Mittwoch, 15.01.2014

Eisschnelllauf-Präsident Heinze im Blickpunkt

Friesinger-Postma übt Kritik

Die dreimalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Anni Friesinger-Postma hat sich knapp drei Wochen vor dem Start der Winterspiele in Sotschi zu Wort gemeldet und scharfe Kritik am deutschen Verband und Präsident Gerd Heinze geübt.

Anni Friesinger-Postma gewann bereits drei Gold bei Olympischen Spielen
© getty
Anni Friesinger-Postma gewann bereits drei Gold bei Olympischen Spielen

Die 37-Jährige warf dem Chef der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) Versäumnisse im sportlichen Bereich und eine Bevorzugung ihrer einstigen Rivalin Claudia Pechstein vor.

"Seit dem Rücktritt von Gerd Zimmermann wurde vieles personell umgekrempelt, und leider nicht immer zum Besten", sagte Friesinger-Postma der Sport Bild. Heinze hatte das Präsidentenamt 2005 während einer Erfolgsphase des deutschen Eisschnelllaufs von Zimmermann übernommen.

Zuletzt geriet der Verband jedoch sportlich ins Hintertreffen, in Sotschi rechnet die DESG lediglich mit zwei bis drei Medaillen im Eisschnelllauf.

"Der Präsident hat leider keine neutrale Haltung"

Friesinger-Postma forderte unter anderem eine Reform der Trainingsabläufe und eine verbesserte Außendarstellung. "Ein Personalwechsel im Präsidium wäre dringend anzuraten, nachdem sich die DESG medial und finanziell selbst ins Abseits gearbeitet hat", sagte Friesinger-Postma.

Auch Heinzes starke Unterstützung für Claudia Pechstein in deren Kampf um Rehabilitation nach Ablauf ihrer zweijährigen Dopingsperre ist Friesinger-Postma ein Dorn im Auge.

"Der Präsident hat meines Erachtens leider keine neutrale Haltung und äußert sich in der Öffentlichkeit oftmals eher beschämend", sagte sie und ergänzte: "Leider schaut unser Sportdirektor (Günter Schumacher; d. Red.) unbeteiligt zu, und der Teamleader (Helge Jasch; d. Red.) denkt auch nur an einen Schützling."

Heinze widerspricht

Gleichzeitig machte sich die Inzellerin für Stephanie Beckert stark. Die zuletzt formschwache 25 Jahre alte Erfurterin hatte sich in der Vorsaison eine öffentliche Auseinandersetzung mit Pechstein geliefert, seither startet Beckert nicht mehr in der Teamverfolgung.

"Die kategorische Nicht-Aufstellung und das 'Im-Stich-Lassen' von Beckert war ein Fehler", sagte Friesinger-Postma. Die Nicht-Qualifikation für die Teamverfolgung in Sotschi sei "hausgemacht".

Heinze widersprach: "Es gab die Versuche, Beckert ins Team zu nehmen. Die Nicht-Aufstellung war eine rein sportfachliche Entscheidung." Auch die vermeintliche Bevorzugung Pechsteins, die 2009 aufgrund von auffälligen Blutwerten zwei Jahre gesperrt worden war, ließ der Berliner nicht auf sich sitzen.

"Das ist ihre persönliche Auffassung. Diese kann ich nicht teilen. Ich denke, dass wir richtig gehandelt haben", sagte Heinze, der mit Blick auf die Trainerdebatte jedoch einräumte, dass es nicht gelungen sei, "den Trainerberuf für den Nachwuchs erstrebenswert zu machen."


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