Mittwoch, 11.01.2012

Felix Neureuther im Interview

"...da kannst du kein gestörter Vogel sein"

Slalom-Ass Felix Neureuther ist trotz einiger Verletzungsprobleme in dieser Saison bereits zweimal auf das Podest gefahren. Vor den drei Rennen in Wengen, Kitzbühel und Schladming spricht der 27-Jährige über das besondere Verhältnis der Slalomfahrer untereinander, Respekt und einen Ski-Wunderknaben.

Für Slalom-Ass Felix Neureuther steht Respekt an erster Stelle
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Für Slalom-Ass Felix Neureuther steht Respekt an erster Stelle

Im Januar stehen im Ski-Alpin-Zirkus neben den Abfahrts-Klassikern in Kitzbühel und Wengen traditionell die Männer-Slaloms im Fokus. Gleich fünf Slaloms stehen auf dem Programm: Jene in Zagreb und Adelboden haben Felix Neureuther und Co. bereits hinter sich, Wengen, Kitzbühel und der Nacht-Slalom in Schladming stehen zwischen dem 15. und 24. Januar noch an.

Neureuther fuhr in Zagreb mit einem furiosen zweiten Lauf auf Rang zwei. In Adelboden fädelte er nach toller Fahrt im ersten Durchgang ein. Die Form stimmt also beim 27-Jährigen - und das, obwohl er lange verletzt war und noch im November mehr in Arztpraxen und Physiotherapie-Studios war, als zum Trainieren auf der Piste.

Vor Wengen spricht Neureuther im SPOX-Interview über das besondere Verhältnis der Slalomfahrer untereinander, Respekt und einen Ski-Wunderknaben.

SPOX: Herr Neureuther, was macht die Slalom-Familie so besonders? Man hat das Gefühl, dass die Slalomfahrer einen viel engeren Zusammenhalt haben als die anderen Läufer.

Felix Neureuther: Das ist wirklich so. Ich stehe beispielsweise mit Julien Lizeroux auch im Sommer oft in Kontakt - da entstehen wirklich große Freundschaften. Natürlich gibt es Konkurrenzdenken, aber wenn man über die Ziellinie fährt, hat man einfach nur Respekt vor der Leistung der Anderen.

SPOX: Respekt spielt bei Ihnen eine zentrale Rolle.

Neureuther: Ich denke, dass es etwas extrem wichtig ist, dass man die anderen respektiert. Respekt steht für mich an oberster Stelle einfach, und das nicht nur im Sport. Man sollte immer Respekt vor den Leistungen der Anderen haben: Das ist bei uns Slalomfahrern durch die Bank so. Gleichzeitig sind wir aber auch ziemlich lockere Typen sind, die zusammen sehr viel Spaß haben und machen. Das schweißt natürlich zusammen.

SPOX: Apropos Respekt: Der 20-jährige Franzose Alexis Pinterault hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich.

Neureuther: Unglaublich, Hut ab vor dem Burschen. Er ist die Zukunft des Skisports, das kann man echt so sagen. Es ist gewaltig und bewundernswert, was er jetzt schon auf den Skiern leistet. Ich hoffe für ihn, dass er gesund bleibt, die Unbekümmertheit, die er jetzt noch hat, nicht verliert und genau so weitermacht, wie bisher.

SPOX: Was macht ihn so speziell?

Neureuther: Er hat etwas Besonderes. Er ist in so jungen Jahren schon technisch äußerst ausgereift. Ich bin mir sicher, dass er einer ist, der den Skisport absolut prägen kann.

SPOX: Wieso sind die anderen Alpinen nicht so eng miteinader verbunden, wie die Slalomfahrer?

Neureuther: Die Speedfahrer sind einfach mehr in sich gekehrt. Das ist ja auch klar: Sie riskieren ihr Leben da runter, da kannst du kein gestörter Vogel sein, der vielleicht auch mal viel zu viel riskiert. Da musst du eher der nachdenkliche Typ sein, das merkt man schon.

SPOX: Der alpine Skisport lebt sehr von aufsehenerregenden Typen...

Neureuther: ...absolut!

SPOX: ...wie Bode Miller oder Didier Cuche. Sehen Sie sich auch als so einen?

Neureuther: Ich bin einfach so, wie ich bin. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass Typen entstehen, die nur ehrlich zu sich selbst sind. Das ist ein Miller, das war ein Tomba. Das sind zwar spezielle Persönlichkeiten, aber trotzdem steht auch bei ihnen immer der Erfolg an erster Stelle. Ohne Erfolg würde es keine Typen geben. Von dem her denke ich, dass sich so ein Typ auch erst entwickelt.

SPOX: Neben Ihnen könnte auch Christof Innerhofer diese Qualitäten mitbringen.

Neureuther: Wer weiß, wenn der Christof und ich mehr Rennen gewinnen, dann mutieren wir vielleicht auch zu solchen Typen. Du wirst selbstbewusster und dadurch entwickelst du natürlich auch so einen Stil.

SPOX: Sie sind sich der Verantwortung dem Sport gegenüber also bewusst?

Neureuther: Ja, man ist sich dessen schon bewusst. Man weiß schon, dass die Zukunft der Sportart irgendwo von einem abhängig ist - speziell im eigenen Land. Aber das muss man ausblenden und für sich selbst fahren: Das ist das Wichtigste. Es ist egal, was Sponsoren, das Fernsehen oder der Skiverband sagen. Du musst es lieben. Im Ziel unten stehen auch nicht die Sponsoren oder der Verband und kriegen die Kritik ab, wenn man schlecht gefahren ist, sondern der Athlet selbst.

Der Ski-alpin-Rennkalender 2011/12

Interview: Christian Bernhard

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