Donnerstag, 05.01.2012

Vierschanzentournee in Bischofshofen

Trainerstreik sorgt für Quali-Abbruch

Ein Trainerstreik hat für den Abbruch der Qualifikation für das Finalspringen der 60. Vierschanzentournee in Bischofshofen gesorgt. Die Trainer hatten Sicherheitsbedenken.

Björn Einar Romören musste bei seinem Sprung notlanden
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Björn Einar Romören musste bei seinem Sprung notlanden

Nachdem zwei Springer im dichten Flockenwirbel fast vor dem Absprung gestürzt und der ehemalige Skisprung-Weltrekordler Björn Einar Romören notgelandet war, verließen die Chefs geschlossen den Trainerturm.

Die Jury sah sich gezwungen, die wegen Orkantief Andrea extra um eineinhalb Stunden vorverlegte Ausscheidung auf Freitag, 15 Uhr, vor dem Springen zu verlegen. Allerdings ist der Wetterbericht für den Wettkampftag eher noch schlechter.

"Es war viel zu gefährlich"

"Die Trainer haben ein Zeichen gesetzt. Es war einfach viel zu gefährlich", kommentierte Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner. Er hatte seine beiden Duellanten um den Tournee-Gesamtsieg - Gregor Schlierenzauer führt mit 17 Punkten Vorsprung vor Andreas Kofler - schon vor den dramatischen Szenen ins Hotel geschickt.

Durch den immer stärker werdenden Schneefall wurde die Anfahrtsspur immer langsamer. "Uns ist es einfach nicht gelungen, die Spur konstant zu halten. Der nasse Schnee hat gebunden und die Springer waren in Gefahr, die Balance zu verlieren. Deshalb haben wir abgebrochen", sagte Skisprung-Chef Walter Hofer.

Stöckl wiegelt Trainer auf

Das passierte aber erst, nachdem der norwegische Trainer Alexander Stöckl mit wild rudernden Armen seine Kollegen zu einer gemeinsamen Aktion aufgewiegelt hatte. Skiflug-Weltrekordler Johan Remen Evensen war zuvor genauso chancenlos abgestürzt wie Romören, den Stöckl zu einem Startverzicht aufgefordert hatte. Der Japaner Yuta Watase konnte genauso wie Maciej Kot aus Polen nur mit allergrößter Mühe einen Sturz vor dem Absprung verhindern.

"Die österreichischen Organisatoren sollten in Spurkühlung investieren, wie sie im Weltcup Standard ist", schimpfte der aus Österreich stammende Bundestrainer Werner Schuster: "Man ist sehr unglücklich, wenn man seine Sportler bei solchen Bedingungen über die Schanze gehen lassen muss. Da kommt man schnell ans Limit. Es war völlig fair, dass abgebrochen wurde. Da ging es um die Sicherheit der Springer."

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Der deutsche Helmut Recknagel (l.) holte in den 50er Jahren ein Mal Gold bei den Olympischen Spielen, zwei Mal Gold bei der WM und gewann drei Mal die Vierschanzentournee
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Anton Innauer: 2 Weltcupsiege. Er war der erste Skispringer der Geschichte, der für einen perfekten Sprung 1976 in Oberstdorf von den Sprungrichtern fünfmal die Note 20 erhielt
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Der Norweger Björn Wirkola (r.) räumte in den 60er Jahren kräftig ab und sicherte sich drei Gesamtsiege bei der Vierschanzentournee
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Der Schwede Jan Boklöv (r.) ist Erfinder des V-Stils: 5 Weltcupsiege
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Der Matti Nykänen aus Finnland gewann vier Mal die Vierschanzentournee (zwischen 1982 und 1988) und holte 46 Weltcupsiege
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Toni Nieminen war der Erste, der einen Sprung über 200 Meter erfolgreich landen konnte. Außerdem: Vierschanzentournee-Sieger 1991/1992
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Der Österreicher Andreas Goldberger fuhr 20 Weltcupsiege ein und gewann zwei Mal die Vierschanzentournee (92/93, 94/95)
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Der jüngste Skiflugweltmeister aller Zeiten: Gregor Schlierenzauer. Außerdem gewann er noch ein Mal den Gesamtweltcup
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Weitere Schneefälle angekündigt

Für die Nacht nach dem Abbruch war heftiger Schneefall und Wind mit Böen bis zu 80 Stundenkilometer angekündigt. Am Wettkampftag soll der Wind in Spitzen noch 60 Stundenkilometer erreichen, mit Schneeschauern. Schon jetzt wird über die Verlegung des Tournee-Finales auf Samstag nachgedacht.

Hofer: "Auch das werden wir diskutieren." Egal wann - die deutschen Skispringer wollen den Skisprung-Grand-Slam mit dem ersten Podestplatz seit drei Jahren versöhnlich beenden.

Zweikampf um Gesamtsieg

Um den Gesamtsieg geht es nur noch im Duell zwischen Schlierenzauer und Kofler. "Die 17 Punkte sind zwar viel, aber ich denke, ich kann Gregor noch abfangen", sagte Kofler nach seinem emotionalen Heimsieg in Innsbruck. Umgerechnet neuneinhalb Meter muss der Tournee-Sieger von 2010 aufholen, um Schlierenzauer seinen ersten Gesamtsieg noch zu nehmen.

"Das Ding ist für Schlierenzauer noch nicht in trockenen Tüchern", betonte Sven Hannawald im Gespräch mit dapd: "Die Punkte sind auf dieser Fliegerschanze in Bischofshofen noch aufzuholen. Ich bin sehr gespannt, wer die Tournee gewinnt. Vor allem bei diesen Wetterkapriolen."

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