Freitag, 06.01.2012

60. Vierschanzentournee

Schlierenzauer springt in den siebten Himmel

Dauerschneefall, ein schlimmer Sturz. Unterbrechungen und schließlich der Abbruch: Gregor Schlierenzauer hat im Chaos von Bischofshofen die Nerven behalten und sich einen Tag vor seinem 22. Geburtstag mit dem ersten Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee beschenkt. Die deutschen Skispringer beendeten einen für sie enttäuschenden Skisprung-Grand-Slam mit Gesamtplatz sieben für Severin Freund und Rang zehn für Richard Freitag in der Tageswertung.

Gregor Schlierenzauer gewinnt die 60. Vierschanzentournee
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Gregor Schlierenzauer gewinnt die 60. Vierschanzentournee

"Einer meiner größten Träume geht in Erfüllung. Das hat ganz schon Nerven gekostet, aber jetzt habe ich es endlich geschafft", sagte Schlierenzauer: "Jetzt feiern wir groß in den Geburtstag rein." Er erfuhr im Springerlager nach nervender Wartezeit vom Abbruch des Finalspringens nach dem ersten Durchgang und fiel seinen Teamkollegen in die Arme. Dann lief er den Hang mit Faust in der Luft herunter und machte die Welle mit den feiernden Austria-Anhängern.

Mit Tränen in den Augen nahm er später den Schlüssel für eine Nobelkarosse und 20.000 Schweizer Franken Siegprämie für den Triumph bei der Jubiläumstour in Empfang. Den Jackpot von einer Million Schweizer Franken für den Sieg in allen vier Tourneespringen hatte er nach den Auftaktsiegen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkicrhen schon mit Platz zwei in Innsbruck hinter Andreas Kofler verschenkt.

Dritter Platz reicht zum Gesamtsieg

In Bischofshofen reichte ihm ein dritter Platz, um mit 933,9 Punkten die Gesamtwertung souverän vor Tagessieger Thomas Morgenstern und Andreas Kofler zu gewinnen. Damit gewann mit Österreich erstmals in der Geschichte eine Nation zum vierten Mal in Folge den Skisprung-Grand-Slam.

Freund fiel nach einem enttäuschenden 30. Platz im Finalspringen auf Rang sieben der Gesamtwertung zurück. "Ich muss aus meinen Fehlern bei dieser Tournee lernen. In Deutschland war ich voll auf Kurs, dann ist mir die Puste ausgegangen", sagte Freund.

"Wir wollten natürlich um den Sieg mitspringen, aber unsere zwei Spitzenleute sind im Moment nicht konstant genug", räumte Bundestrainer Werner Schuster ein. Sein Chef, Sportdirektor Thomas Pfüller, sieht das Ergebnis dagegen gelassen: "Wir vertrauen Werner Schuster. Er ist ein hervorragender Mann und wird uns bis zu Olympia 2014 wieder zur Nummer eins führen."

Die besten Skispringer aller Zeiten
Der deutsche Helmut Recknagel (l.) holte in den 50er Jahren ein Mal Gold bei den Olympischen Spielen, zwei Mal Gold bei der WM und gewann drei Mal die Vierschanzentournee
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Der deutsche Helmut Recknagel (l.) holte in den 50er Jahren ein Mal Gold bei den Olympischen Spielen, zwei Mal Gold bei der WM und gewann drei Mal die Vierschanzentournee
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Anton Innauer: 2 Weltcupsiege. Er war der erste Skispringer der Geschichte, der für einen perfekten Sprung 1976 in Oberstdorf von den Sprungrichtern fünfmal die Note 20 erhielt
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Der Norweger Björn Wirkola (r.) räumte in den 60er Jahren kräftig ab und sicherte sich drei Gesamtsiege bei der Vierschanzentournee
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Der Schwede Jan Boklöv (r.) ist Erfinder des V-Stils: 5 Weltcupsiege
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Der Matti Nykänen aus Finnland gewann vier Mal die Vierschanzentournee (zwischen 1982 und 1988) und holte 46 Weltcupsiege
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Toni Nieminen war der Erste, der einen Sprung über 200 Meter erfolgreich landen konnte. Außerdem: Vierschanzentournee-Sieger 1991/1992
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Der Österreicher Andreas Goldberger fuhr 20 Weltcupsiege ein und gewann zwei Mal die Vierschanzentournee (92/93, 94/95)
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Kazuyoshi Funaki aus Japan war für seine extreme Vorlage bekannt. 15 Weltcupsiege, Vierschanzentournee-Sieger 1997/1998
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Der Finne Janne Ahonen mit beeindruckender Bilanz: 36 Weltcupsiege und fünf Mal die Vierschanzentournee gewonnen (zwischen 98/99 und 2007/2008)
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Der Finne Janne Ahonen mit beeindruckender Bilanz: 36 Weltcupsiege und fünf Mal die Vierschanzentournee gewonnen (zwischen 98/99 und 2007/2008)
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33 Weltcupsiege und vier Mal die Vierschanzentournee gewonnen: Der Deutsche Jens Weißflog weiß, wie man sich entspannt
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Adam Malysz aus Polen holte 39 Weltcupsiege und gewann ein Mal die Vierschanzentournee (2000/2001). Er war der große Konkurrent von...
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... Martin Schmitt. Er konnte 28 Weltcupsiege holen und ist noch aktiv im Skisprung
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Der vierte Deutsche, Sven Hannawald: 18 Weltcupsiege, Vierschanzentournee-Sieger 2001/2002 (Als bislang einziger Springer alle Einzelspringen gewonnen)
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Der vierte Deutsche, Sven Hannawald: 18 Weltcupsiege, Vierschanzentournee-Sieger 2001/2002 (Als bislang einziger Springer alle Einzelspringen gewonnen)
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Der Schweizer Simon Ammann hat vier Mal Olympisches Gold geholt und gewann den Gesamtweltcup 2009/2010
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Der Schweizer Simon Ammann hat vier Mal Olympisches Gold geholt und gewann den Gesamtweltcup 2009/2010
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Thomas Morgenstern aus Österreich hat zwei Mal Gold bei den Olympischen Spielen und zwei Mal den Gesamtweltcup gewonnen
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Der jüngste Skiflugweltmeister aller Zeiten: Gregor Schlierenzauer. Außerdem gewann er noch ein Mal den Gesamtweltcup
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Keine Chance gegen Österreich

Die hat momentan noch klar Österreich, die durch Morgenstern auch das vierte Tourneespringen mit 138,7 Punkten vor dem Norweger Anders Bardal (136,5) und Schlierenzauer (128,5) gewann. Die Entscheidung um den Gesamtsieg fiel, als Herausforderer Kofler nach einem völlig verpatzten Sprung bei 122 Metern notgelandet war.

Dann wurde zwar der zweite Durchgang gestartet, dann aber nach zwei Unterbrechungen wegen Schneefalls beendet. "Das war die einzig richtig Entscheidung", sagte Chefcoach Schuster.

Schwerer Sturz von Lukas Hlava

Dass es überhaupt zu einem Springen kam, war vor allem Skisprung-Chef Walter Hofer zu verdanken. Nach zwei Qualifikations-Abbrüchen ritzte er eigenhändig mit einer Kettensäge Rillen in die Anlaufspur. Nachdem schon in der Qualifikation mehrere Springer fast vor dem Absprung zu Fall gekommen waren, stürzte der Tscheche Lukas Hlava im Springen durch einen eigenen Fehler schwer.

Nach der sicheren Landung überkreuzte er die Ski, krachte mit dem Gesicht heftig in den Schnee und musste auf dem Schlitten Richtung Hospital abtransportiert werden. In Garmisch-Partenkirchen hatte sich der Norweger Tom Hilde bei einem Crash einen Rückenwirbel gebrochen.

Orkantief Andrea sorgt für Dramatik

Es war der Tiefpunkt zweier dramatischer Tage mit Orkantief Andrea in Bischofshofen. Am Donnerstag war im Flockenwirbel der erste Versuch einer extra nach vorn verlegten Qualifikation nach einem Trainerstreik abgebrochen worden.

Am Wettkampftag setzten sich im Dauerschneefall die Probleme mit der Anlaufspur fort, weil Österreichs Organisatoren im Gegensatz zu denen in Deutschland nicht in eine Spurkühlung investiert hatten.

In der Qualifikation wäre der Slowene Juri Tepes, Sohn des für den Start der Springer zuständigen Miran Tepes, mit wild rudernden Armen fast schon auf der Schanze gestürzt.

Danach wurde die Ausscheidung abgebrochen, alle 62 Springer durften im ersten Durchgang ran. Der ging problemlos über die Bühne, aber das Finale musste abgebrochen werden und Schlierenzauer konnte feiern.

Die Termine der Saison im Überblick

 


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