jährige gewann in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen und bescherte den Österreichern den vierten Titel in Folge
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=5.html
2010/2011: Thomas Morgenstern (Österreich). Morgi ließ Simon Ammann (SUI) und Tom Hilde (NOR) hinter sich
© Getty
6/21
2010/2011: Thomas Morgenstern (Österreich). Morgi ließ Simon Ammann (SUI) und Tom Hilde (NOR) hinter sich
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=6.html
2009/2010: Andreas Kofler (Österreich). Ihm reichte für den Gesamtsieg ein erster Platz in Oberstdorf, in den anderen drei Wettbewerben landete er nicht auf dem Podest
© Getty
7/21
2009/2010: Andreas Kofler (Österreich). Ihm reichte für den Gesamtsieg ein erster Platz in Oberstdorf, in den anderen drei Wettbewerben landete er nicht auf dem Podest
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=7.html
2008/2009: Wolfgang Loitzl (Österreich). Loitzl gewann gleich drei der vier Springen
© getty
8/21
2008/2009: Wolfgang Loitzl (Österreich). Loitzl gewann gleich drei der vier Springen
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=8.html
2007/2008: Janne Ahonen (Finnland). Er holte sich als erster Skispringer den fünften Gesamtsieg. Erstmals wurden zwei Springen in Bischofshofen ausgetragen, Innsbruck (zu viel Wind) fiel aus
© Getty
9/21
2007/2008: Janne Ahonen (Finnland). Er holte sich als erster Skispringer den fünften Gesamtsieg. Erstmals wurden zwei Springen in Bischofshofen ausgetragen, Innsbruck (zu viel Wind) fiel aus
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=9.html
2006/2007: Anders Jacobsen (Norwegen). Setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gregor Schlierenzauer durch
© getty
10/21
2006/2007: Anders Jacobsen (Norwegen). Setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gregor Schlierenzauer durch
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=10.html
2005/2006: Janne Ahonen (Finnland) und Jakub Janda (Tschechien). Das Duo hatte nach vier Springen jeweils 1081,5 Punkte. Erstmals in der Geschichte der Tournee gab es zwei Sieger
© Getty
11/21
2005/2006: Janne Ahonen (Finnland) und Jakub Janda (Tschechien). Das Duo hatte nach vier Springen jeweils 1081,5 Punkte. Erstmals in der Geschichte der Tournee gab es zwei Sieger
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=11.html
2004/2005: Janne Ahonen (Finnland). Er knackte fast den Rekord von Sven Hannawald mit den vier Tagessiegen. Doch im letzten Springen landete Ahonen nur auf Platz zwei
© Getty
12/21
2004/2005: Janne Ahonen (Finnland). Er knackte fast den Rekord von Sven Hannawald mit den vier Tagessiegen. Doch im letzten Springen landete Ahonen nur auf Platz zwei
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=12.html
2003/2004: Sigurd Pettersen (Norwegen). Kam ebenfalls auf drei Siege. Peter Zonta war nur in Innsbruck besser
© Getty
13/21
2003/2004: Sigurd Pettersen (Norwegen). Kam ebenfalls auf drei Siege. Peter Zonta war nur in Innsbruck besser
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=13.html
2002/2003: Janne Ahonen (Finnland). Ihm reichte ein Sieg in Innsbruck, um die Tournee zum zweiten Mal zu gewinnen
© getty
14/21
2002/2003: Janne Ahonen (Finnland). Ihm reichte ein Sieg in Innsbruck, um die Tournee zum zweiten Mal zu gewinnen
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=14.html
2001/2002: Sven Hannawald (Deutschland). Historisch! Hanni gewann als bislang einziger Athlet alle vier Springen. Da verbeugte sich selbst der 2007 verstorbene Bundestrainer Reinhard Heß
© getty
15/21
2001/2002: Sven Hannawald (Deutschland). Historisch! Hanni gewann als bislang einziger Athlet alle vier Springen. Da verbeugte sich selbst der 2007 verstorbene Bundestrainer Reinhard Heß
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=15.html
2000/2001: Adam Malysz (Polen). Musste sich auf den ersten beiden Schanzen noch geschlagen geben, ehe er in Innsbruck und Bischofshofen triumphierte
© getty
16/21
2000/2001: Adam Malysz (Polen). Musste sich auf den ersten beiden Schanzen noch geschlagen geben, ehe er in Innsbruck und Bischofshofen triumphierte
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=16.html
1999/2000: Andreas Widhölzl (Österreich). Er gewann auf den letzten drei Schanzen und sicherte sich so den Tourneesieg
© getty
17/21
1999/2000: Andreas Widhölzl (Österreich). Er gewann auf den letzten drei Schanzen und sicherte sich so den Tourneesieg
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=17.html
1998/1999: Janne Ahonen (Finnland). Schnappte sich 1999 den ersten seiner insgesamt fünf Tourneesiege
© getty
18/21
1998/1999: Janne Ahonen (Finnland). Schnappte sich 1999 den ersten seiner insgesamt fünf Tourneesiege
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=18.html
1997/1998: Kazuyoshi Funaki (Japan). Er siegte auf den ersten drei Schanzen und holte sich vor Sven Hannewald den Titel
© getty
19/21
1997/1998: Kazuyoshi Funaki (Japan). Er siegte auf den ersten drei Schanzen und holte sich vor Sven Hannewald den Titel
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=19.html
1996/1997: Primoz Peterka (Slowenien). Gewann im knalligen Orange in Garmisch - dieser Erfolg reichte am Ende zum Tourneesieg
© getty
20/21
1996/1997: Primoz Peterka (Slowenien). Gewann im knalligen Orange in Garmisch - dieser Erfolg reichte am Ende zum Tourneesieg
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=20.html
1995/1996: Jens Weißflog (Deutschland). Der Floh vom Fichtelberg holte sich 1996 zum vierten und letzten Mal den Gesamtsieg
© getty
21/21
1995/1996: Jens Weißflog (Deutschland). Der Floh vom Fichtelberg holte sich 1996 zum vierten und letzten Mal den Gesamtsieg
/de/sport/diashows/1301/wintersport/skispringen/vierschanzentournee/letzte-sieger-vierschanzen-tournee/sieger-seit-2002-sven-hannawald-gregor-schlierenzauer-thomas-morgenstern-janne-ahonen,seite=21.html
 

Boykotte für Weltverbände ein rotes Tuch

Unumstrittener Superstar unter ihnen ist Sven Kramer, und auch der sechsmalige Europameister lehnt den EM-Austragungsort ab.

"Ich bestimme nicht, wo Wettkämpfe ausgetragen werden. Das macht die ISU. Aber ich finde, dass die ISU das Problem um die EM lösen muss." Der Status quo mache für ihn eine Teilnahme "unglaublich schwierig", sagte Kramer der Tageszeitung "De Telegraaf".

Boykotte gegen das sportpolitisch ungemein mächtige Russland sind für die Weltverbände und auch das IOC ein rotes Tuch. Daran haben auch die jüngsten Enthüllungen über ein staatliche gestütztes Dopingsystem in dem Riesenreich (noch) nichts geändert.

Auch Leenstra sieht Russland-Start kritisch

Jan Dijkema, niederländischer Vizepräsident des Eislauf-Weltverbandes ISU, bediente sich deshalb wenig überraschend ungeachtet der explosiven Stimmung in seiner Heimat eines Totschlagarguments, das Sportfürsten in aller Welt gerne benutzen, um ihre vor allem finanziell wertvollen Großveranstaltungen zu schützen.

"Es ist vernünftig, Sport und Politik auseinanderzuhalten", sagte Dijkema. Er sehe "keinen einzigen Grund, die Europameisterschaft zu verlegen."

Die Kritik in den Niederlanden konnte diese Aussage allerdings nicht eindämmen, im Gegenteil. Auch Team-Olympiasiegerin Marrit Leenstra hatte bereits bekundet, einem Russland-Start kritisch gegenüber zu stehen. Ihr Trainer Jan van Veen hat sich bereits definitiv entschlossen, keinen Fuß auf russischen Boden zu setzen.

"Sport und Politik haben nichts miteinander zu tun? Mit Blick auf Russland habe ich einen anderen Eindruck", sagte der Coach, der auch Titelverteidiger Jan Blockhuijsen und Allround-Weltmeister Koen Verweij betreut.

Freie Wahl für die Sportler

Van Veen stört sich an dem Umgang der möglicherweise verantwortlichen Russen mit der Katastrophe der MH 17 und an der "aggressiven" Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt. Für seine Sportler hat er schon andere Betreuer gefunden.

Der niederländische Eissportverband KNSB, der bis zu sechs EM-Startplätze hat, will Sportlern und Trainern die freie Wahl lassen, der EM ferzubleiben oder beizuwohnen.

"Das respektieren wir. Ich bin glücklich mit dem Signal aus der Eisschnelllaufwelt", sagte KNSB-Sportdirektor Arie Koops.

Im kommenden Jahr finden in Russland unter anderem die Weltmeisterschaften der Fechter und der Schwimmer statt.


Diskutieren Drucken Startseite
Trend

Welcher Deutsche drückt dem Winter 2015/2016 seinen Stempel auf?

Felix Neureuther
Severin Freund
Simon Schempp
Eric Frenzel
Natalie Geisenberger
Laura Dahlmeier
ein anderer Athlet

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.