Freitag, 30.12.2011

Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf

Schlierenzauer siegt - Freund verpasst Podest

Severin Freund (Rastbüchl) ist beim Auftaktspringen der 60. Vierschanzentournee in Oberstdorf auf Platz vier geflogen und hat das Podest nur um 0,3 Punkte verpasst. Österreich feierte einen Dreifachsieg. Gregor Schlierenzauer triumphierte mit 283,3 Punkten vor Andreas Kofler (265,2) und Thomas Morgenstern (264,3).

Gregor Schlierenzauer hat das Auftaktspringen der Vierschanzentournee gewonnen
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Gregor Schlierenzauer hat das Auftaktspringen der Vierschanzentournee gewonnen

Severin Freund ist im Wetterchaos von Oberstdorf 0,3 Punkte am Podest vorbeigeflogen, hat aber als Vierter für den besten deutschen Tourneestart seit neun Jahren gesorgt.

Während Österreich mit Triumphator Gregor Schlierenzauer einen Dreifachsieg nach Schneefall Wirbelwind und Abbruch feierte, jubelten 20.500 Fans beim Auftaktspringen der 60. Vierschanzentournee über drei deutsche Flieger unter den Top Ten. Stephan Hocke wurde Achter, Geheimfavorit Richard Freitag Zehnter.

"Schade, dass es mit dem Podest so knapp war. Es war ein gelungener Tag, ich bin sehr zufrieden. Man muss halt versuchen, bei diesen Bedingungen einfach cool zu bleiben", sagte Freund. Mit 264,0 Punkten fehlten im umgerechnet knapp 20 Zentimeter zum Sprung aufs Treppchen, den am 29. Dezember 2002 in Oberstdorf als letzter Deutscher Sven Hannawald bei seinem Sieg geschafft hatte.

"Das Podest wäre das Sahnehäubchen gewesen, aber das wollen wir den Österreichern bei nächsten Springen heimzahlen. Wir haben unser Ziel noch nicht ganz erreicht, aber es war ein guter Start", sagte Chefcoach Werner Schuster.

Schlierenzauer hat Chance auf die Million

Überlegener Sieger des mit dreieinhalb Stunden Dauer wohl längsten Auftaktspringens der Geschichte wurde Schlierenzauer mit 283,3 Punkten, der damit als einziger noch die Chance auf die Sonderprämie von einer Million Schweizer Franken für den Sieg bei allen vier Tourneespringen hat.

Dahinter landeten Andreas Kofler (265,2) und Thomas Morgenstern (264,3). Überschattet wurde das Springen von einem schweren Sturz des Norwegers Tom Hilde, der auf dem Medizin-Schlitten aus dem Stadion gefahren wurde. Er hat sich einen Rückenwirbel gebrochen und muss die Saison vorzeitig beenden. Lähmungserscheinungen hat er offenbar zum Glück keine.

Der in der Gesamtwertung fast schon aussichtslos zurückliegende Richard Freitag (240,3) versuchte da schon seine Enttäuschung zu verdauen. "Ich muss versuchen, das hier schnell abzuhaken und in Garmisch zu alter Stärke zurückzufinden. Es ist zwar von Sprung zu Sprung besser geworden, aber es hat noch die Harmonie im Sprung gefehlt", sagte Freitag.

Die besten Skispringer aller Zeiten
Der deutsche Helmut Recknagel (l.) holte in den 50er Jahren ein Mal Gold bei den Olympischen Spielen, zwei Mal Gold bei der WM und gewann drei Mal die Vierschanzentournee
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Der vierte Deutsche, Sven Hannawald: 18 Weltcupsiege, Vierschanzentournee-Sieger 2001/2002 (Als bislang einziger Springer alle Einzelspringen gewonnen)
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Schmitt enttäuscht

Martin Schmitt schied am Tag nach seinem starken 13. Platz in der Qualifikation im ersten Durchgang im Duell gegen Youngster Markus Eisenbichler (Siegsdorf/30.) aus und enttäuschte auf Platz 46. "Ich kann absolut nicht zufrieden mit meinen Sprüngen sein. Ich habe es einfach nicht hingekriegt", sagte der Routinier nach dem Fehlstart bei der 16. Tournee-Teilnahme: "Da sind auch die schwierigen Bedingungen keine Entschuldigung."

Pünktlich zum Start des Springens hatte starker Schneefall eingesetzt. Der erste Versuch eines ersten Durchgangs war nach 35 Springern und über einer quälenden Stunde abgebrochen worden - zum Glück für Richard Freitag. Er wäre bei schwierigen Wetterbedingungen mit Schneefall und wechselnden Winden nämlich ausgeschieden und hätte alle Chancen in der Gesamtwertung verspielt.

Freitag, der vor der Tournee im tschechischen Harrachov noch den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere gefeiert hatte, war nur 107,5 Meter gesprungen.

Erster Durchgang abgebrochen und neu gestartet

Der ebenfalls bei 103 Metern abgestürzte Schlierenzauer klatschte nach seiner Landung höhnisch Beifall, sein Erfolgstrainer Alexander Poitner rastete auf der Tribüne aus. "Da werden Sportler vorgeführt, die Aushängeschilder dieses Sports sind", schimpfte der Österreicher.

Der Druck der Trainer kurz nach der Notlandung von Freitag half, die Jury annullierte den ersten Durchgang. "Der sportliche Wert des Durchgangs war in Frage gestellt, wir sind an die Grenzen unserer Möglichkeiten gekommen", sagte Skisprung-Chef Walter Hofer: "Es ist nicht gelungen, den Schneefall und wechselnden Wind in den Griff zu bekommen."

Nach einer halbstündigen Pause ging es neu los, auch da mit einigen Unterbrechungen wegen des weiter turbulenten Windes. Und Freund nutzte seine Chance. Neben Schmitt waren auch der Team-Olympiazweite Andreas Wank (Oberhof/44.) und David Winkler (Winterberg/47.) bereits im ersten Durchgang ausgeschieden. Maximilian Meckler (Isny) sammelte als 27. immerhin Weltcup-Punkte.

"Beim nächsten Mal sollte es fürs Podest reichen"

Zeit zum Grübeln bleibt nicht lange - nach der Abreise aus Oberstdorf noch am Abend steht am Silvestertag in Garmisch-Partenkirchen bereits die Qualifikation für das Neujahrsspringen an.

Danach folgen beim Skisprung-Grand-Slam noch die Springen in Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar). Alle vier Springen bei der Tournee hat bislang nur Sven Hannawald vor zehn Jahren gewonnen.

"Man muss jungen Springern Zeit geben, in die neue Rolle reinzuwachsen. Sie werden ja Schritt für Schritt verfolgt", sagte Schuster: "Das Potenzial ist in jedem Fall da. Beim nächsten Mal sollte es fürs Podest reichen."

Die Ergebnisse der Vierschanzentournee


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