Neuner hoch im Kurs - für Greis wird es ganz eng

Von Liane Killmann
Magdalena Neuner, Tina Bachmann, Miriam Gössner und Andrea Henkel holten 2011 WM-Staffelgold
© Getty
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Andreas Birnbacher

Birnbacher läuft seine stärkste Saison. Nach nur einem Sieg in den sieben Jahren zuvor, triumphierte er in diesem Winter schon drei Mal. Seine klar beste Disziplin: der Massenstart.

Birnbacher trifft in dieser Saison mit durchschnittlich 83 Prozent seiner Schüsse ins Schwarze. Zwar war diese Quote bei ihm sogar schon einmal höher, doch in der Loipe ist der 30-Jährige stark wie nie. Liefert seit neuestem Top-Laufzeiten ab.

Prognose: In Ruhpolding ist für Birnbacher (gegen jede Wette vor der Saison) alles möglich.

Arnd Peiffer

Es läuft noch nicht rund für den 24-Jährigen in diesem Jahr, darüber kann auch der Sprintsieg in Oberhof nach der Weihnachtspause nicht hinwegtäuschen. Bis zu Rang 46 (Sprint Mitte Dezember in Hochfilzen) war schon alles drin in diesem Winter. Unerwartet ist Peiffer (10.) hinter Birnbacher (3.) im DSV-Team derzeit nur die Nummer zwei.

Doch zuletzt lief es sowohl beim Schießen als auch auf der Strecke deutlich besser für Peiffer. In der Verfolgung von Nove Mesto lieferte er als Zweiter in der Verfolgung Laufbestzeit ab, den Fourcade-Brüdern Martin und Simon sowie den Norwegern Tarjei Boe und Emil Hegle Svendsen zum Trotz.

Unerklärlich jedoch zuletzt der Einbruch in der Höhe von Antholz. Nach dem zehnten Treffer lag Peiffer im Sprint mit Siegchancen auf Rang zwei, lief dann aber "blau" und fiel noch auf den sechsten Platz zurück.

Prognose: Vor allem im Sprint ist der Weltmeister in dieser Disziplin ein heißer Tipp. Schließlich hat Peiffer seine fünf Weltcup-Siege ausschließlich in seiner Paradedisziplin eingefahren.

Florian Graf

Der 23-Jährige spaziert durch seine erste komplette Weltcupsaison, als sei es nichts. Ganz stark! Mit seinen ersten Top-Ten-Platzierungen in Hochfilzen holte er die Kohlen für die DSV-Herren aus dem Feuer. Im Sprint von Oberhof und dem Einzel von Nove Mesto bestätigte Graf mit jeweils Rang sieben die guten Leistungen vom Saisoneinstand.

Der Youngster muss die anstehenden Wettbewerbe nutzen, um seine Laufform zu verbessern. Am Schießstand ist er eh eine Bank.

Prognose: Im WM-Team gesetzt, ganz klar ein Kandidat für die Staffel. Kann in schießlastigen Wettbewerben überraschen, ein Siegläufer ist Graf aber noch nicht.

Michael Greis

Für Michael Greis ist die WM in weite Ferne gerückt. Der Dreifach-Olympiasieger verpasst wegen eines grippalen Infekts den Weltcup in Oslo (2. bis 5. Februar). Stattdessen steht Aufbautraining in Ruhpolding auf dem Programm. Zuvor hatte Greis eine Woche mit dem Training aussetzen müssen. Es ist nicht der erste Rückschlag für den 35-Jährigen in dieser Saison.

Bereits vor seiner Erkrankung hinterließ der Routinier das größte Fragezeichen im deutschen Lager. Nach einer Sprunggelenks-OP (Syndesmose-Ruptur mit knöchernem Ausriss) am 18. August trug Greis Gips, musste sechs Wochen mit dem Training aussetzen. Zu lang! Denn zum Auftakt in Östersund sprang gerade einmal Rang 32 im Einzel heraus. Die Ergebnisse besserten sich leicht, doch nur einmal knackte Greis die Top Ten. Soll heißen: Bisher steht lediglich die halbe WM-Norm auf der Habenseite.

In Hochfilzen vor Weihnachten dann der Tiefpunkt: Platz 53 im Sprint. Greis zog nach dem Showrennen auf Schalke die Reißleine, ließ Oberhof und Nove Mesto sausen. Wer nun gehofft hatte, Greis käme in Antholz runderneuert in den Weltcup zurück, sah sich getäuscht. Rang 32 im Sprint, es lief also keinen Deut besser als zum Saisonauftakt.

Und nun auch noch das überraschende Aus für Oslo. Damit bleibt Greis noch genau ein Weltcup (10. bis 12. Februar im finnischen Kontiolahti) und drei Rennen (Sprint, Verfolgung und Mixed-Staffel), um sich durch einen zweiten Top Ten Platz die WM-Norm zu sichern.

Trainer Fritz Fischer deutete am Rande der Rennen Antholz eine "Lex Greis" an. "Der Greis Michi ist ein Bestandteil der Mannschaft, ein Leistungsträger. Wenn er topfit ist, geht es um keine Qualifikation, dann ist er für die Mannschaft sehr, sehr wichtig. Alles andere interessiert mich nicht."

Greis ist ehrgeizig. Einen WM-Platz ohne Norm würde er vermutlich sogar ablehnen, um niemandem eine Startmöglichkeit wegzunehmen. Vor allem dann, wenn sich der 35-Jährige vor seinem Heimpublikum keine reellen Chancen ausrechnet. Und dazu muss er zuallererst fit werden. 86 Prozent am Schießstand sind mehr als okay, aber in der Loipe fehlt noch eine ganze Menge, um konkurrenzfähig zu sein.

Eine Prognose ist derzeit unmöglich: Platzt der Knoten in Kontiolahti (10. bis 12. Februar) nicht, könnte die Heim-WM sogar ohne Greis stattfinden.

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Der Biathlon-Kalender 2012

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