Wintersport

Deutsche Mixed-Staffel gewinnt Bronze

SID
Magdalena Neuner tritt zum Ende der Saison vom aktiven Biathlon zurück
© Getty

Die deutschen Biathleten haben zum Auftakt der Heim-WM in Ruhpolding Bronze gewonnen. Eine Strafrunde von Schlussläufer Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld) kostete am Donnerstag den möglichen Sieg.

Magdalena Neuner schlug erst die Hände vors Gesicht, dann strich sich dem tieftraurigen deutschen Schlussläufer Arnd Peiffer im Ziel tröstend über den Rücken.

Seine Strafrunde nach dem letzten Schießen kostete die deutsche Mixed-Staffel die greifbar nahe Goldmedaille und Neuner einen perfekten Auftakt in ihre Abschieds-WM in der Heimat.

Herzschlag-Finale in verrücktem Rennen

Das Herzschlag-Finale war die Krönung eines verrückten Rennens, in dem die als Zweite ins Ziel gekommenen Norweger wegen einer Zeitgutschrift der Jury den ersten Titel in Ruhpolding feiern konnten.

Zeitgutschrift beschert Norwegen Gold: Das ist passiert

"Wir haben die erste Medaille im eigenen Land gewonnen. Und jetzt fangen wir an zu sammeln", sagte die mit dem Ziel sechs Medaillen bei sechs Starts in die WM gegangene Neuner. Danach tröstete sie Peiffer auch verbal.

"Ist doch klar, dass er sich darüber ärgert. Aber jeder von uns hat diese Situation schon erlebt." 58,7 Sekunden hatte der Mann aus dem Harz von seinen drei Kollegen als Vorsprung auf die Schlussrunde mitgenommen, vor dem letzten Schießen war noch der Großteil davon übrig, doch dann versagten dem sonst so kontrollierten Mann zum Entsetzen von 26.000 Fans die Nerven.

"Ich ärgere mich maßlos"

"Schön, dass die anderen drei so tolerant sind, aber ich ärgere mich maßlos über mein letztes Schießen. Klar ist die Medaille schön, aber wenn man so nah an Gold ist, ärgert man sich schon", sagte Peiffer.

Neben Neuner spendeten unisono aber auch die anderen Mixed-Kollegen Andrea Henkel und Andreas Birnbacher Trost: "Das Wichtigste ist doch, dass wir nicht vom Podest gestoßen worden sind."

Wer dort ganz oben stehen darf, war lange unklar, denn eigentlich war Außenseiter Slowenien als Erster ins Ziel gekommen. Doch die als Zweite eingelaufenen Norweger jubelten am Ende, da Ole Einar Björndalen wegen eines Scheibenfehlers versehentlich eine Strafrunde gelaufen war und seine Staffel am grünen Tisch 28,4 Sekunden gutgeschrieben bekam.

Selbst Brezelbäckereien helfen

Es war das dramatische Finale eines Rennens, in dem sogar die Brezelbäckereien ihren Anteil für den erhofften goldenen Auftakt für Neuner und Co geleistet hatten. 110 Kilo Brezelsalz waren bei frühlingshaften Temperaturen auf den Schneematsch gekippt worden. Danach hielt die Strecke in Ruhpolding - aber nicht die Nerven des deutschen Teams. Bei frühlingshaften Bedingungen sammelte schon Startläuferin Andrea Henkel 46,3 Sekunden Rückstand an.

"Ich war diesmal tatsächlich etwas nervös. Die Zuschauer waren einfach Wahnsinn", sagte Henkel. Auch die als Sechste gestartete Magdalena Neuner musste am Schießstand dreimal nachladen: "Da war schon ein bisschen Zittern dabei."

Doch sie lief unter dem lauten Gebrüll der in dichten Mauern an der Strecke stehenden Fans wie entfesselt. So betrug der Rückstand der zweitplatzierten Deutschen auf die nun führenden Franzosen bei Halbzeit nur noch 7,2 Sekunden.

Den hatte Birnbacher bis zu seiner ersten Schießprüfung aufgeholt, dann schockte er die Konkurrenten mit zwei Schnellfeuereinlagne. Fast eine Minute Vorsprung sammelte er für Peiffer und Neuner jubelte schon: "Ich denke, wir holen Gold."

Es kam anders, doch die Rekord-Weltmeisterin lässt sich die Laune mit Blick auf den nächsten Titelangriff beim Sprint am Samstag nicht verderben: "Es ist doch alles so schön hier. Die Sonne scheint, die Leute sind wie ein großer Chor. Das kann man doch nur genießen." Selbst wenn man statt Gold nur Bronze gewinnt.

Der Biathlon-Kalender 2012

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