Nach mehreren schweren Stürzen

Kritik an der "Kandahar"-Abfahrt

SID
Donnerstag, 10.02.2011 | 14:10 Uhr
Didier Cuche übt harte Kritik an der WM-Strecke in Garmisch-Partenkirchen
© sid
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Die WM-Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen wird nach einigen schweren Stürzen kritisiert. Die Athleten fürchten um ihre Sicherheit, da die "Kandahar" schlecht präpariert sei.

Didier Cuche sprach ruhig und gelassen, doch in ihm brodelte es. "Schwachsinn" nannte der Schweizer die Präparierung der WM-Piste "Kandahar" nach dem ersten Training für die Abfahrt. Geradezu "lächerlich" fand er es, dass die Renndirektion um Günter Hujara ihm und den anderen Spitzenfahrern eine mit Unebenheiten und Bodenwellen gespickte Unterlage bereitet hatten.

Und auch andere Mitfavoriten, wie etwa der frühere Weltmeister Michael Walchhofer, schimpften. Der Österreicher berichtete nach seiner Trainingsfahrt von einem wilden Rodeo, richtig durchgerüttelt habe es ihn. "Da kannst dich im Ziel nur noch weiterschütteln", sagte er. Allerdings: "Die Plomben sind noch drin."

Nicht weit entfernt stand Christof Innerhofer - und lächelte. Der Weltmeister im Super-G von Garmisch war der einzige Athlet, der nicht ein bisschen meckerte. "Ich mag es, wenn es sehr hart und ein bisschen unruhig ist. Dann fahre ich immer gut", sagte der Südtiroler, der jetzt als Favorit auf Abfahrtsgold gilt.

Innerhofer legte bei der ersten Übungsfahrt tatsächlich die Bestzeit vor, und obwohl zahlreiche Kollegen nicht alles gaben, meinte Cuche: "Man kann sich hier auf den Kampf um Silber und Bronze konzentrieren. Gold holt Innerhofer."

Piste unruhig, Sicht schlecht

Der nannte den routinierten WM-Zweiten von 2009 daraufhin einen "alten Fuchs, für mich ist Didier der Favorit." Doch auch Walchhofer meinte: "Wenn Innerhofer alles richtig macht, wird's schwierig. Wir müssen ihn ein bisserl verunsichern, den Bursch'n." Diesen Zweck hatte die Diskussion um die Piste freilich nicht.

Rennläufern wie Cuche ist es durchaus ernst. Die Sicherheitsdiskussion, die nach den schweren Stürzen bei den Weltcups in Kitzbühel und Chamonix wieder aufgeflammt war, sei "reine Zeitverschwendung", wenn man bei einer WM auf einer so unruhigen Piste wie der "Kandahar" fahren müsse, sagte Cuche.

Klaus Kröll aus Österreich, in diesem Winter Sieger der längsten Weltcup-Abfahrt in Wengen, nannte die Präparierung "unverständlich und unnötig gefährlich". Auf die Frage, wo es denn Änderungen an der Präparierung geben müsse, sagte der Schwede Patrik Järbyn, mit 41 Jahren der erfahrenste Starter: "Von oben bis unten."

Hohe Temperaturen eine Ursache

Auch die Sichtverhältnisse seien schwierig gewesen, sagte Järbyn. "Deshalb kannst du die kleinen Schläge nicht parieren." Und deshalb wird's gefährlich. Am Samstag beim Rennen könnte die Sicht für die Besten besser sein, weil statt um 10.00 Uhr wie beim Training um 11.00 Uhr gestartet wird.

Und auch an der Beschaffenheit der Strecke soll noch einmal etwas verändert werden, das hatte Renndirektor Günter Hujara schon am Mittwoch angekündigt.

DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier nahm Hujara und Rennchef Florian Eckert in Schutz. Aufgrund der hohen Temperaturen in der Vorwoche sei kaum eine andere Präparierung möglich gewesen. "Es lag keine Absicht darin, so schlagig zu präparieren", sagte er - anders sei das etwa in Kitzbühel, wo Schläge bewusst eingearbeitet würden, um die "Streif" spektakulärer zu machen.

Doch die Piste in "Kitz", meinte WM-Debütant Andreas Sander (Ennepetal), sei im Vergleich zur "Kandahar" einfacher. "Da kannst du dich auch mal kurz erholen, hier gibt es nichts zum Erholen", sagte er. Die Strecke müsse entschärft werden.

Hujara: "Runter gehen vom Gas" bei der Kritik

Das wird noch geschehen, wenngleich es nicht möglich ist, noch einmal ganz neu zu präparieren. "Wenn die jetzt mit der Maschine drüber gehen, könnte die Piste brechen", sagte Maier. Hujara wisse schon, was er mache, fügte er noch an, "die Jungs sollten also ein bisschen runter gehen vom Gas" bei der Kritik.

Vorsichtshalber hat Hujara die "kleinen" Nationen schon mal ermahnt, sich genau zu überlegen, ob sie ihre Athleten tatsächlich starten lassen wollen.

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