Wintersport

Martin Schmitt tritt mit neuer Skimarke an

SID
Freitag, 30.12.2011 | 13:01 Uhr
Martin Schmitt versucht es bei der Vierschanzentournee mit neuem Material
© Getty

Wenn sich Martin Schmitt bei der Vierschanzentournee vom Balken löst, liegt ihm der Himmel zu Füßen. Auf seine alten Tage hat Tournee-Dino Schmitt die Skimarke gewechselt.

Fluege.de steht auf seinen Latten - zu seinem Verdruss ist der Name allerdings längst nicht Programm.

"Ich habe immer davon geträumt, Martin ein paar Ski in die Hand zu drücken und zu sagen: Damit springst du fünf Meter weiter", sagt Dieter Thoma. Da Schmitt in diesem Winter meist mindestens fünf Meter hinter der Konkurrenz landet, fügt er schnell an: "Leider klappt das noch nicht ganz."

Thoma Mit-Iniatiator des Markenwechsels

Thoma, 1990 selbst Sieger der Tournee, war einer der Initiatoren des Markenwechsels. Hinter dem neuen Ausrüster steckt eine Leipziger Firma, die in Floh-Seligenthal am Rande des Thüringer Waldes - dort wo zu DDR-Zeiten die Germina-Ski hergestellt wurden - ihre Produktionsstätte hat.

Unter demselben Namen bietet sie zudem im Internet Flugreisen an und sicherte sich somit eine einzigartige Werbefläche.

FIS-Vorschriften erzwangen Umbennung

"Wir sind ein traditioneller Hersteller", betont Georg Reichart, Geschäftsführer der Ski-Produktion. Dass seine alte Firma sich umbennen musste, ist vor allem den Vorschriften des Weltverbandes FIS geschuldet. Die besagen, dass nur der Name des Herstellers auf die Ski gedruckt werden darf.

Ein Umstand, der 2010 den österreichischen Marktführer Fischer auf den Plan gerufen hatte, Beschwerde bei der FIS gegen den neuen Konkurrenten einzulegen. Auf den Ski stehe zwar Fluege.de, produziert werde aber von Germina bzw. deren Nachfolger S.K.I., so die Argumentation.

Offenbar ging aber alles mit rechten Dingen zu, denn Team-Olympiasieger Stephan Hocke sprang als einer von wenigen Athleten bereits die ganze Saison auf den neuen Brettern.

Nischenprodukt sucht Medienpräsenz

Mittlerweile gegen 50 Springer mit Produkten der Thüringer an den Start, Fischer stattet aber immer noch einen Großteil des Weltcup-Feldes aus. Andere traditionelle Hersteller wie Elan, Atomic oder Rossignol findet man nur noch selten. Die Herstellung von Sprungski ist eine absolute Nische. Jedes Jahr werden vier Millionen Alpinski sowie eine Million Langlaufski produziert - und lediglich 2.000 Sprungski.

"Uns war klar, dass wir wirtschaftlich keine großen Erfolge erzielen werden. Deshalb hatten wir die Idee, durch Medienpräsenz zusätzlichen Nutzen zu erzielen", erklärt Reichart. Thoma war schließlich das Bindeglied für die neuartige Kooperation.

Und für die neue Marke ist das Engagement ein echtes Schnäppchen. Die gesamten Produktionskosten belaufen sich auf eine Million Euro pro Jahr - dagegen steht der Werbewert.

Und der dürfte hoch sein. Denn jedes Mal, wenn Martin Schmitt vor die Kameras tritt und seine Ski neben sich aufstellt, tickt die Uhr der teuren Werbesekunden. Und die Marketingstrategen werden darauf hoffen, dass Schmitt bald wirklich fünf Meter weiter fliegt und sehr oft um Interviews gebeten wird.

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