DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier im Interview

"Waren da nicht gut genug"

SID
Montag, 21.02.2011 | 10:51 Uhr
DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier spricht im Interview Klartext
© sid
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Für die DSV-Starter verlief die alpine Ski-WM anders als erwartet. Das sieht auch DSV-Alpindirektor Maier, der im Interview Stellung Gründe für das ernüchternde Ergebnis liefert.

Die alpine Ski-WM verlief für die DSV-Starter durchwachsen, der erhoffte Medaillenregen blieb am Ende aus. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier  erklärt im Interview, warum der große Erfolg am Ende ausblieb.

Frage: Wolfgang Maier, wie fällt Ihr Fazit nach dieser WM aus?

Wolfgang Maier (DSV-Alpindirektor): Ganz zufrieden bin ich nicht. Ich habe mich über die zwei Medaillen von Maria (Riesch, d.Red.) gefreut. Aber ich habe immer vor zu hohen Erwartungen gewarnt. Ich wusste, dass es sehr schwierig ist, die drei Gold-Medaillen von Vancouver oder die zwei WM-Titel von Val d'Isere zu toppen. Wir haben die Chancen ausgelassen, uns hier noch besser zu präsentieren. Natürlich ist es keine Nullnummer, aber die Ausbeute ist nicht zufriedenstellend.

Frage: Wo hatten Sie sich mehr erhofft?

Maier: Gerade in den beiden Hauptdisziplinen Riesenslalom und Slalom haben wir uns von den Frauen mehr erwartet. Das müssen wir erst einmal verarbeiten und wegstecken. Aber trotzdem sollten die Schlagzeilen nicht zu negativ ausfallen. Wir waren als Vierte und Fünfte immerhin auf Schlagdistanz.

Frage: Warum hat es trotzdem nicht zu den erhofften Medaillen gereicht?

Maier: Das haben wir selbst verschuldet. Wir waren an den beiden Tagen einfach nicht gut genug, um die Medaillen zu holen, egal, ob es vorher Probleme wegen einer Grippe gab oder der Rücken geschmerzt hat.

Frage: Vor allem der Ausgang im Slalom dürfte Sie abgesehen vom vierten Platz durch Maria Riesch enttäuscht haben?

Maier: Das war enttäuschend, keine Frage. Darüber müssen wir gar nicht diskutieren. Die Erwartungshaltung war eine ganz andere. Sie waren alle von der Kulisse beeindruckt - aber das ist doch genau das, was sie wollen. Sie hatten nichts zu verlieren. Aber ich hatte den Eindruck, dass alle lieber auf der Rückseite des Berges runtergefahren wären als ins Stadion hinein.

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Frage: Woran lag das?

Maier: Wenn ich wochenlang nicht an die Spitzenplätze heranfahre, kann ich nicht in fünf Minuten bei einer WM den Schalter umlegen. Aber wenn ich sage, ich lasse sie nicht fahren, dann fliegt hier alles auseinander. Vielleicht braucht man manchmal einen Schuss vor den Bug, dass man wieder aufwacht. Alle sind nun gezwungen, umzudenken. Ich habe schon vor der WM gesagt, dass an gewissen Themen nicht hart genug gearbeitet wurde. Da gab es Kritik, dazu stehe ich auch.

Frage: Wie sehen Sie nach dieser WM die Perspektiven?

Maier: Wir gehen mit keiner Nullrunde nach Hause und haben Perspektiven für die Zukunft. Damit ziele ich auf eine Lena Dürr und eine Veronique Hronek ab, die sehr gut fahren. Ich sehe aber auch bei einem Fritz Dopfer oder Stefan Luitz Perspektiven. Stefan Luitz ist der beste Jugendliche, den wir in Deutschland haben. Seine Vorstellung im Riesenslalom war erfrischend. Wir werden auch im Herren-Rennsport wieder mit einem guten Team an den Start gehen, auch wenn es vielleicht noch etwas dauert. Bisher gibt es nur eine Fokussierung auf Felix Neureuther.

Frage: Wie sieht nun Ihr Plan für die Zukunft aus?

Maier: Die WM 2011 ist abgehakt, wir müssen das Positive herausziehen. Der Fokus liegt nun auf dem Weltcup, auf der nächsten WM 2013 in Schladming und den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi. Wir müssen die jungen Leute für diese Großereignisse rüsten.

Frage: Es gab aber Kritik, dass Sie nicht mehr junge Fahrer, gerade in der Abfahrt, für die Heim-WM nominiert haben?

Maier: Unsere Topleute konnten nicht fahren. Aber deshalb auf dieser schwierigen Strecke junge Leute an den Start zu bringen, wäre verantwortungslos gewesen. Wie haben die jungen Leute ja trotzdem hier gehabt. Sie haben im Hotel gewohnt, sie haben das Ambiente erlebt, sie waren voll integriert, aber es war strategisch viel cleverer, sie als Vorläufer fahren zu lassen. Dadurch hatten sie keinen Druck und konnten trotzdem wertvolle Erfahrungen auf einer WM-Piste sammeln.

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