Morgenstern gewinnt 59. Vierschanzentournee

SID
Thomas Morgenstern reichte der zweite Platz in Bischofshofen zum Gesamtsieg
© Getty

Thomas Morgenstern hat die 59. Vierschanzentournee gewonnen und Österreich damit einen historischen Hattrick beschert. Der Österreicher hat erstmals in seiner Karriere bei der Vierschanzentournee triumphiert. Michael Uhrmann wurde bester Deutscher.

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Sieger der 59. Vierschanzentournee heißt Thomas Morgenstern. Der 24 Jahre alte Kärntner sicherte sich seinen ersten Gesamterfolg beim Grand Slam der Skispringer mit Platz zwei beim Dreikönigsspringen in Bischofshofen hinter Tagessieger Tom Hilde aus Norwegen und machte den dritten Gesamtsieg für Austria hintereinander perfekt.

Zwölfter Gesamtsieg für Österreicher

Morgenstern hatte am Ende 30,4 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten, den viermaligen Olympiasieger Simon Ammann (Schweiz).

Eine solche Serie wie jetzt den Österreichern war bisher nur Norwegen mit Björn Wirkola (1967-69) gelungen.

Team Austria schaffte es nach den Erfolgen von Wolfgang Loitzl 2009 und Andreas Kofler im Vorjahr nun als erstes Land mit drei verschiedenen Springern.

Insgesamt war es der zwölfte Tournee-Gesamtsieg für die rot-weiß-roten Adler.

Uhrmann bester DSV-Adler

Als sich Thomas Morgenstern vor über 25.000 tobenden Landsleuten endgültig zum neuen Star am Skisprunghimmel gekrönt hatte, standen die deutschen Adler enttäuscht im Schatten.

Während Morgenstern nach dem dritten Gesamtsieg eines Österreichers bei der Vierschanzentournee in Serie überglücklich seiner Freundin Kristina in die Arme fiel, musste der Deutsche Skiverband mit Gesamt-Rang elf von Michael Uhrmann die schwächste Tournee seit 1995 hinnehmen.

Sieben Top-10-Plätze trösteten kaum über diese schlechte Gesamtbilanz hinweg.

Bundestrainer Werner Schuster war dennoch ganz zufrieden: "Wir hatten schlechte Voraussetzungen. Uns fehlen nach vorne ein paar Meter, daher müssen wir den anderen noch beim Jubeln zuschauen. Die Konstanz ist aber in der Breite vorhanden. Wir müssen jetzt weiterarbeiten."

Morgenstern: "Für mich ist das ganze noch nicht real"

Während die Deutschen Adler die Flügel hängen ließen, gab´s für Morgenstern ein paar Küsse von Freundin Kristina.

Dann wurde er von seinen teaminternen Vorgängern Wolfgang Loitzl und Andreas Kofler durch den Auslauf getragen. Die Fans johlten und zündeten Leuchtfeuer.

"Für mich ist das ganze noch nicht real. Es war nicht einfach zu springen. Das war auch nicht der perfekte Wettkampf. Aber ich danke allen, die mir das ermöglicht haben. Das ist ein Wahnsinn", sagte Morgenstern.

Mit seinem zweiten Platz auf der Paul-Außerleitner-Schanze hatte er 30,4 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten, den viermaligen Olympiasieger Simon Ammann. "Ich war nicht in der Überform, Thomas hat es mir schwer gemacht", sagte der Schweizer.

Dritter in der Gesamtwertung wurde Tom Hilde (Norwegen), der sich den Sieg beim Dreikönigsspringen sicherte. Auch Hilde wurde von seinen Kollegen gefeiert - doch das ging im rot-weiß-roten Jubelmeer unter.

Schuster: "Morgenstern ein Geschenk des Himmels"

"Thomas Morgenstern ist ein Geschenk des Himmels", sagte Schuster über den Überflieger dieses Winters.

Auch "a bisserl Schnupfen" (Morgenstern) konnte seinen ersten Gesamterfolg beim Grand Slam des Skisprungs nicht verhindern. Lachend nahm Morgenstern den Schlüssel für den Hauptpreis, ein etwa 25.000 Euro teures Auto, in Empfang.

Zudem freute er sich über 23.800 Euro Preisgeld für Siege in Oberstdorf und Innsbruck sowie Rang 14 in Partenkirchen und Platz zwei in Bischofshofen. ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner lächelte "von ganz links bis ganz rechts".

Sein deutscher Kollege Werner Schuster war zufrieden, obwohl seine Mannschaft zuletzt vor 16 Jahren keinen Adler in den Top 10 der Tourneewertung hatte. Damals war Jens Weißflog als Zwölfter Bester.

Deutsche heute nur als Randfiguren

Immerhin erfüllte Michael Neumayer (Berchtesgaden) als Tages-Achter als erster Springer die teaminterne WM-Norm. "Auf B-Hofen war wieder Verlass, die Schanze mag ich", sagte er: "Der Fehler in Innsbruck war dumm, sonst wäre insgesamt eine Top-Ten-Platzierung herausgekommen. Aber Nachweinen bringt nichts."

Doch die Deutschen waren nur Randfiguren an diesem Tag. Schon Stunden vor dem Springen harrten Tausende aus, um ihren "Morgi" bei jedem seiner Schritte zum Triumph zu beobachten. Auch seine Familie feuerte ihn an.

Morgenstern ging mit einem Vorsprung von umgerechnet 15 Metern auf Ammann ins letzte Springen. "Ich will einfach nur die Atmosphäre genießen", sagte er.

Das tat er - obwohl ihn die Jury wegen schwieriger Verhältnisse kurz vor seinem Sprung nochmal vom Balken holte. "Das war nicht in Ordnung", sagte Pointner, "aber Thomas ist cool geblieben und hat seine ganze Klasse gezeigt."

Morgenstern behielt die Nerven

Morgenstern entschied nämlich das K.o.-Duell mit Ammann mit einem Sprung auf 136 Meter für sich und lag zur Verzückung seiner Anhänger jetzt sogar mit 33,2 Punkten vorne. Er reckte seine Ski zum Jubel in die Höhe und zeigte Vater Franz die Siegerfaust.

Ammann sprang dann nur 133 Meter, die Lucky-Loser-Regelung half ihm weiter - doch die Tournee war schon jetzt entschieden.

Letztmals hatte der Japaner Noriaki Kasai vor zwölf Jahren in Bischofshofen eine Gesamtführung noch verspielt, Morgenstern aber behielt auch im Finale die Nerven - obwohl der Wettkampf einen turbulenten Verlauf nahm.

Nach einem Sprung von Martin Koch auf 140,5 Meter wurde der Anlauf verkürzt, Ammann setzte aber kurz darauf starke 140 Meter in den Schnee. Die Fans, insgesamt waren 30.000 da, kündigten Morgensterns letzten Sprung mit Bengalischem Feuer an - und ihr Held enttäuschte sie mit 135 Metern nicht.

Fehlende Konstanz beim DSV-Team