Kraus im siebten Skisprung-Himmel

"Er fürchtet weder Tod noch Teufel"

SID
Samstag, 30.11.2013 | 10:35 Uhr
Kraus begann seine Karriere in der nordischen Kombination und wurde da sogar Jugendmeister
© getty
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Der 22 Jahre alte Polizeimeister Marinus Kraus gilt nach Rang zwei in Kuusamo als nächster Shootingstar des deutschen Skispringens. Noch vor wenigen Wochen hatte den Oberaudorfer fast niemand auf dem Zettel.

Nach dem größten Erfolg seiner jungen Karriere verlor auch Shootingstar Marinus Kraus kurz den Durchblick. Ohne mit der Wimper zu zucken, ließ sich Deutschlands neue Skisprung-Hoffnung nach Platz zwei in Kuusamo das Gelbe Trikot des Gesamtweltcup-Spitzenreiters überstreifen, das doch eigentlich dem Polen Krzysztof Biegun zustand.

Im ersten Interview verwechselte der 22-Jährige dann noch Kuusamo mit Kuopio, doch am Ende eines fast perfekten Tages war auch das egal.

"Ich kann es selber noch nicht so ganz fassen. Ich bin überglücklich", sagte Kraus, der zur Halbzeit seines erst sechsten Weltcups sogar geführt hatte. Als letzter Springer ging der Polizeimeister aus Oberaudorf vom Bakken, am Ende fehlten ganze 0,5 Punkte auf den Österreicher Gregor Schlierenzauer.

"Ich war nervös oben. Es war nicht einfach für mich, als Letzter zu springen. Aber ich habe gewusst: Wenn ich gute Sprünge zeige, kann ich auf dem Podium sein."

Erstes Podest in der Karriere

So kam es dann auch: Auf Rang acht in Klingenthal folgte das erste Podest seiner Karriere, sogar Seriensieger Schlierenzauer zog da seinen Hut. "Die Deutschen haben immer wieder neue junge Springer. Sie sind eine gefährliche Truppe, auf die man aufpassen muss", sagte der zweimalige Gewinner der Vierschanzentournee und fügte noch schnell hinzu: "Es gefällt mit natürlich gut, dass der große Nachbar wieder sehr gut ist. Das ist für den ganzen Sport gut."

So ganz überraschend kommt der Erfolg von Kraus indes nicht. Erst im Oktober hatte er mit dem Gewinn des DM-Titels vor Karl Geiger und Severin Freund ein Ausrufezeichen gesetzt.

"Da hatte er nicht etwa Glück, sondern war und ist leistungsstark", sagt Bundestrainer Werner Schuster und zählt die zahlreichen Qualitäten des unerschrockenen Weitenjägers auf: "Er ist ein ganz fantastischer Flieger, ein mutiger Springer. Er fürchtet weder Tod noch Teufel, und er kann bei Wind springen. Er hat ganz interessante Qualitäten."

Erst in der Loipe unterwegs

Dabei hatte Kraus zu Beginn seiner Karriere auch die Loipe im Blick. Mit sieben Jahren begann der Steppke in der nordischen Kombination, 2007 wurde er dort sogar deutscher Jugendmeister. Doch dann folgte der Wechsel zu den Spezialisten. "Er hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Er ist ein junger Springer, der sich Schritt für Schritt nach oben kämpft", lobt Schuster.

Ein wenig erinnert der Kraus-Coup von Kuusamo an den Aufstieg von Andreas Wellinger vor genau einem Jahr. In Lillehammer hatte der damals 17-Jährige bei seiner Weltcup-Premiere ebenfalls zur Halbzeit geführt, am Ende wurde Wellinger Fünfter. Schuster wurde erst vor wenigen Wochen gefragt, ob er für den Olympia-Winter eine ähnliche Geheimwaffe im Köcher habe. Seine damalige Antwort: "Das ist dieses Jahr nicht der Fall." Er könnte sich getäuscht haben.

Zumindest auf der Rechnung hatte Schuster den Oberbayern, der sich im Sommer mit Podestplätzen im zweitklassigen Continental Cup empfohlen hatte, aber längst. "Er kann definitiv ein Wörtchen mitreden und wird seine Chance auf Olympia suchen", hatte der Coach vor Saisonbeginn gesagt.

Chancen für Schmitt schwinden

In der Tat hat Kraus die Norm für Sotschi nun gleich zweimal erfüllt, an ihm wird Schuster bei der Nominierung kaum vorbeikommen. Das erhöht gleichzeitig den Druck auf die übrigen DSV-Adler - und lässt im Gegenzug die Chancen von Martin Schmitt (35) weiter schwinden, seine fünften Winterspiele zu erleben.

So weit wollte Kraus nach seinen tollkühnen Flügen in Kuusamo freilich nicht denken. Der DSV-Adler feierte kurz und konzentrierte sich dann wieder auf seine nächsten Auftritte. "Ich bin gespannt, was jetzt kommt", sagte Kraus, nachdem er vom Siegerpodest gestiefelt war. Damit dürfte er nicht ganz alleine sein.

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