Saisonstart der Alpinen in Sölden

Neureuther: "Wenn man Eier hat, funktioniert es"

Von Liane Killmann
Freitag, 21.10.2011 | 18:33 Uhr
Felix Neureuther geht mit neuem Material in die neue Saison
© Imago
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Operation, Materialwechsel, Trainingssturz - die Vorbereitung von Felix Neureuther auf die bevorstehende Alpin-Saison war voller Unwägbarkeiten. Dennoch fiebert das Slalom-Ass diesem Winter zuversichtlich entgegen wie selten zuvor. Seine Augen leuchten, wenn er von seinem neuen Ski schwärmt. Tatsächlich bieten die Veränderungen, die den 27-Jährigen im Sommer aufzuhalten schienen, die Chance zum Neustart.

Von seiner Schulter-Operation Anfang Mai redet Felix Neureuther vor dem Weltcup-Auftakt im Riesenslalom am Wochenende in Sölden kaum noch.

Dabei zwang ihn der Eingriff dazu, drei Monate zu pausieren. Getreu dem Motto "Wintersport-Erfolge werden im Sommer gemacht" eine Katastrophe - nicht so für Neureuther.

Die Denkpause kam gerade recht. Der Partenkirchener hatte die enttäuschendste Saison seiner Karriere zu verdauen. Kein Weltcup-Sieg, nur zwei Podestplätze, eine Heim-WM zum Vergessen. Welten entfernt von der erträumten Slalom-Medaille.

WM-Platz 34 im Riesenslalom war alles, was der DSV-Hoffnungsträger vorzuweisen hatte, nachdem er auf dem Gudiberg den ersten Slalomlauf verbremst und im zweiten bei einem eckigen Harakiri-Ritt eine Stange verpasst hatte.

Skiwechsel nach acht Jahren

Neureuther nutzte die Pause aber nicht nur zum Wunden lecken. Er beschloss, etwas Grundlegendes zu ändern und wechselte das Material. Nordica statt Atomic, nach acht Jahren. Neue Skier, neue Bindung, neue Schuhe. Kritiker werfen ihm vor, diesen Schritt zu spät gegangen zu sein.

Der Athlet hingegen schwärmt mit leuchtenden Augen von seinen neuen Latten und ist einfach happy. Und vor allem felsenfest überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. "Es ist ein komplett anderes Skifahren."

Tatsächlich scheint die neue Ausrüstung seinem risikofreudigen Fahrstil mit dem tiefen Absitzen entgegenzukommen und Fehler eher zu verzeihen. "Es schmeißt einen nicht sofort ab, wenn man hinten reingezogen wird", erklärt Neureuther.

Trainingsbeobachter berichten, dass das Slalom-Ass nun zentraler über dem Ski stehe und daher sicherer durch die Stangen carve. Es scheint, als habe die endlose Materialtüftelei der vergangenen Jahre ein Ende.

"Spielverderber" im eigenen Team

Und noch etwas ist neu. Aus der Ein-Mann-Show Neureuther ist ein echtes DSV-Team geworden. Während der 24-jährige Fritz Dopfer in der letzten Weltcup-Saison mehrfach in den Top 20 landete, steht Stefan Luitz noch am Anfang. Der 19-Jährige ließ mit Rang 29 im WM-Riesenslalom aber bereits aufhorchen.

"Fritz und Stefan sind definitiv was für die Zukunft", lobt Neureuther, "es ist auch für mich ungewohnt, wenn ich am Ende des Tages im Training nicht unbedingt der Schnellste bin, sondern die anderen."

Dopfer, im Riesenslalom längst auf Augenhöhe mit Neureuther, schickt sich auch im Slalom an, ein ernster Konkurrent zu werden. Bei den deutschen Meisterschaften Ende März gab Dopfer den "Spielverderber", hängte Neureuther im Stangenwald ab. Eine schmerzhafte Niederlage für den Spezialisten, den der stetige Vergleich im Training auf lange Sicht aber eher beflügeln dürfte.

"Glück im Unglück"

Erst im August beim Lehrgang in Neuseeland kehrte Neureuther nach der OP zurück ins Schneetraining. Bis zum nächsten Schreckmoment sollte es nicht lange dauern: Ende September stürzte er auf dem Mölltaler Gletscher in Kärnten auf die operierte rechte Schulter. Diagnose? "Nur" eine schwere Prellung. "Das war schon Glück im Unglück." Doch wieder musste Neureuther zehn Tage zuschauen.

Seine Zuversicht ist trotzdem nicht verschwunden. "Für mich beginnt jetzt der zweite Abschnitt meiner Karriere. Ich habe große Ziele", tönt Neureuther, spricht wie bei seinem Karrierestart davon, der "beste Slalomläufer der Welt" werden zu wollen.

Im Riesenslalom Luft nach oben

Im Riesenslalom hat Neureuther sein Potenzial etwa mit Rang acht in Vancouver durchaus schon angedeutet, ausgeschöpft hat er es nie. Vor einem Jahr lief es in Sölden allerdings richtig gut. Neureuther lag zur Halbzeit trotz hoher Startnummer auf Rang 18, ehe das Rennen wegen Nebels abgebrochen wurde.

Er mag den Rettenbachferner. "Man muss sich auf diesem Hang etwas trauen. Und wenn man Eier hat, dann funktioniert das auch", so Neureuthers lapidare Liebeserklärung.

Es kommt dem Deutschen entgegen, dass er sich zum Auftakt nicht gleich in seiner Paradedisziplin mit der Weltelite messen muss. Zwar präsentieren sich in Sölden auch nahezu alle Slalomspezialisten, zu denen Neureuther nach wie vor gezählt werden muss. Sie können dabei aber höchstens positiv auffallen, kaum enttäuschen.

Vorjahressiegerin Rebensburg im Fokus

Unter Erfolgsdruck stehen an diesem Wochenende andere: Riesenslalom-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg etwa, die das Rennen 2010 gewann. Die amtierende Gesamtweltcup-Siegerin Maria Riesch natürlich.

Oder die Junioren-WM-Zweite von 2010 in dieser Disziplin, Lena Dürr. Von der 20-Jährigen, die seit dem Frühjahr ihr Abitur in der Tasche hat, wird der Durchbruch erwartet.

Neureuther hat vor der Slalom-Premiere am 13. November im finnischen Levi dagegen niemand auf dem Zettel. Drei Wochen mehr Zeit also, um Kilometer auf den geliebten neuen Latten zu sammeln. Es bleibt aber ein Neustart mit vielen Fragezeichen.

Ski alpin: Alle Termine der neuen Saison

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