Wintersport

Skandal nach abgehörter Doping-Verhandlung

SID
Das Doping-Verfahren um den Österreicher Christian Hoffmann schlägt hohe Wellen
© Getty

Sexuelle Vorlieben, Ratlosigkeit, Gleichgültigkeit: In der Doping-Verhandlung des Skilangläufers Christian Hoffmann hat die Rechtskommission der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) Österreichs ein dilettantisches Bild abgegeben. Der für sechs Jahre gesperrte Hoffmann veröffentlichte eine heimliche Aufnahme der Urteilsfindung, die für die NADA der Alpenrepublik im Desaster enden könnte.

"Folgendes, mir ist das vollkommen gleich, ob da jemand gedopt ist oder nicht", soll der Kommissionsvorsitzende Gernot Schaar laut "Kronen Zeitung" bei der Eröffnung der Sitzung gesagt haben. Hoffmann hatte am 5. Dezember 2011 sein Handy in dem Saal "vergessen" und die Sitzung aufgezeichnet. Die Aufnahme hat Hoffmann diversen österreichischen Medien zugespielt.

Fantasien über Vonn

Statt einer seriösen Urteilsfindung hatte die Sitzung kaum mehr als Stammtischniveau. Laut "Kurier" wurden in der Herrenrunde zunächst Witze über Doping im Zusammenhang mit Sexualpraktiken gemacht, "wobei auch Ski-Schönheit Lindsey Vonn Objekt schlüpfriger Fantasien wird".

Thematisch relevanter, aber nicht unbedingt seriöser verlief die Urteilsfindung. Burkhard Thierrichter vom Österreichischen Skiverband (ÖSV) pochte darauf, Hoffmann wegen Besitzes und Weitergabe von Dopingsubstanzen sowie die Verwicklung in die Humanplasma-Affäre für mindestens vier Jahre zu sperren.

"Berechtigt würde er sechs Jahre verdienen, aber da können wir...", sagte Schaar, ehe ihm Thierrichter ins Wort fiel: "Das wäre mir sympathisch." Schaar entgegnete jedoch, dass man dies nicht begründen könne. Neben der Länge der Sperre debattierte die Runde auch uneins und offenbar ratlos darüber, was man Hoffmann überhaupt nachweisen könne. Der Chemiker Karl Dobianer forderte: "Wir sollten ihm einen hübsch geschnitzten Pflock aufstellen."

Rückenwind für die Berufung

Die NADA will nun Anzeige gegen Hoffmann erstatten, da der Mitschnitt ihrer Ansicht nach ein "illegales Delikt" darstellt. Sportminister Norbert Darabos forderte umgehend eine Untersuchung des Vorfalls und zeigte sich besonders über die sexuellen Ausschweifungen empört: "Wenn das Protokoll so der Wahrheit entspricht, und davon muss man bei einem Ton-Beweis ja ausgehen, bin ich erschüttert. Es ist ein empörendes Sittenbild."

Hoffmann ist von der Klage-Drohung der NADA wenig beeindruckt. "Wenn die Herren wollen, spiele ich ihnen das gesamte Tonband vor", sagte der 37-Jährige. Nach eigenen Angaben hat er erst ein Drittel des Protokolls veröffentlicht.

Der Olympiasieger von 2002 erhofft sich durch die Veröffentlichung der Aufnahme einen Vorteil in der Berufungsverhandlung. Der ÖSV ließ über seine Anwälte mitteilen, es sei "gänzlich inakzeptabel, wenn führende Gremien der staatlichen Anti-Doping-Agentur sämtliche Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit mit Füßen treten."

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