Ein Jahr nach Unfall in Wengen

Stephan Keppler will mehr als nur mitfahren

SID
Donnerstag, 12.01.2012 | 12:19 Uhr
Stephan Keppler geht mit Ehrgeiz auf die Piste. Er will vorne mitfahren
© Getty
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Abfahrer sind schon sehr spezielle Menschen. Stephan Keppler zum Beispiel, Deutschlands bester Skifahrer in den schnellen Disziplinen: Vor einem Jahr stürzte er in Wengen schwer. Mit 70 Kilometern pro Stunde aus einer Linkskurve und prallte auf eine mit Luft gefüllte Sicherheitsmatte.

Die Wucht war so stark, dass Keppler auf die Piste zurückgeschleudert wurde und weiter nach unten rutschte. Die Bilanz: Innenbandriss im rechten Knie , Syndesmosebandriss im linken Sprunggelenk, dazu Schnittwunden und Prellungen im Gesicht und am ganzen Körper.

Seit Mittwoch ist der Sportler vom WSV Ebingen zurück auf der legendären Lauberhorn-Abfahrt. Und was sagt Keppler? "Wenn ich über jeden Sturz groß nachdenken würde", bekennt der 28-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd, "dann könnte ich nicht mehr fahren. Mich hat es ja schon auf jeder Weltcup-Strecke geschmissen."

Keppler fehlte zu Beginn der Saison die Lockerheit

Der Sturz in Wengen am sogenannten "Kernen-S" hat ihn im vergangenen Jahr um die Teilnahme an der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen gebracht. Dabei war er so gut wie noch im Weltcup gefahren. Im italienischen Gröden stand er im Super G sogar erstmals auf dem Podest - als Zweiter. Er war der erste Deutsche, dem das nach 20 Jahren mal wieder gelungen war. "Wenn man diese Erfahrung gemacht hat, will man natürlich auch ganz nach oben", sagt Keppler.

Das gute Gefühl, das Selbstvertrauen ist wieder zurück. Zuletzt fuhr der Mann von der Schwäbischen Alb - abermals in Gröden - auf den sechsten Rang. "Wenn ich keinen großen Fehler mache, weiß ich, dass ich vorne dabei bin", sagt Keppler. Seine Aussage drückt das neue Selbstverständnis der deutschen Skifahrer aus. Sie wollen nicht länger mitfahren, sie wollen Rennen auch gewinnen. Deshalb hat ihm zu Beginn der Saison in Nordamerika auch die nötige Lockerheit gefehlt. "Ich war zu verkrampft", sagt Keppler, "weil ich wieder so schnell sein wollte wie vor der Verletzung."

Keppler hat in dieser Phase die Erfahrung vieler Athleten gemacht, die nach längeren Pausen zurückfinden müssen in den Weltcup: man braucht viel Geduld. Dabei ist er im Vergleich zu früheren Zeiten schon sehr viel ruhiger und geduldiger geworden. Das hat auch viel mit dem Bundestrainer Charly Waibel zu tun. Vor drei Jahren übernahm der Sportwissenschaftler die Männermannschaft des Deutschen Skiverbandes (DSV). "Er hat sehr großen Anteil am Aufschwung", sagt Keppler.

Waibel hat viel verändert, vor allem ist er schnell von dem bis dahin geltenden Lehransatz abgerückt, nach dem man einem Idealbild nacheifern soll. "Wir sollten uns immer an den besten orientieren", erinnert sich Keppler, "wir sollten so fahren wie Benjamin Raich." Keppler konnte damit nichts anfangen. Er ist kein Edeltechniker wie der österreichische Doppel-Olympiasieger, Keppler ist ein Arbeiter. Waibel sagte ihm und den anderen: Fahrt einfach so schnell wie möglich, und wir Trainer helfen euch dabei das umzusetzen.

Sportlerzentrierung als Zauberformel

Die moderne Trainingswissenschaft spricht hier von Sportlerzentrierung. Dass der Athlet im Vordergrund steht, gefiel auch Keppler. In Wengen peilt er am Samstag einen Platz unter den besten 15 an, die Strecke mit den langen Gleitpassagen liegt ihm nicht so.

Das Patellaspitzensyndrom im Knie macht ihm sei Gröden zudem ein wenig Sorgen. "Es ist nicht besser, sondern schlimmer geworden", sagt Keppler. Es die Folge von Überlastung.

Nur eine Pause würde helfen. "Aber das ist während der Saison und vor so wichtigen Rennen wie in Wengen, Kitzbühel und Garmisch-Partenkirchen nicht drin", sagt Keppler. Dennoch stand er zwei Wochen nicht auf den Skiern, sondern ist "nur zwischen Arzt und Physiotherapeut hin und her gependelt." Stephan Keppler will endlich ein Rennen gewinnen. Auf Verletzungen und Stürze kann er da keine Rücksicht nehmen.

Die alpine Ski-Saison im Überblick

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