Sonntag, 28.12.2014

Weltcup-Abfahrt in Santa Caterina

Ferstl glänzt als Siebter

Josef Ferstl sah glücklich aus. Er lächelte, zwischendurch lachte er, es gab Küsschen von mehr oder weniger wildfremden Menschen. Ein siebter Rang für einen deutschen Ski-Rennläufer in einem Abfahrts-Rennen kommt ja auch nicht alle Tage vor. Ferstl blieb dennoch eher zurückhaltend.

Josef Ferstl erreichte bei der Weltcup-Abfahrt in Santa Caterina den siebten Platz
© getty
Josef Ferstl erreichte bei der Weltcup-Abfahrt in Santa Caterina den siebten Platz

"Dass mir das so gelungen ist, das ist schon echt gut", sagte er über das beste Resultat seiner Karriere und zudem das beste für einen deutschen Abfahrer seit zwei Jahren. Er freute sich dann doch eher still.

Dabei gelang dem Sohn des zweimaligen Kitzbühel-Siegers Sepp Ferstl am Sonntag im italienischen Santa Caterina eine Fahrt, die aus deutscher Sicht Seltenheitswert hat.

Seit dem überraschenden Sieg von Max Rauffer in Gröden am 18. Dezember 2004 hatten in der alpinen Königsdisziplin 94 Weltcup-Rennen stattgefunden - und nur in sechs gab es für DSV-Läufer eine Platzierung unter den ersten Zehn, zuletzt im Dezember 2012, als der Oberstdorfer Tobias Stechert Rang fünf im kanadischen Lake Louise belegte.

Ferstls siebter Platz im RE-LIVE

Premierensieg für Ganong

Beim überraschenden ersten Weltcup-Sieg von Travis Ganong aus den USA, der vor Olympiasieger Matthias Mayer aus Österreich (0,09 Sekunden zurück) und Dominik Paris aus Italien (0,21) gewann, fuhr Ferstl nun zum zweiten Mal nach einem neunten Rang im Februar 2013 in Garmisch-Partenkirchen mitten hinein in die absolute Weltelite.

Ein Resultat, das sich ein wenig abgezeichnet hatte: Im einzigen Trainingslauf am Freitag war Ferstl überraschend der Schnellste gewesen - auch wenn er dabei ein Tor ausgelassen hatte.

"Das ist schon eine Erleichterung nach dem Training", sagte er nun über seinen siebten Rang (0,82 Sekunden Rückstand auf Ganong). In den vergangenen Rennen war es ihm und seinen Mannschaftskollegen nicht gelungen, gute Trainingsleistungen umzusetzen, auch deshalb, "weil die anderen im Rennen noch eine Schippe drauflegen können".

Diesmal, auf der äußerst welligen, kurvenreichen Piste "Deborah Compagnoni", traf Ferstl die Ideallinie auch im Rennen wesentlich besser als viele Favoriten.

"Beste Trainer der Welt"

Das Training am Freitag habe ihm Auftrieb gegeben, betonte Ferstl. "Ja hallo, wir sind am Herantasten an die Weltspitze, da gibt dir so eine Fahrt schon enormes Selbstvertrauen", sagte er. Mit dieser Sicherheit, das Richtige zu tun, hat er sich nach zuvor einem 14. Rang in Lake Louise als erster deutscher Abfahrer das WM-Ticket gesichert.

Das soll auch gebührend gefeiert werden, versicherte Ferstl: "Aber erst am Montag." Da hat er eh Geburtstag. Er wird 26 Jahre alt.

Am Montag ergeben sich womöglich auch Gespräche mit Vater Sepp, der 1978 und 1979 auf der legendären Streif in Kitzbühel gewann. Mit ihm tauscht sich der Junior, "Peppi" genannt, regelmäßig aus, "er hat das ja selbst alles durchgemacht", sagt der Sohn.

Zunächst aber war ein Lob fällig für Cheftrainer Mathias Berthold, der seit Saisonbeginn die deutschen Männer führt: "Er ist der beste Trainer der Welt."


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