Neuner holt Silber in der Verfolgung

SID
Sonntag, 04.03.2012 | 16:42 Uhr
Darja Domratschewa überzeugte mit einer starken Laufleistung im Verfolgungsrennen
© Getty
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5. Lauf: Hell

Erst Gold, dann Silber: Magdalena Neuner winkte mit einem Lächeln ins schwarz-rot-goldene Fahnenmeer in ihrem "Wohnzimmer" von Ruhpolding. Am Tag nach dem Sieg im Sprint verschenkte die elfmalige Weltmeisterin mit zwei Fehlern im letzten Schießen des Jagdrennens einen weiteren Triumph bei ihrer Heim-WM.

Der Ärger bei der 25-Jährigen war relativ schnell verflogen - schließlich hat sie nach Bronze in der Mixedstaffel ihren Medaillensatz bei ihren Abschieds-Titelkämpfen schon perfekt.

Alpenkräuter am Abend

"Ich brauche die Lena nicht zu trösten. Wir trinken wie nach der Goldmedaille ein paar Gläschen Schnaps und dann fallen wir lachend ins Bett", sagte Neuners Zimmerkollegin Miriam Gössner. Fans hatten dem Duo ein paar Flaschen mit "Alpenkräutern" geschenkt, und wohl auch die Aussicht darauf ließ Neuner schnell wieder grinsen.

"Jetzt trinken wir erstmal einen Schnaps auf die Medaille Nummer drei. Jetzt habe ich einen sauberen ersten Medaillensatz zusammen. Und am Mittwoch fange ich den zweiten an", sagte Neuner, die bei der WM sechs Plaketten bei sechs Starts gewinnen will: "Es steht 1:1 gegen Darja. Aber es kommen ja noch ein paar Rennen."

Im Sprint hatte sie 15,2 Sekunden Vorsprung vor ihrer weißrussischen Dauerrivalin Darja Domratschewa gehabt ("Das war das perfekte Rennen mit Gänsehautgefühl") und tags darauf sah alles nach einem erneuten Triumph aus. Doch dann zitterten selbst der sonst so coolen Frau vor 28.000 Fans einmal die Knie.

"Habe Nerven gezeigt"

"Heute habe ich Nerven gezeigt. Ich wollte mit Freude ins Rennen reingehen, aber das ist mir nicht bis zum Ende gelungen", sagte Neuner. Der erste Schuss war so weit weg von der Trefferfläche, dass das deutsche Team einen Fehler an der Scheibe vermutete und kurzfristig einen Protest erwog. Doch alles war in Ordnung und am Ende feierten trotzdem fast nur Deutsche.

Der deutsche Domratschewa-Coach Klaus Siebert meinte: "Darja ist an der gleichen Stelle wie ich Weltmeister geworden. Das ist ein Traum." Und der deutsche Trainer der Russen, Wolfgang Pichler, lief nach der ersten Medaille für seine Frauen - Olga Wiluchina gewann Bronze - jubelnd in den Zielraum: "Jetzt muss ich doch nicht nach Magadan oder Sibirien."

Verteidigungsminister de Maiziere zieht den Hut

Dorthin muss Neuner in zwei Wochen zum Weltcup-Finale, wo sie ihre Karriere beenden wird. Die überragende Biathletin der letzten fünf Weltmeisterschaften sammelte in Ruhpolding erstmal noch Lob von höchster Stelle ein. "Sensationell, was Magdalena Neuner leistet. Es ist ihre letzte WM, der Druck ist unglaublich groß. Da kann man nur den Hut ziehen", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maiziere der Nachrichtenagentur dapd.

"Wie Magdalena mit ihrer Favoritenrolle umgeht, ist einmalig. Zwei großartige Medaillen, die nicht hoch genug einzuschätzen sind", ergänzte Thomas Bach, der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Er hatte extra jenen goldenen IOC-Anorak von 2006 aus dem Schrank geholt, der damals in Turin den deutschen Biathleten Glück brachte.

"Es gibt Phasen, da funktioniert gar nichts

Nach Neuners Gold steigerten sich auch die Teamkolleginnen nach einem enttäuschenden Sprint-Resultat. Andrea Henkel stürmte von 34 auf 11, Tina Bachmann von 22 auf 14. Die deutschen Männer gingen im Schatten von "Gold-Lena" im Schneematsch baden. Ein neunter Rang des jungen Lokalmatadors Simon Schempp war der einzige Top-Ten-Platz in den ersten beiden Einzelrennen der Heim-WM, in denen sich der Franzose Martin Fourcade binnen 24 Stunden zum umjubelten Doppel-Champion krönte.

"Es gibt Phasen, da funktioniert gar nichts. Oder es gibt Phasen, da funktioniert fast alles - wie bei der Lena", kommentierte Arnd Peiffer. Er war im Sprint als Titelverteidiger angetreten und restlos enttäuscht als 37. ins Ziel gekommen.

Tags darauf verbesserte sich der zuvor schon in der Mixedstaffel enttäuschende Topmann im Jagdrennen immerhin um 20 Ränge und meinte: "Das ist ein Rennen, dass mir wieder etwas Selbstbewusstsein gibt." Davon hat Magdalena Neuner mehr als genug.

Der Zeitplan der WM in Ruhpolding

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