Donnerstag, 02.01.2014

Nach Sieg in Garmisch-Partenkirchen

"Artist" Diethart greift nach Sieg

Nobody Thomas Diethart führt zur Halbzeit überraschend die Vierschanzentournee an. Dabei hat der 21-Jährige erst sechs Weltcups absolviert - und war früher Turner.

Thomas Diethart siegte in Garmsich-Partenkirchen überraschend
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Thomas Diethart siegte in Garmsich-Partenkirchen überraschend

Die erste Trophäe hat Thomas Diethart schon sicher. "Mein Papa hat mir für meinen ersten Sieg ein echtes Schwein versprochen", sagte Österreichs Senkrechtstarter nach dem Triumph in Garmisch-Partenkirchen, der den 21-Jährigen zum Favoriten auf den Sieg bei der Vierschanzentournee machte: "Das muss er jetzt aber auch durchziehen."

Die zweite Trophäe, ein 20 Kilogramm schwerer Gold-Adler, könnte Diethart schon am Montag in Bischofshofen erhalten. Denn so wie der Nobody derzeit springt, ist ihm alles zuzutrauen. "Wenn mir das jemand vor ein paar Tagen gesagt hätte, hätte ich darüber nur gelacht. Momentan funktioniert es einfach", sagt der eher ruhige, fast schon schüchterne Diethart.

"War nicht absehbar"

Kaum zu glauben: Gerade einmal sechs Weltcups hat der Österreicher absolviert, nun führt er zur Halbzeit die Tournee an. Da staunt sogar die Konkurrenz. "Diese Entwicklung war nicht absehbar, das kann mir keiner erzählen", sagt Bundestrainer Werner Schuster, der Diethart noch aus seiner Zeit als Trainer am Skigymnasium Stams kennt: "Da kam er rein als 1,40-Meter-Mann. Schon damals hatte er eine ungeheuerliche Sprungkraft."

Dietharts Rekord sind 75 Zentimeter aus dem Stand, das schaffen nicht einmal die Teamkollegen Gregor Schlierenzauer oder Thomas Morgenstern. Sein Vorteil: Diethart war früher Turner. Wenn er heute mit seiner Freundin spazieren geht, steigt er manchmal auf große Steine und springt mit einem Salto herunter. "Er hat unglaublich viel Kraft in den Beinen", sagt Norwegens Nationaltrainer Alexander Stöckl, der ebenfalls einst in Stams mit Diethart arbeitete.

Vorfreude auf Innsbruck

Dabei hätte es mit der Karriere als Skispringer beinahe nicht geklappt. Diethart flog als Jugendlicher aus sämtlichen Kadern, kämpfte sich aber stets zurück. Auch finanzielle Probleme hielten ihn nicht auf. "Uns ist das Geld hinten und vorne ausgegangen", erzählte Vater Gernot Diethart vor der Tournee: "Dann gehst du jammern zu Firmen, damit die vielleicht einen Sprunganzug zahlen."

Vierschanzentournee: Die Sieger der letzten 20 Jahre
Die Vierschanzentournee ist jedes Jahr auf Neue ein Highlight. SPOX blickt auf die letzten 20 Sieger zurück
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2014/15: Stefan Kraft (Österreich). Der 22-Jährige setzte sich vor seinem Landsmann Michael Hayböck und Peter Prevc durch
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2013/14: Thomas Diethart (Österreich). Der Sensationssieger kam aus dem Nichts und gewann sowohl in Garmisch als auch in Bischofshofen
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2012/13: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der Dominator wiederholte seinen Triumph bei der Vierschanzentournee dank Siegen in Innsbruck und Bischofshofen
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2011/2012: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der 23-Jährige gewann in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen und bescherte den Österreichern den vierten Titel in Folge
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2010/2011: Thomas Morgenstern (Österreich). Morgi ließ Simon Ammann (SUI) und Tom Hilde (NOR) hinter sich
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2009/2010: Andreas Kofler (Österreich). Ihm reichte für den Gesamtsieg ein erster Platz in Oberstdorf, in den anderen drei Wettbewerben landete er nicht auf dem Podest
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2008/2009: Wolfgang Loitzl (Österreich). Loitzl gewann gleich drei der vier Springen
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2007/2008: Janne Ahonen (Finnland). Er holte sich als erster Skispringer den fünften Gesamtsieg. Erstmals wurden zwei Springen in Bischofshofen ausgetragen, Innsbruck (zu viel Wind) fiel aus
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2006/2007: Anders Jacobsen (Norwegen). Setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gregor Schlierenzauer durch
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2006/2007: Anders Jacobsen (Norwegen). Setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gregor Schlierenzauer durch
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2005/2006: Janne Ahonen (Finnland) und Jakub Janda (Tschechien). Das Duo hatte nach vier Springen jeweils 1081,5 Punkte. Erstmals in der Geschichte der Tournee gab es zwei Sieger
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2004/2005: Janne Ahonen (Finnland). Er knackte fast den Rekord von Sven Hannawald mit den vier Tagessiegen. Doch im letzten Springen landete Ahonen nur auf Platz zwei
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2003/2004: Sigurd Pettersen (Norwegen). Kam ebenfalls auf drei Siege. Peter Zonta war nur in Innsbruck besser
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2002/2003: Janne Ahonen (Finnland). Ihm reichte ein Sieg in Innsbruck, um die Tournee zum zweiten Mal zu gewinnen
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2001/2002: Sven Hannawald (Deutschland). Historisch! Hanni gewann als bislang einziger Athlet alle vier Springen. Da verbeugte sich selbst der 2007 verstorbene Bundestrainer Reinhard Heß
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2000/2001: Adam Malysz (Polen). Musste sich auf den ersten beiden Schanzen noch geschlagen geben, ehe er in Innsbruck und Bischofshofen triumphierte
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1999/2000: Andreas Widhölzl (Österreich). Er gewann auf den letzten drei Schanzen und sicherte sich so den Tourneesieg
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1998/1999: Janne Ahonen (Finnland). Schnappte sich 1999 den ersten seiner insgesamt fünf Tourneesiege
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1997/1998: Kazuyoshi Funaki (Japan). Er siegte auf den ersten drei Schanzen und holte sich vor Sven Hannewald den Titel
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1996/1997: Primoz Peterka (Slowenien). Gewann im knalligen Orange in Garmisch - dieser Erfolg reichte am Ende zum Tourneesieg
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1995/1996: Jens Weißflog (Deutschland). Der Floh vom Fichtelberg holte sich 1996 zum vierten und letzten Mal den Gesamtsieg
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Seit dem Neujahrsspringen ist das alles vergessen. Und nun warten auf den Gesamtführenden, der immerhin 11,5 Punkte Vorsprung auf Morgenstern aufweist, auch noch die Heimspringen in Innsbruck (Fr., 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) und Bischofshofen (So., 16.15 Uhr im LIVE-TICKER). "Innsbruck ist meine Heimschanze, ich kann es kaum erwarten", sagte Diethart während der Pressekonferenz in Garmisch. Dann half er seinem Sitznachbarn Morgenstern beim Öffnen einer Saftflasche, der Olympiasieger ist wegen seines gebrochenen Fingers noch immer gehandicapt.

Eine Schwäche hat Diethart dann aber doch - die für Kuchen. Und das ist für einen stets um sein Gewicht kämpfenden Skispringer ein Problem. Erst recht, wenn die Schwester Konditorin ist. "Zum Glück ist sie derzeit weit weg", sagt das Leichtgewicht, das noch mindestens bis Olympia fasten muss. Damit dürfte auch sein neues Schwein zunächst gute Überlebenschancen haben.

Die 62. Vierschanzentournee im Überblick


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