Mittwoch, 23.10.2013

"Erbärmlicher Versuch"

Pechstein wütet gegen ISU

Claudia Pechstein präsentiert sich drei Tage vor dem Saisonstart schon in Höchstform - wenn auch nur abseits der Eisbahn. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin fährt schwere Geschütze gegen den Weltverband ISU auf und bezeichnet dessen Haltung im Dauerstreit um ihre Dopingsperre als erbärmlich und unverschämt.

Bei der Affäre um Claudie Pechstein ist kein Ende in Sicht
© getty
Bei der Affäre um Claudie Pechstein ist kein Ende in Sicht

Eigentlich wollte sich Pechstein ganz auf die DM am Wochenende in Inzell konzentrieren, bei der sie über 1500, 3000 und 5000 m startet. Doch nach der Erklärung der ISU vom Montag sei es "an der Zeit", dass sie sich melde. Denn diese Mitteilung mache "das gesamte Dilemma, das sich der Weltverband eingebrockt hat, mehr als deutlich", schrieb die 41-Jährige auf ihrer Homepage.

"Es ist ein erbärmlicher Versuch. Ein Versuch voller Halb- und Unwahrheiten, mit dem die ISU endgültig jeglichen Anstand und Fair-Play-Gedanken über Bord wirft", schimpfte sie. Hier werde nicht davor zurückgeschreckt, "glatte Lügen vorzutragen, um die eigene Position zu stützen."

ISU mit "Halbwahrheiten"

Wütend reagierte Pechstein auf die Darstellung, medizinische Experten hätten ihre Anomalie als Ursache für die hohen Retikulozytenwerte in Abrede gestellt. "Hier fangen die Halbwahrheiten bereits an. Es sind nicht mehrere Experten, sondern lediglich ein einziger Hämatologe, der diese Zweifel geäußert hat", ätzte die Berlinerin. Es handele sich um Professor D'Onofrio, der 2009 bei Pechstein eine Anomalie zu 99 Prozent ausgeschlossen habe.

Besonders bizarr sei es, dass es laut ISU angeblich keinerlei Beweise für das Vorhandensein einer Anomalie gäbe. Eine solche aber habe der Spezialist Stefan Eber bei ihr diagnostiziert. Und ISU-Gutachter Alberto Zanella hätte dies bestätigt. Pechstein: "Es fehlen keine Beweise für die Anomalie, sondern es fehlen die Beweise für Doping. Es gibt bis heute keinen einzigen. Und es kann auch keinen geben, weil ich nie gedopt habe!"

Pechstein wehrte sich auch gegen den Vorwurf, mit ihrer Selbstanzeige wolle sie bloß die Öffentlichkeit in die Irre führen. Sie sei von der ISU verurteilt worden, weil laut ISU Retikulozyten von mehr als drei Prozent nur allein durch Doping zu erklären seien. Wie jetzt im Zuge des Verfahrens herauskam, habe sie zu einem späteren Zeitraum ähnlich hohe Werte gehabt. "Warum hat mich die ISU dann nicht gleich wieder gesperrt?", fragte die Athletin.

Schadensersatz in Millionenhöhe?

Pechstein will ihren Fall vor einem deutschen Gericht klären lassen und hat beim Münchner Landgericht Klage auf Schadensersatz in Millionenhöhe eingereicht. Das Gericht prüft bis Ende Januar seine Zuständigkeit.

In diesem Zusammenhang stellte die Läuferin fest, dass deutsche Athleten generell durch die Unterzeichnung der Athletenvereinbarung auf ihr Grundrecht verzichten würden, ein deutschen Gericht anzurufen. Den Umstand prangerte Pechstein an. Angeblich wird sie dabei von nahezu 50 deutschen Spitzenathleten unterstützt, deren Namen aber nach wie vor nicht veröffentlicht sind. Das soll sich aber ändern. "Wenn wir 50 zusammen Leute zusammenhaben, veröffentlichen wir alle Namen", sagte Pechsteins Manager Ralf Grengel der FAZ.

Der DOSB hatte mit Unverständnis auf die Initiative reagiert. Es gebe durch die Unterwerfung unter die Schiedsgerichtsbarkeit keinen "Grundrechtsverzicht", zudem seien echte Schiedsgerichte unabhängig. Beide Rechtswege stünden absolut gleichrangig nebeneinander, hieß es.


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