Severin Freund im Interview

"Formkonservierung funktioniert nicht"

Dienstag, 26.11.2013 | 15:15 Uhr
Gewann in der letzten Saison die Weltcups in Lillehammer und Kuusamo: Severin Freund
© getty
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Severin Freund war beim verwehten Saisonauftakt der Skispringer in Klingenthal einer der Pechvögel. In Kuusamo geht er als Vorjahressieger an den Start. Im SPOX-Interview verrät der 25-Jährige, warum Topplatzierungen zum Auftakt diesmal zweitrangig sind, wer im DSV-Team im Kampf um die Wurstsemmeln die Nase vor hat und warum er ständige Regeländerungen ablehnt.

SPOX: Nach dem verwehten, eher herbstlichen Auftakt in Klingenthal gilt es für Sie nun in Kuusamo. Dort haben Sie letztes Jahr gewonnen. Gibt's die Wiederholung?

Severin Freund: Ich habe letztes Jahr wirklich einen sehr, sehr guten Saisoneinstieg erwischt, gerade nach der Vorgeschichte mit der Verletzung und der OP. Dieses Jahr ist Tournee und Olympia, da wäre es mir eher wichtig, dass ich zu den Saisonhöhepunkten mal voll da bin.

SPOX: Die fehlende Konstanz nach Platz drei zum Tourneestart ärgert Sie noch immer?

Freund: Natürlich. Nach dem kleineren Tief im Januar bin ich zwar zu den Weltmeisterschaften noch einmal gut in Form gekommen, aber eben noch nicht sehr gut. Wenn ich um Medaillen mitkämpfen will, vor allem im Einzel, dann brauche ich die Topform.

SPOX: Was sind die wichtigsten Knackpunkte, damit es zur Topform beim Höhepunkt kommt?

Freund: Einerseits passiert das übers Training, andererseits passiert viel über den Kopf, dass man sich wirklich zu den Höhepunkten noch einmal hinpusht. Ich wehre mich nicht gegen einen ordentlichen Saisonstart, aber Sotschi ist wichtiger.

SPOX: Wie geht es anderthalb Jahre nach der Bandscheiben-OP Ihrem Rücken?

Freund: Dem Rücken geht es soweit gut. Ich habe keine Schmerzen oder Beschwerden. Es ist etwas, worauf ich immer schauen muss. Ich kann mich nicht operieren lassen, dann so weitermachen wie vorher und es passiert nie wieder etwas. Als Leistungssportler hat man immer mal kleinere Wehwehchen, das ist halt ein weiteres, das ich im Kopf haben und worauf ich aufpassen muss.

SPOX: Auf den Kunsteisspuren und den Matten lief es für das Team in der Vorbereitung ja richtig gut.

Freund: Stimmt, obwohl wir in Garmisch teilweise über 20 Grad hatten im Oktober. Aber unsere Lehrgänge waren so geplant, dass wir nicht unbedingt Schnee brauchten. Das hat gut funktioniert.

SPOX: Mannschaftlich scheint das DSV-Team noch einmal stärker geworden zu sein. Der richtige Eindruck?

Freund: Ich glaube, wir sind noch einmal einen Schritt weiter als im letzten Jahr, gerade in der mannschaftlichen Breite.

SPOX: Und beim Sommer Grand Prix gab es mit Andreas Wellinger wieder einen deutschen Sieger. Ein Fingerzeig?

Freund: Der Sommer hat gezeigt, dass wir konkurrenzfähig waren. Ich bin ein paar Wettkämpfe weniger gesprungen als in anderen Jahren, weil ich den Hunger behalten wollte. Der Winter wird lang genug. Ich will da anknüpfen, wo ich im letzten Jahr aufgehört habe. Und möchte das Timing auf den Saisonhöhepunkt diesmal besser hinkriegen.

SPOX: Auch in puncto Medieninteresse hat Andi Wellinger im Augenblick die Nase vorn...

Freund: ... dort darf er das ruhig. (lacht)

SPOX: Aber auf der Schanze nicht?

Freund: Er ist einen extrem starken Sommer gesprungen, das muss man zugeben. Auch in Klingenthal stand er wieder auf dem Treppchen. Das ist für ihn sehr schön und das ist auch für unser Team das richtige Zeichen. Ich glaube aber, man muss ihm jetzt auch den Freiraum gehen, falls es in Skandinavien nicht direkt so weiter gehen sollte. Man kann ein paar Schlüsse aus dem Sommer ziehen für den Winter. Ich glaube schon, dass der Andi eine starke Saison springen wird. Ob man aber deshalb jetzt den Gesamtweltcup-Sieg von ihm erwarten sollte, weiß ich nicht. Fest steht, mit seinem Alter, seinem Talent und dem, was er jetzt schon zeigt, hat er auf jeden Fall eine große Zukunft vor sich.

SPOX: Fürs Team ist ein weiterer Siegspringer doch ein Segen, oder?

Freund: Auf jeden Fall. Erstens verteilt sich die Last auf mehrere Schultern, vor allem aber ist es fürs Training angenehm. Als ich meinen Durchbruch hatte, ich damals im Sommer ins Rollen kam, da wusste ich nicht, ob ich wirklich gut springe, oder die anderen einfach schlecht sind. Wenn du viele Leute hast, die im Weltcup aufs Podest springen und gewinnen können, dann hast du im Training immer einen Anhaltspunkt. Das macht es viel einfacher. Dass alle auf einmal die Form verlieren, wird nicht passieren.

SPOX: Und in Sachen Motivation?

Freund: Es macht mehr Spaß. Und es spornt natürlich an. Wir haben ab und zu ein paar Testwettkämpfe. Wetten um die Wurstsemmel hat es auch schon mal gegeben. (lacht) Grundsätzlich ist es so: Wenn man da runterspringt, will man der Weiteste sein. Wenn der andere zwei Balken unter mir losfährt und genausoweit springt, dann will ich auch dorthin.

SPOX: Die ganz großen technischen Umstellungen beim Material blieben diesmal aus. Ist das eine große Erleichterung vor einer olympischen Saison?

Freund: Das war angenehm. Es gab nur eine minimale Veränderung in der Schnitttechnik der Anzüge. Die groben Sachen haben sie sich diesmal gespart. Ich wäre sowieso ein Freund von mehr Kontinuität bei den Regeländerungen, weil es sonst auch für die Zuschauer schwierig wird alles nachzuvollziehen. Da schneiden wir uns sonst ins eigene Fleisch. Wir machen den Sport zwar für uns, aber es ist doch toll, wenn Tausende von Leuten sich dafür interessieren.

SPOX: In Sachen Transparenz gibt es demnächst ja tatsächlich etwas Neues: Die virtuelle Linie, die der Fernsehzuschauer schon kennt, soll auch für die Fans im Stadion auf den Aufsprunghang projeziert werden. Eine gute Idee?

Freund: Den Schritt finde ich sehr interessant. Ich habe es erlebt, dass du in Klingenthal als Sechster in den zweiten Durchgang gehst und dort sechs, sieben Meter weiter als der 14. nach dem ersten Durchgang springst, der landet aber trotzdem vor dir. Das ist für dich blöd und für die Zuschauer merkwürdig. Wenn diese Linie kommt, wird das klarer.

SPOX: Sehen Sie als Springer die Linie während des Fluges?

Freund: Ich habe sie live noch nicht gesehen. (überlegt) Ich glaube, ich fänd's angenehmer, wenn ich sie nicht sehe. Denn die Linie soll ja interaktiv werden, wirklich mitfahren, wenn sich die Bedingungen ändern. Wenn ich mir vorstelle, ich komme über den Vorbau und sehe, okay, bei 120 Meter ist die Linie, ist ja safe, da komme ich hin. Und dann fängt sie an vor mir den Hang runterzuwandern, ich weiß nicht, ob das meine Traumvorstellung wäre. (lacht) Grundsätzlich ist es aber eine gute Idee, man muss es mal ausprobieren.

SPOX: Da sich weder Material noch das Regelwerk diesmal sehr verändert haben, konnten Sie bei ihrer Technik bleiben, nachdem diese zum Saisonende gut funktioniert hat?

Freund: Nee, bei einer alten Technik bleiben kann man nie, denn Stillstand wäre Rückschritt. Dieses schöne Märchen von der Formkonservierung funktioniert im Skispringen nicht. Man muss sich immer neue Punkte suchen, an denen man arbeiten will. Dann kommt man vielleicht wieder da raus, wo man im letzten Jahr aufgehört hat. Die anderen bleiben ja auch nicht stehen. Das Skispringen entwickelt sich ständig weiter. Man muss sich nur mal Bilder von vor fünf Jahren anschauen, da denkt man, es ist eine andere Sportart. Und uns geht es genauso. Langweilig wird es uns nie, auch nach einer guten Saison nicht.

SPOX: Vor Olympia ja sowieso nicht. Wie sehen Ihre Ziele für Sotschi aus?

Freund: Für unser Team muss es der Anspruch sein, eine Medaille zu gewinnen. Dass in der Mannschaft das Potenzial steckt, ist logisch. Wir haben letztes Jahr in Lahti einen Teamwettkampf mit 30, 35 Punkten Vorsprung gewonnen. Das ist in den vergangenen Jahren eigentlich nur den Österreichern gelungen. Das war für uns so ein Wettkampf, wo alles aufgegangen ist.

SPOX: Und was nehmen Sie sich persönlich vor?

Freund: Ich möchte wenn möglich auch im Einzel angreifen, das ist zum jetzigen Zeitpunkt aber schwer zu planen. Im letzten Jahr habe ich mir auch eine WM-Medaille vorgenommen und wurde Vierter von der kleinen Schanze, knapp vorbei! Es war ein guter Wettkampf von mir, aber kein sehr guter. Wenn ich den Anspruch haben will, in Sotschi eine Einzelmedaille zu gewinnen, dann muss bei Olympia auch DER Wettkampf kommen, wo ich wirklich perfekte Sprünge mache, oder wenigstens nahe daran. Das muss mein Ziel sein.

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