Wintersport

Schießerei im Hinterzimmer

Von Alexander Mey
Andrea Henkel belegte im Sprint bei der WM den sechsten Platz
© Getty

Nach Flops des vergangenen Wintersport-Wochenendes braucht man nicht lange zu suchen. Es gibt schließlich die Biathlon-WM in Pyeongchang mit all ihren Pannen. Die kurioseste und gleichzeitig gefährlichste leistete sich Andrea Henkel. Und Tops? Da bietet die alpine Ski-WM mit Maria Riesch und Kathrin Hölzl reichlich Stoff. Also dann: Die Tops und Flops des Wochenendes.
 

- Schießerei im Hinterzimmer

Der Schreck saß. Als Andrea Henkel vor der Verfolgung bei der Biathlon-WM Trockenübungen fürs Schießen absolvieren wollte, löste sich mitten im Hinterzimmer einer Hütte mit einem lauten Knall ein Schuss aus ihrem Gewehr. Für Biathleten durchaus nicht ungewöhnlich - solange sie am Schießstand stehen. Aber aus drei Metern Entfernung durch eine Holzwand hindurch ballern und dabei Menschen verletzen, wenn es dumm läuft? Das fand die Rennleitung nicht so witzig. Sie disqualifizierte Henkel, die aus Versehen ein Reservemagazin mit scharfer Munition in der Waffe hatte. Henkel selbst fand es aber auch nicht witzig. Unter Tränen sagte sie: "Da die Waffen über Nacht hier im Stadion bleiben müssen, habe ich nicht mehr daran gedacht." Mannschaftskollegin Kati Wilhelm resümierte: "Das kann tödlich sein." War es zum Glück nicht. Aber wie bereits zu Anfang erwähnt: Der Schreck saß.

+ Ole! Ole? Ole!

Ole Einar Björndalen hat Geschichte geschrieben. Sein Sieg in der WM-Verfolgung war sein 12. WM-Titelgewinn - Rekord. Aber nicht nur das. Da im Biathlon die WM zum Weltcup zählt, war der Sieg auch der 86. in seiner Karriere - wieder ein Rekord. Denn damit stellte Björndalen die ewige Bestmarke des alpinen Skifahrers Ingemar Stenmark ein. Nur Gründe zur Freude, wären da nicht die lästigen Querelen über Zeitstrafe gegen Björndalen oder doch keine Zeitstrafe gegen Björndalen gewesen. Erst ist er Weltmeister, dann doch nicht, dann ist er es plötzlich wieder. Was uns gleich zum nächsten Pyeongchang-Flop bringt.

- Ja wo laufen sie denn?

Gute Frage. Auf jeden Fall liefen sie im schönen, wenn auch ein klitzekleines bisschen regnerischen, warmen und matschigen Pyeongchang falsch. Einem ganzen Rudel Läufer war der Weg durch den Schneelindwurm, der sich durch Korea schlängelte, während der Verfolgung völlig unklar. Sie bogen einfach falsch ab. Einer - in diesem Fall Einar, nämlich Ole Einar - machte den Anfang, die anderen stiefelten wie die Lemminge hinterher. Klar, das muss eine Strafe geben, sagte sich die Rennleitung, brummte Björndalen und den anderen Sündern eine Minute Zeitstrafe auf und machte so den Russen Maxim Tschudow zum Weltmeister. Zumindest vorerst. Denn dann protestierten die Norweger und wollten ihren Titel zurück, schließlich habe sich Björndalen keinen zeitlichen Vorteil verschafft. Stimmt und steht auch genau so im Regelbuch. Also keine Strafe, Björndalen ist wieder Weltmeister, Tschudow guckt in die Röhre. Einfach nur Chaos oder Verschwörung gegen die verbliebenen Russen? Mehr dazu im nächsten Flop.

+ Olympia, wir kommen!

Nur ganz kurz ein bisschen Patriotismus für zwischendurch. 2018 will München die Olympischen Winterspiele nach Deutschland holen. Hauptkonkurrent wird vermutlich das koreanische Pyeongchang sein. Dort beweist man aber gerade eindrucksvoll, dass man organisatorisch sehr wenig auf die Reihe bekommt. Schade für die im Moment extrem genervten Biathleten, umso erfreulicher für die Organisatoren in München. Die Chancen auf Olympia steigen!

- Morddrohungen gegen Schweden

Und noch einmal Biathlon. Bevor es überhaupt los ging im schönen, matschigen Pyeongchang, waren die drei gedopten Russen Jurjewa, Achatowa und Jaroschenko schon wieder zu Hause. Sie selbst sind sich natürlich überhaupt keiner Schuld bewusst. Auch Jaroschenko kann sich seine gleich drei positiven Tests sicher überhaupt nicht erklären. Alles Idioten, diese russischen Doper - sagt nicht SPOX sondern der schwedische Biathlet Mathias Nielsson im Blog auf seiner Homepage. Und dafür erhielt er prompt Morddrohungen aus Russland. Jetzt überlegen die Schweden, den Weltcup in Chanty Mansijsk abzusagen. "Die Russen haben gedopt und wir haben den Ärger. Das kann doch nicht wahr sein", wetterte Schwedens deutscher Trainer Wolfgang Pichler. Recht hat er.

+ Goldener Endspurt in Frankreich

Welch Wunder, es gab auch noch anderen Sport als Biathlon. In Val d'Isere holten Kathrin Hölzl und Maria Riesch WM-Gold in Riesenslalom und Slalom. Beide starteten nach soliden ersten Durchgängen tolle Aufholjagden. Einfach klasse die beiden, mehr braucht man dazu eigentlich nicht zu sagen. Tun wir auch nicht.

Alle Ergebnisse und Termine der Biathlon-Damen im Überblick

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