Audi Schanzencheck: Bischofshofen

Unglück, Schneemangel & Grand Slam

Von SPOX
Montag, 05.01.2015 | 11:56 Uhr
Auf der Paul-Ausserleitner-Schanze findet das letzte Springen der Tournee statt
© getty
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Die 63. Vierschanzentournee findet vom 27. Dezember 2014 bis zum 6. Januar 2015 statt. Wie immer entscheiden die vier Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen über Sieg und Niederlage. SPOX präsentiert vor jedem Event die wichtigsten Daten und Fakten auf einen Blick. Im vierten Teil des Audi Schanzenchecks ist die Paul-Ausserleitner-Schanze in Bischofshofen an der Reihe.

Paul-Außerleitner-Schanze (HS 140)

  • Erbaut 1941
  • Zuschauerplätze 35.000

Anlauf

  • Anlauflänge 90 m
  • Anlaufgeschwindigkeit 93 bis 96 km/h

Aufsprung

  • Hillsize 140 m
  • Konstruktionspunkt 125 m
  • Juryweite 125 m

Rekorde

  • Schanzenrekord 143 m - Daiki Ito (JPN), 06. Januar 2005
  • Rekordsieger: 3x Jens Weißflog (DDR/GER), Bjorn Wirkola (NOR) und Jiri Raska (CSR)
  • Rekordnationensieger: 22x Österreich
  • Letzter Sieger: Thomas Diethart (AUT)

Der Schanzenrekord

Kein Schanzenrekord in Sicht! Zumindest für die Zuschauer. Denn als sich der Japaner Daiki Ito 2005 vom Balken drückte, lag Nebel über der Schanze. Dafür spielte der Wind mit. Ito raste mit satten 94,8 Km/h zum Tisch und segelte ins Rekordbuch. Im Mittelteil war der Rekordhalter dabei kaum im TV-Bild zu sehen.

Unten dann großer Jubel! Mit 143 Metern ging die Bestmarke nach Asien. Ito jubelte, ballte die Fäuste und legte sich mit angeschnallten Skiern auf den Bauch. Die Zuschauer feierten den neuen Helden, der sich am Ende hinter Martin Höllwarth und Janne Ahonen trotzdem nur mit Rang drei begnügen musste.

Übrigens: Den inoffiziellen Schanzenrekord in Bischofshofen hält Gregor Schlierenzauer. Der Österreicher sprang 2008 auf 145 Meter. Wegen der FIS-Regeln zählte sein gestandener Sprung jedoch nicht als Schanzenrekord. Bitter: Seine eigene Leistung machte den Rekord zunichte.

Gemäß FIS gelten Schanzenrekorde nur dann, wenn sie im Rahmen eines Weltcupspringens oder der dazugehörigen Qualifikation erzielt werden. In der Qualifikation muss aber der Rekord vom untersten im Qualifikationsdurchgang verwendeten Gate erzielt werden. Da in der Quali 2008 nach Schlierenzauers Rekordsprung die Anlauflänge verkürzt wurden, zählte seine Weite nicht als offizielle Bestmarke.

Der Bischofshofen-Liebling

Man mag es kaum glauben, aber auch hier gewinnen die Deutschen gerne: Elf Siege stehen in Bischofshofen zu Buche, der letzte war Sven Hannwald im Jahr 2002. Der Liebling schlechthin ist aber Jens Weißflog!

Dreimal (1983, 1984 und 1996) gewann der Sachse das Abschlussspringen der Tournee, zweimal (1984 und 1996) durfte er sich in der Folge auch gleich noch zum Gesamtsieg gratulieren lassen. Vor allem sein letzter Triumph blieb in Erinnerung: Weißflog ging bei schweren Bedingungen volles Risiko - und gewann. Der Olympiasieger danach cool: "Risiko ist zwar ein taktisches Mittel, doch oft hat man gar keine andere Chance."

Eine etwas komplizierte Liebesbeziehung zu Bischofshofen pflegte übrigens die deutsche Skisprung-Legende Helmut Recknagel. Der Hall of Famer des deutschen Sports siegte zwar zweimal (1958 und 1961), verpasste dafür aber 1959 nach drei Siegen den Grand Slam hauchdünn.

Von den aktiven Springern freut sich einer ganz besonders auf die Paul-Ausserleitner-Schanze: Stefan Kraft. "Es ist meine absolute Lieblingsschanze. Sie liegt nicht jedem, aber mir kommt sie sehr entgegen", so der Tournee-Spitzenreiter, der gerade einmal fünf Minuten von der Anlage entfernt wohnt.

Das letzte Jahr

Ein absoluter Nobody on top? Ja! Thomas Dietharts Triumph im letzten Jahr ist fester Bestandteil einer jeden Tournee-Chronik. Der Youngster aus Österreich sicherte sich mit Sprüngen auf 138,5 und 140 Metern den Tagessieg und nach seinem Erfolg in Garmisch auch völlig überraschend den Gesamtsieg.

"Es ist Wahnsinn. Geil!", rief der 21-Jährige nach seinem Sprung. Tatsächlicher Wahnsinn: Diethart ist der erste Tournee-Debütant seit dem Norweger Anders Jacobsen 2006/07, der sofort die Gesamtwertung gewinnen konnte.

Für die deutschen Starter war das letzte Jahr nicht ganz so erfreulich. Andreas Wellinger war als Neunter der beste, Severin Freund wurde Zehnter.

Kuriosität

Vorsicht, Schneemangel! Gleich zweimal war das Abschlussspringen von den Wetterbedingungen erheblich beeinflusst. Zu Beginn der Saison 1955/56 hatten alle vier Schanzen mit Schneemangel zu kämpfen.

Während Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck die Kosten für eine Schneezufuhr aus Alpenhochtäler aufbringen konnten, war das in Bischofshofen nicht möglich. Kurzfristige Lösung: Das Springen fand auf der Zinkenschanze in Hallein stattfand (weitester Sprung 63,5 Meter).

Zwei Jahre später das gleiche Problem: Diesmal versuchten die Österreicher den Schnee vom Radstädter Tauernpass abzuholen. Das scheiterte aber am Veto des dortigen Fremdenverkehrsverbandes. Die geringen Schneemengen reichten dann gerade noch für die Präparierung der neu gebauten Normalschanze aus. Es gewann Helmut Recknagel mit Weiten von 54 und 58,5 Metern.

Der Moment

Es kann nur einen geben! Sven Hannawalds Grand Slam aus dem Jahr 2002 ist der Moment der Tournee-Geschichte. Nach drei Siegen lastete der Druck schwer auf den Schultern. Trotzdem legte der Deutsche einen überragenden Sprung auf 139 Metern vor, der Gesamtsieg war perfekt!

"RTL" warb mit zwei Sprüngen für die Ewigkeit und erreichte damit bei einer TV-Quote von 15 Millionen Zuschauern Fußball-Dimensionen. Und Hanni? Der blieb auch im zweiten Durchgang völlig cool. Das Stadion explodierte, Cheftrainer Reinhard Heß stürmte nach unten, kniete vor seinem Athleten. Gänsehaut pur!

Wäre Hannis Rekord-Woche nicht passiert, müsste man hier wohl das legendäre Finish aus dem Jahr 2006 nennen. Mit 2,0 Punkten Rückstand auf Jakub Janda reist Janne Ahonen nach Bischofshofen. Unfassbar: Ahonen holt exakt 2,0 Punkte auf und gewann zusammen mit dem Tschechen die Tournee. Beide hatten 1081,5 Punkte auf dem Konto, Ahonen konnte mit seinem vierten Gesamtsieg zu Jens Weißflog aufschließen.

Weitere Fakten

  • Trauriger Hintergrund: Den Namen erhielt die Schanze aufgrund eines Todesfalls. Paul Ausserleitner stürzte am 5. Januar 1952 beim Training so schwer, dass er vier Tage später seinen Verletzungen erlag.
  • Partyschaden: Bei der Silvesterparty 2012 wurde die Schanzenanlage durch Bengalische Feuer beschädigt. Der Schaden belief sich auf 10.000 Euro. Mit viel Aufwand konnte sechs Tage später aber dann doch gesprungen werden.
  • 2004 erfolgte eine Generalsanierung und eine Vergrößerung der Schanze sowie die Belegung mit Matten für den Sommerbetrieb. Damit darf sich Bischofshofen als "größte Mattenschanze der Welt" ausweisen.
  • Zuschauermagnet: Überragende 58 Prozent Marktanteil im österreichischen TV hatte letztes Jahr das Abschlussspringen der Tournee.
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