Im Schatten des Berges

Von SPOX
Samstag, 27.12.2014 | 11:59 Uhr
Die Schattenbergschanze liefert Jahr für Jahr atemberaubende Bilder
© getty
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Die 63. Vierschanzentournee findet vom 27. Dezember 2014 bis zum 6. Januar 2015 statt. Wie immer entscheiden die vier Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen über Sieg und Niederlage. SPOX präsentiert vor jedem Event die wichtigsten Daten und Fakten auf einen Blick. Im ersten Teil des Audi Schanzenchecks ist die Schattenbergschanze in Oberstdorf (So., 16.30 Uhr im LIVE-TICKER) an der Reihe.

Schattenbergschanze (HS 137)

  • Erbaut 2003 (alte Schanze 1946)
  • Zuschauerplätze 27.000

Anlauf

  • Anlauflänge 108 m
  • Anlaufgeschwindigkeit 91,4 km/h

Aufsprung

  • Hillsize 137 m
  • Konstruktionspunkt 120 m
  • Juryweite 137 m

Rekorde

  • Schanzenrekord 143,5 m - Sigurd Pettersen (NOR), 29. Dezember 2003
  • Rekordsieger: 3x Dieter Thoma (GER), 3x Martin Schmitt (GER)
  • Rekordnationensieger: 20x Deutschland (8x DDR, 3 BRD)

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Der Schanzenrekord

Der Auftakt zur Vierschanzentournee des Jahres 2003 hätte in Oberstdorf kaum furioser ausfallen können. Thomas Morgenstern und Martin Höllwarth hatten vorgelegt, der Druck auf Sigurd Pettersen war vor Sprung Nummer zwei enorm. Was folgte, war jedoch eine Demonstration von Nervenstärke und - wie sich herausstellen sollte - der Grundstein für eine fast perfekte Tournee.

Der Norweger erwischte nach seiner 92,7 km/h schnellen Anfahrt nicht nur den Schanzentisch nahezu ideal, sondern glänzte auch in der Luft. Sein Flug mit perfektem V wurde immer länger und länger. Kein Wunder also, dass die Landung nur noch mit angedeutetem Telemark möglich war, was auch die Jury-Noten von höchstens 18.0 erklärte.

Das dürfte Pettersen aber egal gewesen sein, denn unter dem tosenden Jubel der Menge leuchtete kurze Zeit später auf der Anzeigetafel die bestätigte Weite auf: 143,5 Meter - zehn Meter weiter als im ersten Durchgang. Ein Rekord, der auch nach mehr als einem Jahrzehnt ungebrochen ist.

Der Oberstdorf-Liebling

Generell scheint die Schattenbergschanze den Deutschen mehr als gut zu liegen. Neben Dieter Thoma konnte auch Martin Schmitt Oberstdorf dreimal als Sieger verlassen. Vor allem Letzterer erlebte hier seine absolute Hochphase. Dem inzwischen 36-jährigen Schmitt gelang in den Jahren 1999, 2000 und 2001 als Erstem überhaupt das Kunststück, das Eröffnungsspringen gleich dreimal hintereinander für sich zu entscheiden.

Besonders beeindruckend war jedoch sein Flug im Dezember 2000, als er Noriaki Kasai und Masahiko Harada auf die Plätz verwies und nebenbei mit 133 Metern noch einen zur damaligen Zeit neuen Schanzenrekord aufstellte. Der Lohn: 90.000 Mark Prämie und den Lob von seinem Heimtrainer Wolfgang Steier: "Martin heißt nicht umsonst Killer."

Von den aktuellen Athleten hat ein Springer eine besonders innige Beziehung. "Die Schattenberg-Schanze liegt mir", sagte Simon Ammann schon anno 2001. In den letzten fünf Jahren untermauerte er seine Einschätzung: Dreimal sprang er unter die ersten fünf, einmal siegte er. Nur Andreas Kofler kann da mithalten. Aus deutscher Sicht ist Severin Freund für ein gutes Ergebnis prädestiniert. Er schaffte es in den letzten vier Jahren immer in die Top 10.

Das letzte Jahr

Während die deutschen Herren beim Auftaktspringen des vergangenen Jahres keine Chance auf den Sieg hatten, überraschte an der Spitze ein Springer, dem nicht viele im Vorfeld den Sieg zugetraut hatten: Simon Ammann.

Das klingt zwar komisch, immerhin gilt der Schweizer ja als Oberstdorf-Fan, doch Ammann hatte vor dem Auftaktspringen der Tournee zuletzt im Januar 2011 einen Weltcup gewonnen. Am Ende landete er jedoch mit 301,9 Punkten vor dem Norweger Anders Bardal (297,9) und dem Österreicher Thomas Diethart (297,3) auf Rang eins. Mit dem angepeilten Projekt "Tournee-Sieg" wurde es für Ammann zwar nichts, der Start war jedoch geglückt.

Kuriosität

Eines der wohl kuriosesten Ereignisse spielte sich am 28. Dezember 1953 ab. Schnee war in diesem Winter Mangelware, eine Absage praktisch unumgänglich. Da die österreichische Mannschaft von dieser jedoch nichts mitbekam, reiste man kurzerhand dennoch an. Mit der Ankunft setzte wie aus dem Nichts plötzlich starker Schneefall ein. Die Folge: Das Springen konnte wie geplant stattfinden.

Während Springer und Funktionäre begannen, die Schanze entsprechend zu präparieren, wurden auch die anderen Verbände via Telegramm benachrichtigt. Selbst die Fluggesellschaft SAS reagierte und verschob den Flug um einen halben Tag, sodass auch die restlichen Sportler aus den nordischen Ländern noch rechtzeitig anreisen konnten.

Thomas Diethart im Interview: "Nachdenken macht es zur Qual"

Weitere Fakten

  • Von den aktiven Springern waren Gregor Schlierenzauer und Simon Ammann in Oberstdorf am erfolgreichsten. Je zwei Siege stehen für den Österreicher (2006/07, 2011/12) und den Schweizer (2008/09, 2013/14) zu Buche.
  • Der letzte deutsche Erfolg datiert vom 29. Dezember 2002. Sven Hannawald konnte damals vor dem Österreicher Martin Höllwarth und dem Finnen Janne Ahonen triumphieren.
  • Von den aktiven Deutschen sprang zuletzt Severin Freund bei der Tournee (2012/13) mit Platz drei auf das Podium in Oberstdorf.
  • Von den letzten acht Tourneespringen in Oberstdorf ging der Tagessieg siebenmal nach Österreich oder in die Schweiz. Einzig Anders Jacobsen konnte die Serie 2012/13 durchbrechen.
  • Japan, eine der erfolgreichsten Skisprung-Nationen der letzten Jahrzehnte, war in Oberstdorf nur zweimal erfolgreich: Kazuyoshi Funaki (1997/98), Yukio Kasaya (1971/72)
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