Hohe Ziele in der Olympiasaison

Bobteam mit neuem Schlitten "208"

SID
Mittwoch, 27.11.2013 | 13:09 Uhr
Bei den Winterspielen sollen die Bobsportler wie gewöhnlich für Medaillen sorgen
© getty
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Ab Freitag kämpfen die Bob-Teams im Weltcup wieder um Punkte, doch das ganz große Ziel Olympia steht über allem. In Sotschi wollen die deutschen Piloten ihrem Ruf als Medaillen-Garanten gerecht werden.

Christoph Langen weiß, wie es geht. Der 51-Jährige räumte als aktiver Bob-Pilot bei Winterspielen zwei Gold- und zwei Bronzemedaillen ab, sein fahrerisches Können wurde nur noch von seiner Erfolgsbesessenheit übertroffen. Auch in seinem Job als Bob-Bundestrainer ist Langen extrem ehrgeizig, von den deutschen Teams mit den Weltmeistern Maximilian Arndt und Francesco Friedrich verlangt er in der Olympiasaison Großtaten.

"Jeder Athlet fährt nach Olympia, um zu gewinnen oder eine Medaille zu holen. Das muss natürlich auch unser Ziel sein", sagte Langen dem "SID" vor dem Weltcupauftakt im kanadischen Calgary am Freitag und Samstag. Laut Zielvereinbarungen soll das Langen-Team in Sotschi viermal Edelmetall holen, das ist selbst für die erfolgsverwöhnte deutsche Bob-Mannschaft eine ambitionierte Vorgabe.

Um die Ziele zu erfüllen, hätten seine Sportler im athletischen Bereich "so hart trainiert wie noch nie", sagte Langen. Zudem habe man am Material getüftelt wie seit Jahren nicht. Mit Hilfe der Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte (FES) und der Ingenieure des BMW-Windkanals wurde der Olympiaschlitten "208" entwickelt.

Ernüchternde Praxistests

Langen findet das schnittige Gerät "sensationell", doch die ersten Praxistests waren ernüchternd. Es gab sogar die Überlegung, in den ersten drei Übersee-Weltcups auf den alten Schlitten zurückzugreifen. Doch Langen setzte sich durch, er glaubt an das Potenzial des Olympiaschlittens. Dass die internationalen Rivalen aber auch nicht schlafen, bewiesen die Eindrücke von der kürzlich abgehaltenen Internationalen Trainingswoche auf der Olympiabahn in Sotschi. "Die Konkurrenz ist extrem stark", sagte der Bundestrainer.

Die Konkurrenz muss aber erst mal die deutschen Teams schlagen, allen voran die Crew um Vierer-Weltmeister Maximilian Arndt. Der Oberhofer wurde in der Vorbereitung zwar durch einen doppelten Bänderrisses zurückgeworfen, doch an den Lenkseilen dürfte dem genesenen Piloten zumindest im großen Schlitten niemand das Wasser reichen können. "Für die ersten Weltcups wird es schwer, schon in Topform zu sein. Aber bis Olympia ist das kein Thema mehr", sagte Arndt.

Im kleinen Schlitten ruhen die Hoffnungen vor allem auf Francesco Friedrich (Oberbärenburg) mit Anschieber Jannis Bäcker (Winterberg). Dank ihrer Explosivität am Start darf der jüngste Zweier-Weltmeister der Geschichte von einer Olympia-Medaille träumen.

Lockere Schraube sorgt für "Überlebenskampf"

Auch der Olympia-Zweite Thomas Florschütz rechnet sich im Olympiawinter gute Chancen aus. Der 34-Jährige aus Riesa stach in der internen Weltcup-Qualifikation den Ex-Weltmeister Manuel Machata (Potsdam) aus und überstand auch eine höchst prekäre Situation.

Beim letzten Selektionsrennen in Altenberg hatte sich während der Fahrt im Bereich der Lenkung eine Mutter gelockert, Florschütz verlor die Kontrolle über seinen Schlitten. Der WM-Dritte sprach hinterher von einem "reinen Überlebenskampf" und meinte: "Wir können froh sein, dass wir überhaupt lebend heruntergekommen sind."

Ganz so dramatisch verlief die Vorbereitung für Sandra Kiriasis nicht, aber die erfolgreichste Bob-Pilotin der Welt ist nicht wirklich gut aus den Startlöchern gekommen. Bundestrainer Langen nennt die 38-Jährige "mein kleines Sorgenkind". Fahrerisch ist die Olympiasiegerin von 2006 nach wie vor erste Klasse, beim Start lassen sich die athletischen Schwächen aber kaum noch kompensieren. Dabei hat sie in ihrer wohl letzten Saison mit dem Vereinswechsel zum Bobclub Solitude Stuttgart extra einen neuen Reizpunkt gesetzt.

Mit reichlich Selbstvertrauen startet dagegen Ex-Weltmeisterin Cathleen Martini (Oberbärenburg), die die Selektionsrennen dominierte. Sollte Schnellstarterin Anja Schneiderheinze (Erfurt) ihre immer mal wieder aufkommende Nervosität im Eiskanal überwinden, ist ihr die ein oder andere Überraschung zuzutrauen.

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