Die Stimmen zum Fall Pechstein

SID
Samstag, 04.07.2009 | 16:31 Uhr
Der Fall Claudia Pechstein schlägt in der Eisschnelllaufszene hohe Wellen
© Getty
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Mit Bestürzung haben der deutsche Sport und die Eisschnelllauf-Welt auf den Fall Pechstein reagiert. Jetzt melden sich  Funktionäre, Aktive und Trainer zu Wort.

Der Dopingfall Claudia Pechstein erschüttert den Sport in Deutschland. Nachdem der Eislauf-Weltverband ISU die fünfmalige Olympiasiegerin am Freitag für zwei Jahre gesperrt hat und Pechstein Berufung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS ankündigte, meldeten sich neben Thomas Bach, Präsident des DOSB, auch Funktionäre, Aktive und Trainer aus dem internationalen Eisschnelllauf-Sport zu Wort.

Thomas Bach (Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes): "Wir sind bestürzt, aber es muss in so einem Fall die Unschuldsvermutung gelten. Er ist nicht vergleichbar mit einer positiven Probe oder dem Besitz von verbotenen Materialien wie in Turin. Es handelt sich jetzt um ein laufendes Verfahren. In diesem genießt der Athlet Rechte, und die gilt es zu verteidigen. Wir hoffen auf eine zügige Entscheidung, die zu einer umfassenden Aufklärung führt."

Gerd Heinze (Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft): "Ich erwarte und hoffe, dass der internationale Sportgerichtshof CAS dieses Urteil kippen wird. Hier wird nicht aufgrund von Fakten, sondern aufgrund von Indizien geurteilt. Ich bin nicht bereit, unseren Sport für so ein Experiment herzugeben."

Peter Mueller (Norwegens Nationaltrainer und aktueller Coach von Claudia Pechstein): "Dies ist ein Problem der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, keines des norwegischen Verbandes. Pechstein hat in der vergangenen Saison nicht nur bei mir, sondern auch bei Bart Schouten und Achim Franke in Berlin trainiert. Der norwegische Verband wird die ISU bei der Aufklärung des Falles unterstützen."

Daniela Anschütz-Thoms (Eisschnelllauf-Olympiasiegerin): "Man sollte noch abwarten mit einem endgültigen Urteil, aber wenn es sich wirklich so darstellen sollte, wäre das sehr, sehr traurig. Damit hätte ich niemals gerechnet, und ich hätte nicht gedacht, dass man so dumm sein könnte. Ich fühle mich verarscht, sollte das stimmen, und es wäre unfair gegenüber alle anderen Athleten. Das wirft auch ein schlechtes Licht auf unseren Sport. Das wird uns immer verfolgen. Auf diese Art wurde auch der Radsport kaputt gemacht, auch wenn wir noch nicht so weit sind."

Joachim Franke (Ex-Trainer von Pechstein): "Ich bin erschrocken darüber, dass so eine Meldung existiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass von den Anschuldigungen irgendetwas stimmt. Wer Claudia kennt, weiß, dass das nicht ihr Wesen ist. Sie würde nie manipulieren, um persönliche Vorteile im Wettkampf zu erzielen. Jeder, der diese Sportlerin erlebt hat, weiß, wie stark ihr Wille zur eigenen Leistungsbereitschaft ist. Niemand kann sagen, dass sie unfair aufgetreten ist."

Werner Franke (Molekularbiologe und Doping-Bekämpfer: "Falls sie keine Erkrankung des blutbildenden Systems hat, zum Beispiel verschiedene Arten von Tumoren, liegen hier sichere Zeichen zur Stimulation durch Epo oder Epo-Mimetika vor. Ein Beweis für Doping kann dies aber nicht sein."

Gerard Kemkers (Trainer der niederländischen Olympiasieger Sven Kramer und Ireen Wüst): "Wenn Pechstein tatsächlich gedopt war, dann ist das ein Stich ins Herz. Ich habe immer an einen sauberen Sport geglaubt. Dann diese Nachricht, über die man sich erschreckt. Sie ist schlecht für das Eisschnelllaufen. Denn sie strahlt auch auf die anderen Eisschnellläufer aus. Wenn ich es gut verstehe, ist sie auf Basis der Blutwerte, die die ISU seit einiger Zeit registriert, gesperrt worden. Ich wusste nicht einmal, dass das möglich ist."

Ireen Wüst (Niederländische Eisschnelllauf-Olympiasiegerin): "Das ist einfach sehr dumm. Warum macht man so etwas? Man will sich doch in die Augen schauen können. Es ist eine Sünde für den Sport. Ich weiss von mir selbst, dass ich sauber bin. Mir wird schlecht davon, dass Menschen durch diese Nachricht daran zweifeln werden. Meine Sportart wird in eine Ecke gedrückt, wo sie nicht hingehört. Auf der anderen Seite ist es gut, das es passiert ist. Ich mag Falschspieler nicht. Dann muss man die Menschen, die es tun, bloßstellen."

Pechstein geht in die Offensive: "CAS wird die Sperre aufheben"

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