Neuner-Rivalin gehen Patronen aus

SID
Donnerstag, 01.03.2012 | 11:53 Uhr
Darja Domratschewa hat seit 2006 insgesamt sechs Weltcupsiege geholt
© Getty
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Magdalena Neuners größter WM-Rivalin Darja Domratschewa gehen die Patronen aus. "Für die WM habe ich Dascha 250 Schuss gute Munition aufgehoben. Das reicht gerade", sagt Klaus Siebert der Nachrichtenagentur "dapd" bei den Titelkämpfen in Ruhpolding.

Ohne Patronen kein Schießen, ohne Schießen kein Biathlon. Wie ernst die Lage ist, bekräftigt Wolfgang Pichler. Der deutsche Coach des russischen Nationalteams war früher Zöllner am Grenzposten Bad Reichenhall.

"Alle Verstöße gegen das EU-Embargo werden streng geahndet. Wenn ich an der Grenze einen erwischen würde, dann müsste ich ihn verhaften."

Patronen dürfen nicht verschickt werden

Dabei lagern beim weltweit führenden Hersteller von Präzisions-Biathlonmunition in Schönebeck vor den Toren von Magdeburg 290.000 für die Weißrussen produzierte Patronen, die nicht verschickt werden dürfen. Domratschewa und Siebert waren vor dem WM-Winter noch in Schönebeck, um die bestmögliche Munition für die Waffe der 25-Jährigen auszutesten. Wegen des Embargos musste sie im Weltcup dann trotzdem teil auf minderwertige Trainingspatronen zurückgreifen.

"Die sind nicht nicht speziell für den Lauf von Darjas Waffe eingeschossen, da waren gute Patronen dabei, aber auch richtig schlechte", erklärt Siebert. Domratschewa, die im Gesamtweltcup nur minimale 39 Punkte hinter Magdalena Neuner auf Platz zwei liegt, vergab durch zu viele Schießfehler einige mögliche Siege.

Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht. Siebert richtete zwar eine Hilfsanfrage an den Weltverband IBU. Da aber die aktuelle Saison noch abgesichert ist, sieht die IBU im WM-Umfeld keine Handlungsnot.

"Wir müssen nach entsprechender Anfrage natürlich auch prüfen, inwieweit wir überhaupt helfen dürfen", sagt IBU-Kommunikationsdirektor Peer Lange der dapd. Das Hauptquartier des Verbandes befindet sich in Salzburg, Österreich gehört zur EU.

Russen werden nicht helfen

Zusätzlicher Ärger droht den Weißrussen vom Waffenhersteller Anschütz, der in Ulm firmiert. "Ich habe vor der WM eine Anfrage nach Ulm geschickt. Wir haben auch defekte Waffen zu reparieren, aber ich befürchte nichts Gutes", sagt Siebert.

Der Zeitplan der Biathlon-WM in Deutschland

Ein Ausweg könnte der Rückgriff auf russische Munition sein, aber Chefcoach Pichler winkt sofort ab.

"Wir haben in zwei Jahren in Sotschi Olympische Spiele. Da wollen die Russen Gold holen. Da hört schnell die Freundschaft auf." Zudem haben selbst die Russen kein Vertrauen in die eigene Munition. Pichler räumt ein: "Wir schießen die gleichen Patronen wie die Weißrussen."

Die Lösung ist Auswandern

Abwarten auf ein Ende des über sein Arbeitgeberland verhängten Bannes kann sich der mit einem Honorarvertrag bis Sotschi 2014 versehene Klaus Siebert nicht leisten.

"Ich bin Freiberufler ohne doppelten Boden, würde nicht einmal eine Abfindung kassieren", erzählt er. Dagegen gibt es für Domratschewa bessere Chancen. Sie wurde in Minsk in der damaligen Sowjetunion geboren und lebt hauptsächlich in Sibirien.

Ein Nationenwechsel Richtung Russland oder gar in ein EU-Land wie Estland könnte die letzte Rettung sein.

Der Biathlon-Kalender 2012

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