Höfl-Riesch stürzt und gewinnt

SID
Mittwoch, 12.03.2014 | 13:24 Uhr
Schock: Maria Höfl-Riesch musste nach ihrem Sturz mit dem Hubschrauber abtransportiert werden
© getty
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Erste Kugel für Maria Höfl-Riesch: Die 29 Jahre alte Ski-Rennläuferin aus Partenkirchen hat trotz eines schweren Sturzes erstmals in ihrer Karriere die Saisonwertung in der Abfahrt gewonnen. Grund zur Freude gabe es wenig: Höfl-Riesch musste mit einer Schulter- oder Armverletzung mit dem Helikopter geborgen werden.

Maria Höfl-Riesch hing nach ihrem schweren Sturz mit schlimmen Schmerzen am Rettungshubschrauber, als für die beste Abfahrerin der Saison im Zielraum von Lenzerheide die deutsche Nationalhymne gespielt wurde. Der Platz von Höfl-Riesch ganz oben auf dem "Stockerl" musste nach deren Unfall bei der letzten Abfahrt des Winters leer bleiben, ihre geschlagene Konkurrentin Anna Fenninger applaudierte der abwesenden Gesamtsiegerin höflich - doch auch für die Österreicherin hatte diese Siegerehrung einen bitteren Beigeschmack.

Fenninger schüttelte verlegen den Kopf darüber, dass der Weltverband FIS die Sache ohne Höfl-Riesch durchzog, die erstmals in ihrer Karriere die kleine Kristallkugel in der Königsdisziplin gewann. Just, als sie als Speed-Queen ausgerufen wurde, schwebte sie wenige hundert Meter entfernt in den Armen eines Sanitäters mit dem Helikopter vorbei. Einer ersten Diagnose zufolge kam sie bei ihrem Sturz glimpflich mit einer Prellung an der rechten Schulter davon.

Schwerer Sturz

Weil sie nach ihrem Sturzflug kopfüber in den Fangzaun vor Schmerzen aufgeschrien hatte, sollte sie jedoch im nahen Krankenhaus in Chur eingehend untersucht werden. Ob sie im Kampf um den Gesamtweltcup noch einmal gegen Fenninger zurückschlagen kann, die vor den letzten drei Rennen elf Punkte Vorsprung hat, ist offen. "Es besteht aber immer eine Chance", sagte Cheftrainer Tom Stauffer.

"Als ich das gesehen habe, herrschte in mir drin ein enormer Aufruhr", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier über Höfl-Rieschs Unfall. "Ich dachte sofort an eine mögliche Knieverletzung und daran, dass es das dann gewesen sein könnte mit der Maria. Sie hat immer gesagt: Wenn sie sich noch einmal schwer verletzt, ist es vorbei." Höfl-Riesch hatte 2005 zwei Kreuzbandrisse erlitten, war seitdem aber von schweren Verletzungen verschont geblieben. Dass sie nach der Saison weitermacht, ist noch immer nicht sicher.

Maier fühlte sich wie andere langjährige Beobachter an Regina Häusl erinnert, die 2000 unter ähnlich dramatischen Umständen als dritte und bislang letzte Deutsche den Abfahrtsweltcup gewonnen hatte. Häusl hatte sich bei einem Sturz beim Weltcup-Finale in Bormio/Italien einen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen.

Gebrochen ist offenbar nichts

So schlimm kam es für Höfl-Riesch jetzt offenbar nicht. Der Helikopter wurde nur bemüht, weil der Abtransport im Rettungsschlitten für sie schmerzhafter gewesen wäre, erklärte Stauffer. Der Chefcoach sprach bei Höfl-Riesch von "brutalen Schmerzen", gebrochen sein soll allerdings nichts.

Weil Fenninger nur Sechste wurde, hatte Höfl-Riesch in der Abfahrtswertung letztlich 40 Punkte Vorsprung. Für Höfl-Riesch ist es nach Erfolgen im Slalom (2009 und 2010), im Super-G und in der Super-Kombination (jeweils 2008) die fünfte kleine Kristallkugel. Die große gewann sie 2011 zum ersten und bislang einzigen Mal. Der erhoffte zweite Triumph könnte nach dem Sturz passé sein. "Ich hoffe für sie, dass es nicht so schlimm ist und wünsche ihr alles Gute", sagte Fenninger.

Mit Fieber auf die Piste

Höfl-Riesch war geschwächt von einer fiebrigen Erkältung ins Rennen gegangen, lag bei der zweiten Zwischenzeit auf der anspruchsvollen und ruppigen Piste "Silvano Beltrametti" aber noch ordentlich im Rennen. Nach knapp einer Fahrminute passierte ihr in einer Rechtskurve das Missgeschick: Ein Innenskifehler hatte "katastrophale Folgen" (Maier), Höfl-Riesch rutschte weg, wurde auf den Rücken gedreht und krachte in den Zaun. Mehrere Male waren ihre Schreie weithin zu hören. Dann verstummte sie und blieb über eine Viertelstunde liegen, bis der Helikopter sie barg.

Im Zielraum wurden derweil die Sieger des Tages geehrt, als wäre nichts gewesen. Lara Gut für ihren sechsten Saisonerfolg, der österreichische Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer für seinen ersten Triumph im Weltcup und Aksel Lund Svindal als Gesamtsieger in der Abfahrt. Im Kampf um die große Kristallkugel hat der Norweger Svindal jetzt 41 Punkte Vorsprung auf Marcel Hirscher aus Österreich.

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