Markus Wasmeier im Interview

"Das wäre ein Armutszeugnis"

Von Interview: Daniel Börlein
Donnerstag, 03.02.2011 | 18:33 Uhr
Markus Wasmeier arbeitet seit vielen Jahren als TV-Experte
© Imago
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Markus Wasmeier war selbst Olympiasieger und Weltmeister. Die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen begleitet der 47-Jährige als TV-Experte. Im Interview spricht die deutsche Alpin-Legende über den fehlenden Heimvorteil bei der WM, die deutschen Medaillenchancen, Felix Neureuther, die Gründe für die Probleme im Herrenbereich und richtet einen Appell an den DSV.

SPOX: Herr Wasmeier, die Ski-WM in Garmisch beginnt nächste Woche. Sie haben zu Ihrer aktiven Zeit dort zwei Ihrer neun Weltcupsiege gefeiert. Warum hat es bei Ihnen in Garmisch so gut funktioniert?

Markus Wasmeier: Man hat halt seine Lieblingsabfahrten - und da hat Garmisch definitiv dazu gehört. Schon alleine die Tatsache, im eigenen Land einen Weltcup zu bestreiten, war ein enormer Antrieb. Und die Strecke enthielt technische Elemente, die mir als Leichtgewicht eben besonders gelegen sind, auch wenn die Voraussetzungen nicht immer ideal waren.

SPOX: Warum?

Wasmeier: Man hatte zwar einen Heim-Weltcup, aber eigentlich keinen Heimvorteil, weil man nicht trainieren konnte. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

SPOX: Das heißt?

Wasmeier: Natürlich hat das deutsche Team den Vorteil des heimischen Publikums. Der Heimvorteil könnte allerdings noch größer sein, aber die Garmischer schaffen es nicht, den eigenen Leuten eine Piste zum Trainieren zu geben. Das war schon zu meiner Zeit so - und daran hat sich nicht mal jetzt zur Weltmeisterschaft etwas geändert. Die glauben, die Touristen sind wichtiger. Das ist wirklich eine Schande. Das gäbe es in keiner anderen Nation.

SPOX: Trübt das Ihre Vorfreude auf die Weltmeisterschaft ein wenig?

Wasmeier: Nein, und bitte nicht falsch verstehen: Ich freue mich sehr auf diese WM. Das wird klasse werden und eine Weltmeisterschaft auf höchstem Niveau. Man hat das ja schon beim Weltcup im letzten Jahr gesehen, wo es hinterher niemanden gab, der nicht begeistert war. Mit wem man auch spricht, jeder freut sich auf die WM in Garmisch. Da geht es mir nicht anders. Aber es ärgert mich einfach, dass es nicht geschafft wird, auch in diesem Bereich einen Heimvorteil zu schaffen.

SPOX: Wird es dennoch eine erfolgreiche WM aus deutscher Sicht werden?

Wasmeier: Speziell bei den Damen ist die Auswahl an deutschen Medaillenkandidatinnen natürlich groß. Deswegen stehen die Chancen bestimmt nicht schlecht. Wir haben Vicky Rebensburg und Kathrin Hölzl im Riesenslalom, Susanne Riesch im Slalom und natürlich Maria, die man fast überall auf der Rechnung haben muss. Und ich glaube auch, dass die eine oder andere Junge für eine Überraschung sorgen kann.

SPOX: Bei den Herren sieht es nach dem Ausfall von Stephan Keppler dagegen eher nicht so gut aus.

Wasmeier: Für die Mannschaft ist der Ausfall schon sehr bitter. Denn die WM beginnt ja mit den Speed-Disziplinen. Wenn da schon einer dabei ist, der gute Ergebnisse einfährt, dann gibt das der Mannschaft natürlich einen Riesenschwung. Und im Super-G wäre eine Medaille für Stephan Keppler durchaus drin gewesen. Aber trotz des Ausfalls von Keppler hätte ich einen Appell an den deutschen Skiverband.

SPOX: Der da wäre?

Wasmeier: Ich hoffe, dass bei den Herren immer vier deutsche Rennanzüge am Start sind. Der Skiverband hat es selbst in der Hand, wie viele Fahrer er an den Start schickt und da hoffe ich sehr, dass man die vier Plätze, die zur Verfügung stehen auch in Anspruch nimmt. Das machen doch andere Nationen auch - egal ob die WM in Spanien oder in den USA ist. Und wenn ein Keppler eben ausfällt, dann lässt man einen anderen ran, der die deutschen Farben vertritt. Das ist schließlich eine Heim-WM.

SPOX: Auch wenn sonst kein Fahrer die Qualifikationsnormen erbracht hat?

Wasmeier: Bei einer WM im Ausland kann ich das gerade noch verstehen, dass man verzichtet, wenn die Ergebnisse nicht erbracht wurden. Aber was wäre das für ein Armutszeugnis, wenn wir bei der eigenen WM keine deutschen Fahrer am Start haben? Die sogenannten Exoten aus Argentinien oder Spanien kommen mit vier Mann daher, selbst Peru wird mitfahren - und wir würden verzichten. Da geht es nicht immer nur darum, um Medaillen zu fahren, sondern eben auch drum, sein Land zu vertreten. Und das wäre aus meiner Sicht ein wünschenswerter Akzent bei dieser Heim-WM.

SPOX: Egal, wie viele deutsche Herren starten: Durch den Ausfall von Keppler wird der Druck auf Felix Neureuther noch größer sein.

Wasmeier: Für Felix ist das sicher keine ideale Ausgangsposition. Aber er ist einer, der sich von so etwas normalerweise nicht beeindrucken lässt. Er macht immer sein Ding. Und er hat den Vorteil, dass er mittlerweile auch im Riesenslalom eine gute Figur macht. Wenn er sich dort ein gutes Ergebnis abholt, dann nimmt er sich selber schon etwas Druck und gibt sich einen Schub, um dann auch den Slalom erfolgreich meistern zu können. Er hat ja schon beim Weltcup im letzten Jahr bewiesen, dass er mit dem Druck umgehen kann. Ihn motiviert das nochmal zusätzlich. Andere zerbrechen daran vielleicht.

SPOX: Neureuther und Keppler - mehr hat der deutsche Herrenbereich im Moment an erfolgreichen Leuten nicht zu bieten. Warum?

Wasmeier: Das Problem ist, dass heute alles ganz schnell gehen muss. Einem jungen Kerl wird nicht mehr die Chance gegeben, sich kontinuierlich zu entwickeln bis er 19 oder 20 Jahre alt ist. Es ist doch ganz klar, dass es nicht immer nur bergauf gehen kann. Aber genau das wird erwartet. Das sind Jugendliche. Da ist der eine oder andere vom Kopf oder vom Körper noch nicht soweit, hätte aber grundsätzlich das Talent. So einer hat aber keine Chance. Es ist mittlerweile so, dass ein junger deutscher Skifahrer weg vom Fenster ist, wenn er mal ein Jahr lang seine Leistung nicht so bringt, wie es gefordert wird.

SPOX: Und am Ende bleibt dann kaum einer mehr übrig, so wie im Moment.

Wasmeier: So kann man es sagen. Wenn du raus bist, bist du raus. Es bleiben dann nur eine handvoll Leute übrig. Von denen verletzt sich dann aber noch der eine oder andere, andere springen aus schulischen Gründen ab und wieder andere können das nicht erfüllen, was man sich von ihnen versprochen hat.

SPOX: Das ist dann aber auch ein konzeptionelles Problem des Verbandes.

Wasmeier: Das ist auf der einen Seite ein Problem im Verband, logisch. Auf der anderen Seite fehlen halt auch die Gelder, ohne die manche Dinge einfach nicht umgesetzt werden können.

SPOX: Wie war es denn zu Ihrer Zeit?

Wasmeier: Mich wollten sie mit 17 Jahren auch rauswerfen, weil sie gesagt haben: Der Wasmeier hat so dünne Beine, aus dem kann kein Skifahrer werden. Nur weil sich mein Trainer unglaublich für mich eingesetzt hat, hat man mir am Ende noch eine Chance gegeben.

SPOX: Aber Ihr Beispiel sollte doch allen eine Lehre sein.

Wasmeier: Leider nicht. Man hat aus diesem Fall nichts gelernt, wie auch nicht aus dem Fall Hermann Maier, der ja auch ein Spätstarter war und als Jugendlicher immer außen vor war, weil er zu klein und nicht kräftig genug war. Aber es gibt eben diese Spätentwickler, die erst im zweiten oder dritten Jahr einen Schub machen. Und sehr vielen dieser Leute wird leider gar keine Chance gegeben.

SPOX: Das scheint allerdings ein reines Herren-Problem zu sein, oder warum läuft es im Damen-Bereich besser?

Wasmeier: Es ist ganz einfach so, dass es in den unteren Altersklassen nicht so viele Mädels gibt. Und diejenigen, die Qualität haben, werden gleich in die nächsthöhere Altersklasse gezogen und haben dadurch die Zeit, sich mal über drei, vier Jahre zu entwickeln. Ich kann Ihnen das mal an einem Beispiel erklären.

SPOX: Bitte.

Wasmeier: Bei uns gibt es in einer Altersklasse zwölf Burschen - du kannst aber aus Kostengründen nur zwei weiter mitnehmen. Dann bleiben zehn auf der Strecke. Die sind dann raus. Bei den Mädels hast du vielleicht vier oder fünf und musst dementsprechend nur zwei oder drei aussortieren und die Gefahr ist deutlich geringer, dass dann talentierte auf der Strecke bleiben. Und weil dann in der nächstenhöheren Altersklasse die Dichte bei den Mädels ebenfalls geringer ist, können die sich auch mal über drei, vier Jahre entwickeln. Im Kopf, im Körper. Und diese Möglichkeit gibt es bei den Buben nicht. Das ist wie ein Teufelskreis.

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