Wintersport

Das Jahr danach

Von Daniel Börlein
Severin Freund wurde im Sommer deutscher Meister im Einzel und mit der Mannschaft
© Getty

In der letzten Saison gelang Severin Freund der erste deutsche Weltcupsieg seit fast vier Jahren. Dass er daran auch in diesem Winter anknüpfen kann, darin sind sich vor dem Weltcup-Auftakt (diesen Samstag im LIVE-TICKER) fast alle einig. Unterstützung in der Weltspitze erhält Freund von der Entdeckung des Sommers.

Irgendwie war dieser Tag die Kopie eines Tages, der bereits knapp vier Jahre zurücklag. Damals, im Januar 2007, hatte ein deutscher Skispringer riesigen Jubel und noch größere Erleichterung beim DSV ausgelöst. Wie nun im Januar 2011 auch.

Kurz vor der anstehenden Weltmeisterschaft hatte der DSV-Athlet damals eine schier endlose Durststrecke beendet und endlich mal wieder einen deutschen Weltcupsieg eingefahren. Genauso wie nun wieder.

DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller sprach damals von einem "ganz wichtigen Ergebnis", sein Präsident Alfons Hörmann sah ein "wichtiges Signal" für das deutsche Skispringen. Auch das: passierte nun erneut.

Der Unterschied zwischen dem 28. Januar 2007 und dem 15. Januar 2011: Damals hieß der deutsche Held Michael Uhrmann, nun - vier Jahre später - Severin Freund. Und: Während das deutsche Skispringen eben jene vier Jahre auf den nächsten Weltcup-Triumph warten musste, legte Freund schon zwei Wochen später einen weiteren Sieg hinterher.

Schmitt: "Er wird eine große Rolle spielen"

Spätestens seitdem ist der 23-Jährige das neue Aushängeschild des DSV, mit dem sich das deutsche Skispringen nach vielen mageren Jahren wieder konstant in der Weltspitze etablieren will. Dass Freund das schaffen wird, darin sind sich fast alle einig.

"Er wird auch im kommenden Winter eine große Rolle spielen", sagt Teamkollege Martin Schmitt. Sportdirektor Pfüller ist zuversichtlich, dass er sich "dauerhaft im elitären Kreis der zehn besten Springer" etablieren kann. Und Bundestrainer Werner Schuster zählt ihn schon jetzt zur Weltspitze.

Freund: Mehr Druck von außen

Freund selbst will sich nicht beurteilen. Die Ansprüche, das weiß er, sind allerdings gestiegen. "Im letzten Jahr hatte ich keinen Druck von außen. Das ist in diesem Jahr anders", sagt er. "Aber ich habe kein Problem damit. Für mich ist der Druck immer so groß, wie ich mir selbst ihn mache."

Und selbst weiß sich Freund durchaus realistisch einzuschätzen. "Natürlich wäre es schön, wenn es wieder mit einem Sieg klappen würde", sagt er. "Aber man darf das auch nicht als selbstverständlich ansehen. Es wäre schon immer noch etwas Besonderes."

Charmant und umgänglich

Dass er sich einen Sieg aber wieder zutraut, merkt man Freund an. Aussprechen muss er es nicht. Er wirkt selbstbewusst, aber nicht überheblich. Die neue Rolle im Team scheint ihm gut zu tun. "Severin hat im zweiten Jahr seines Aufstiegs eine nicht ganz leichte Aufgabe, die er aber hervorragend bewältigt", sagt Bundestrainer Werner Schuster.

Freund gibt sich fokussiert und macht trotzdem einen entspannten Eindruck. Im Gespräch mit den Medien tritt er sicher auf. Er weiß sich auszudrücken. Die Fans mögen ihn, weil er charmant und umgänglich ist. Keine Frage: Freund ist einer, der auch abseits der Schanze in die Fußstapfen von Martin Schmitt und Sven Hannawald treten kann. Wenn auf der Schanze die Leistungen stimmen.

Im Sommer unterstrich Freund schon mal, dass die Leistungen des Vorjahres keine Eintagsfliege waren. Bei der deutschen Meisterschaft gewann er im Einzel wie auch mit dem Team. In der Gesamtwertung des Sommer-Grand-Prix belegte er einen guten zehnten Platz, obwohl er zwischenzeitlich mit kleineren Blessuren zu kämpfen hatte.

Freitag die Entdeckung des Sommers

Bester Deutscher war er damit allerdings nicht. Ein anderer DSV-Adler stellte Freund noch in den Schatten. Einer, der bislang auf internationaler Bühne noch ein völlig unbeschriebenes Blatt ist. Sein Name: Richard Freitag.

Der 20-Jährige war in der vergangenen Saison schon sporadisch im Weltcup zum Einsatz gekommen. Im Sommer explodierte er nun aber förmlich. So, dass ihn Ex-Überflieger Jens Weißflog fast schon auf einer Stufe mit Freund sieht: "Freund ist aktuell die Nummer eins, aber Freitag wird da sicher noch etwas aufholen. Er wird seinen Weg gehen."

Und der wird ihn zusammen mit Freund über kurz oder lang unter die besten zehn Springer der Welt führen, glaubt Martin Schmitt. "Ich traue ihnen das auf jeden Fall zu. Man weiß natürlich nie, wie die Saison letztendlich läuft, aber sie haben definitiv das Potenzial."

Angriff auf die Österreicher

Schmitt selbst rückt dadurch etwas mehr in die zweite Reihe. Nach dem Rücktritt von Michael Uhrmann soll der 33-Jährige das Team zusammen mit Michael Neumayer führen, den jungen Springern mit ihrer Erfahrung weiterhelfen und sie in kritischen Phasen aus der Schusslinie nehmen.

"Martin ist eine wichtige Stütze fürs Team", sagt Weißflog. Mit der Mischung aus jung und alt wollen die deutschen Springer auch in der Mannschaft wieder ganz oben angreifen. "Momentan scheinen die Österreicher im Team unschlagbar. Ob sie tatsächlich soweit weg sind, muss man sehen", sagt Freund. "Der Tag wird kommen, wo sie wieder geschlagen werden."

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