Freitag, 03.01.2014

Die Angst überwunden

Die Rückkehr des Thomas Morgenstern

Für Thomas Morgenstern schien ein Tournee-Start nach dem schweren Sturz in Titisee ausgeschlossen. Nun ist für den Österreicher der Gesamtsieg zum Greifen nahe.

Thomas Morgenstern steht bei der diesjährigen Tournee wieder ganz besonders im Rampenlicht
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Thomas Morgenstern steht bei der diesjährigen Tournee wieder ganz besonders im Rampenlicht

Das Christkind bewies bei Thomas Morgenstern schwarzen Humor. Ein neuer Helm für die Vierschanzentournee lag bei dem Österreicher unter dem Baum, nachdem er wenige Tage zuvor in Titisee-Neustadt schwer gestürzt war.

Dabei war an Weihnachten nicht einmal klar, ob der 27-Jährige bei der Tournee überhaupt an den Start gehen kann. Keine zwei Wochen später ist der zweite Gesamtsieg seiner Karriere zum Greifen nahe.

"Mir war es wichtig, so schnell wie möglich wieder auf die Schanze zu kommen, um die Angst zu bekämpfen", sagt Morgenstern, der schon einmal nach einem Horror-Sturz erfolgreich zurückgekommen war.

Schwerer Sturz in Kuusamo

2003 in Kuusamo war er vom Wind "weggeblasen" worden und rücklings auf den Boden geknallt. "Ich bin ein Stehaufmännchen. Das lernt man, das bekommt man mit in die Wiege", sagte er vergangene Woche nach Platz fünf in Oberstdorf.

Beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen ließ Morgenstern einen zweiten Platz folgen, auch in der Gesamtwertung ist er nun schon Zweiter hinter seinem Teamkollegen und Namensvetter Thomas Diethart.

Der zweite Tournee-Triumph nach 2010/2011 ist plötzlich zum Greifen nahe. "Er ist wieder ganz der Alte. Ich habe höchsten Respekt vor ihm", sagt Cheftrainer Alexander Pointner.

Linke Hand immer noch bandagiert

Im alltäglichen Leben ist Morgenstern derzeit noch auf einen "Butler" angewiesen. Seine linke Hand ist seit dem Sturz in Titisee dick bandagiert, der Doppel-Olympiasieger von 2006 kann derzeit weder Flaschen öffnen noch alleine in seinen Skischuh steigen.

Auch auf der Schanze verspürt er beim Abstoßen noch immer einen kleinen Stich. Zu stören scheint ihn das aber nicht - ganz im Gegenteil.

Rücktrittsgedanken bei Morgi

Dabei hatte Morgenstern, der 2003 im Alter von gerade 16 Jahren seinen ersten Weltcup gewann, noch vor wenigen Monaten Rücktrittsgedanken gehegt.

Nach der Geburt seiner Tochter Lilly und der Trennung von Langzeitfreundin Kristina tauchte sein Name plötzlich häufiger auf den Boulevard- statt auf den Sportseiten auf, hinzu kamen hartnäckige Verletzungen. "Eine schwierige Zeit", wie er heute zugibt.

Heimspringen vor der Tür

Vierschanzentournee: Die Sieger der letzten 20 Jahre
Die Vierschanzentournee ist jedes Jahr auf Neue ein Highlight. SPOX blickt auf die letzten 20 Sieger zurück
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2014/15: Stefan Kraft (Österreich). Der 22-Jährige setzte sich vor seinem Landsmann Michael Hayböck und Peter Prevc durch
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2013/14: Thomas Diethart (Österreich). Der Sensationssieger kam aus dem Nichts und gewann sowohl in Garmisch als auch in Bischofshofen
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2012/13: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der Dominator wiederholte seinen Triumph bei der Vierschanzentournee dank Siegen in Innsbruck und Bischofshofen
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2011/2012: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der 23-Jährige gewann in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen und bescherte den Österreichern den vierten Titel in Folge
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2010/2011: Thomas Morgenstern (Österreich). Morgi ließ Simon Ammann (SUI) und Tom Hilde (NOR) hinter sich
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2009/2010: Andreas Kofler (Österreich). Ihm reichte für den Gesamtsieg ein erster Platz in Oberstdorf, in den anderen drei Wettbewerben landete er nicht auf dem Podest
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2008/2009: Wolfgang Loitzl (Österreich). Loitzl gewann gleich drei der vier Springen
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2007/2008: Janne Ahonen (Finnland). Er holte sich als erster Skispringer den fünften Gesamtsieg. Erstmals wurden zwei Springen in Bischofshofen ausgetragen, Innsbruck (zu viel Wind) fiel aus
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2006/2007: Anders Jacobsen (Norwegen). Setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gregor Schlierenzauer durch
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2005/2006: Janne Ahonen (Finnland) und Jakub Janda (Tschechien). Das Duo hatte nach vier Springen jeweils 1081,5 Punkte. Erstmals in der Geschichte der Tournee gab es zwei Sieger
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2004/2005: Janne Ahonen (Finnland). Er knackte fast den Rekord von Sven Hannawald mit den vier Tagessiegen. Doch im letzten Springen landete Ahonen nur auf Platz zwei
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2003/2004: Sigurd Pettersen (Norwegen). Kam ebenfalls auf drei Siege. Peter Zonta war nur in Innsbruck besser
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2002/2003: Janne Ahonen (Finnland). Ihm reichte ein Sieg in Innsbruck, um die Tournee zum zweiten Mal zu gewinnen
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2001/2002: Sven Hannawald (Deutschland). Historisch! Hanni gewann als bislang einziger Athlet alle vier Springen. Da verbeugte sich selbst der 2007 verstorbene Bundestrainer Reinhard Heß
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2000/2001: Adam Malysz (Polen). Musste sich auf den ersten beiden Schanzen noch geschlagen geben, ehe er in Innsbruck und Bischofshofen triumphierte
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1999/2000: Andreas Widhölzl (Österreich). Er gewann auf den letzten drei Schanzen und sicherte sich so den Tourneesieg
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1998/1999: Janne Ahonen (Finnland). Schnappte sich 1999 den ersten seiner insgesamt fünf Tourneesiege
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1997/1998: Kazuyoshi Funaki (Japan). Er siegte auf den ersten drei Schanzen und holte sich vor Sven Hannewald den Titel
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1996/1997: Primoz Peterka (Slowenien). Gewann im knalligen Orange in Garmisch - dieser Erfolg reichte am Ende zum Tourneesieg
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1995/1996: Jens Weißflog (Deutschland). Der Floh vom Fichtelberg holte sich 1996 zum vierten und letzten Mal den Gesamtsieg
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Vergessen ist das alles noch nicht, zumindest aber überwunden. "Er kann wieder intuitiv agieren, und das ist gerade in unserem Sport wichtig", sagt Pointner, der Morgenstern ein "Jahrzehntetalent" nennt: "Dass man mit 16, 17 so durchstartet, ist nicht der normale Weg." Unglaubliche acht WM-Titel hat sein Schützling bis heute gesammelt, sieben davon freilich mit der Mannschaft.

Die Tournee kann er nun zum zweiten Mal gewinnen, das haben vor ihm erst elf Skispringer geschafft. Und nun kommen auch noch die Heimspringen am Samstag in Innsbruck (14.00 Uhr im LIVE-TICKER) sowie zwei Tage später in Bischofshofen.

"Das wird etwas ganz Besonderes. Zu 99 Prozent wehen dort österreichische Fahnen, es wird eine extreme Lautstärke produziert. Das ist unvergleichbar", sagt Morgenstern. Nach Angst klingt das ganz und gar nicht.

Der Stand in der Gesamtwertung der Tournee


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