Montag, 01.02.2010

Rodler Felix Loch im Interview

"Will wissen, was ich unterm Arsch habe"

Felix Loch ist Deutschlands Rodler der Zukunft und eine unserer Goldhoffnungen für Olympia. Bei SPOX spricht der 20-Jährige über Vancouver, Doping und vollen Einsatz beim Schlittenbau.

Für Weltmeister Felix Loch kann es in Vancouver nur ein Ziel geben: Gold
© Getty
Für Weltmeister Felix Loch kann es in Vancouver nur ein Ziel geben: Gold

SPOX: Herr Loch, Ihr Vater ist gleichzeitig auch Ihr Coach. Wie ist es eigentlich, wenn zu Hause beim Essen der eigene Trainer mit am Tisch sitzt?

Felix Loch: (lacht) Das ist eigentlich gar kein Problem. Wir trennen das ganz gut, denn wenn wir zu Hause auch noch übers Rodeln diskutieren würden, bekämen wir bestimmt irgendwann Ärger miteinander. Deshalb gibt es Rodeln nur noch an der Bahn, beim Schlittenbau oder im Kraftraum.

SPOX: Wie viel Zeit investieren Sie eigentlich täglich?

Norbert Loch ist seit 2008 Bundestrainer und einer der größten Förderer seines Sohnes Felix
Norbert Loch ist seit 2008 Bundestrainer und einer der größten Förderer seines Sohnes Felix

Loch: So zwei bis drei Stunden täglich im Kraftraum kommen da schon zusammen, das Gleiche nochmal auf der Bahn. Nach und vor dem Training kommt auch noch der Schlittenbau dazu.

SPOX: Den Schlittenbau übernehmen Sie also auch noch selbst?

Loch: Ja, ich will ja wissen, was ich unterm Arsch habe. Deswegen habe ich es nicht so gerne, wenn das andere alleine machen. Manchmal hilft mir jemand, da bin ich dann auch gerne bereit, noch zu lernen.

SPOX: Läuft das bei den Kollegen genauso?

Loch: Bei den Männern ist das schon so üblich, aber die Damen verlassen sich sicherlich noch mehr auf den Mechaniker, der ihnen alles einstellt, damit es passt.

SPOX: Vancouver rückt immer näher. Glauben Sie, dass nach zwei WM-Titeln nun auch bei Olympia Ihre Zeit gekommen ist?

Loch: Olympia ist ja nochmal etwas ganz anderes. Zum einen haben wir vier statt zwei Läufe, da muss wirklich alles passen. Dazu kommt die sehr schwierige Bahn in Whistler, die mir allerdings viel Spaß macht, weil sie sehr schnell und anspruchsvoll ist. Die WM war schon toll, aber Olympia ist nochmal eine Steigerung.

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SPOX: Gibt es für Sie also bestimmte Kriterien, an denen Sie festmachen, dass Sie sich auf einer Strecke wohlfühlen?

Loch: Mir macht eigentlich jede Strecke Spaß, weil mir das Rodeln einfach Spaß macht. Das ist für die Einstellung ganz wichtig, glaube ich. Denn wenn man sich vor einem Lauf sagen würde: "Oh, das wird jetzt schwierig für mich", dann hat man keine Chance.

SPOX: Trotz Ihrer WM-Titel haben Sie relativ lange auf Ihren ersten regulären Weltcup-Sieg warten müssen. Warum hat es so lange gedauert?

Loch: Bei uns ist es einfach so eng. Im letzten Jahr war ich mehrfach Zweiter, da haben mir nur ein paar Hundertstel gefehlt. Es hat mich eigentlich nie so wahnsinnig gestört, dass ich bisher nie ganz oben stand, aber nun sind ja auch Fernsehen und Medien zufriedengestellt (lacht). Das soll natürlich nicht heißen, dass es kein schönes Gefühl wäre, gewonnen zu haben.

SPOX: Obwohl das Team auch in der Breite gut besetzt ist, findet Rodeln in der Öffentlichkeit meist kaum statt. Stattdessen zeigen die Fernsehsender Ski Alpin, Biathlon, Skispringen. Zu Unrecht?

Loch: Es ist schon schade, aber in den letzten Jahren ist es immerhin etwas besser geworden. Durch unsere Erfolge hat das Interesse schon zugenommen. Aber klar: Es könnte immer noch mehr sein, aber man selbst hat da leider keinen Einfluss drauf.

"Ein guter Start ist auch eine Kraftfrage. Aber zusätzliche Muskelberge stünden auf der Bahn nur im Weg."

Felix Loch

SPOX: Nicht erst mit dem Fall Pechstein ist Doping im Wintersport ein heißes Thema geworden. Auch beim Rodeln?

Loch: Eigentlich dürfte es in keinem Sport ein Thema sein, am allerwenigsten bei uns. Bei uns ist zum Beispiel der Start extrem wichtig. Wer da gut wegkommt, hat automatisch gute Chancen, am Ende zu gewinnen. Und der ist nun mal auch eine Kraftfrage. Aber wenn man in der Hinsicht nachhelfen würde, stünden einem die Muskeln auf der Bahn im Weg. Denn Sie müssen ja sehen, dass die zusätzlichen Muskelberge bei 150 km/h - wie etwa in Whistler - im Wind stehen.

SPOX: Aber es gibt ja auch die Möglichkeit, die psychischen Aspekte zu beeinflussen, etwa die Konzentrationsfähigkeit. Wie sieht es damit aus?

Loch: Dazu kann ich noch viel weniger sagen, weil ich damit überhaupt keine Probleme habe. Wenn ich mich oben auf den Startbock setze, ist es mir scheißegal, wer da um mich herumhüpft. Da kann ich total abschalten. Sicher gibt es einige, die mit Psychologen zusammenarbeiten, aber bei mir geht es auch so.

SPOX: Als erfolgreicher Rodler haben Sie sicherlich einen vollgepackten Terminkalender. Wie intensiv können Sie sich da Ihrer Laufbahn als Bundespolizist widmen?

Loch: Ich komme jetzt ins dritte von vier Jahren. Es ist schon stressig, wenn ich von April bis August meine Ausbildung machen muss. Das ist ähnlich wie damals in der Schule, als man vormittags im Unterricht saß und alles Training auf den Nachmittag verschieben musste. Aber wenn ich meine Ausbildung hinter mir habe, ist meine Zukunft zumindest abgesichert. Für Leute im Sport ist das deshalb meiner Meinung nach das Beste, was man machen kann.

SPOX: Haben Sie denn überhaupt noch Freizeit?

Loch: (lacht) Im Winter sehr wenig, aber im Sommer gibt es dann schon ein paar Tage, an denen man ein bisschen Ruhe hat. In diesem Jahr ist unsere Saison ja schon Ende Februar vorbei, das ist ganz positiv. Während der Saison kommt man wirklich zu nichts, da reist man von einem Weltcup zum anderen. Aber ich will mich gar nicht beschweren. Ich habe es mir ja so ausgesucht, und es macht ja auch sehr viel Spaß.

SPOX: Was tun Sie, wenn Sie mal frei haben? Noch mehr Sport, oder lieber Fernsehen und Playstation?

Loch: Wenn nach der Saison noch Schnee liegt, gehe ich Skifahren. Im Sommer geht's ins Freibad oder zum Klettern. Ich brauche immer Action, das gehört für mich einfach dazu.

Rodeln: Der Stand im Weltcup der Männer

Interview: Philipp Dornhegge

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