Wintersport - Tops und Flops

Eine Frau revolutioniert das Biathlon

Von SPOX
Sonntag, 11.01.2009 | 18:57 Uhr
Die Weißrussin Darya Domratschewa wunderte sich über 5 Fehlschüsse
© Getty
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Eine weißrussische Biathletin wollte sich beim Liegendschießen partout lieber hinstellen und bekam prompt die Quittung. Zudem sorgten eine Heulsuse und ein Peiffer für Furore. George Foreman liebäugelt mit einer Karriere auf dem Eis.

- Wer nicht hören will, muss fühlen

Die Regeln beim Biathlon-Massenstart sind einfach. Alle Teilnehmer starten gleichzeitig, dann wird viermal geschossen - zunächst zweimal liegend, DANN zweimal stehend. Und wer zuerst ins Ziel kommt, hat gewonnen. Stellt sich die Frage: Was muss sich Darya Domratschewa vor dem zweiten LIEGEND-Schießen gedacht haben, als sie sich als Führende eiskalt hin-STELLTE, während ihre Kolleginnen brav Bodenkontakt suchten.

Möglichkeit 1: "Oh Mann, bin ich heute schnell. Wer hätte gedacht, dass ich sogar die Neuner überrundet hab?"

Möglichkeit 2: "Gott, sind die alle blöd. In der zweiten Runde wird doch stehend geschossen. Manchen Leuten sollte man den Start echt verbieten."

Möglichkeit 3: "Warum schreien die Zuschauer wie bekloppt? Sitzt mir ne Deutsche im Nacken? So ein Mist, dass ich kein Deutsch verstehe."

Die Liste ließe sich beliebig weiterführen. Das eigentlich Dumme am Missgeschick der Weißrussin ist aber, dass sie - wie es sich fürs Stehendschießen gehört - die größeren Scheiben anvisierte und demnach keinen einzigen Treffer landete.

Warum nur, dachte sie sich weiter. Dann der Blick nach links, wo alle anderen Biathletinnen lagen. Langsam dämmerte es Darya. Sie lief los, schenkte sich die fünf Strafrunden gleich mal komplett, stellte sich an den Streckenrand, nahm Gewehr und Skier ab und suchte sich ein Loch, in dem sie versinken konnte. So ein Jammer, es war keins da.

+ Auch Männer dürfen weinen

Nach einer bisher verkorksten Saison kann Michael Rösch nach Platz zwei im Sprint endlich wieder jubeln. Und was macht der Gute? Er flennt - vor Freude zwar - dafür aber schon auf der Schlussrunde. "Geil, wenn man mit null Fehlern ins Ziel kommt. Ich musste auf der Schlussrunde heulen vor Glück", sagte er. Herzlichen Glückwunsch, Sensibelchen. Ob ihn das unfreiwillige Tränenvergießen die 12,7 Sekunden gekostet hat, die der Russe Maxim Tschudow am Ende vorne lag, bleibt reine Spekulation.

Übrigens: Den Podestplatz verdankt Rösch nach eigenen Angaben einem lautstarken Zuschauer, der kurz vor dem letzten Schießen befahl "Schnauze jetzt, der Rösch schießt". "Dann war es nämlich mucksmäuschenstill." Der Unbekannte möchte sich bitte umgehend beim 25-Jährigen melden und seinen Kasten Freibier in Empfang nehmen.

+ Wie Peiffer aus der Asche

Wer bitte ist Arnd Peiffer? Diese Frage dürfte sich so mancher Biathlon-Fan und vielleicht auch Athlet insgeheim gestellt haben, als er bei der Herren-Staffel in Oberhof die deutsche Aufstellung durchging. Greis - Rösch - PEIFFER - Lang. Hm. Selbst die Experten strichen das DSV-Quartett angesichts der krankheitsbedingten Not-Aufstellung (Birnbacher und Wolf mussten passen) kurzerhand aus dem Favoritenkreis.

Doch Arnd Peiffer pfiff ihnen was und dachte sich: "Ich geh da raus, versenke alle zehn Schuss auf Anhieb und schlucke auf der Zielgeraden noch den Jaroschenko. Ist doch pups einfach." Gesagt, getan. Die Staffel landete nach Schlussläufer Toni Lang sensationell auf Rang drei. Bestes Saisonergebnis.

Nachtrag: Den Platz in der Staffel bekam der 21-Jährige nur, weil sich der eigentliche Starter Christoph Stephan beim Fußballspielen im Zweikampf einen Nasenbeinbruch zugezogen hatte. Im Zweikampf mit Peiffer übrigens. Für nächste Woche planen die deutschen Biathlon-Herren einen Kick mit Ole Einar Björndalen und den Russen.

+ Keine Gegner, nur Opfer

Maria Riesch wedelt derzeit in einer anderen Liga. Bei ihrem vierten Slalom-Sieg in Folge wäre angesichts des gigantischen Vorsprungs von 1,15 Sekunden auf die Österreicherin Kathrin Zettel sogar noch eine kurze Kaffeepause drin gewesen. Aber wir wollen ja nicht überheblich werden. Ach ja, ob Riesch den nächsten Weltcup aus Spannungsgründen sausen lässt, bleibt abzuwarten.

+ Je oller, je doller

Eiskönigin Claudia Pechstein kürte sich zum dritten Mal zur Mehrkampf-Europameisterin und ist damit ganz klar der George Foreman des Eisschnelllaufs - in weiblicher Ausführung, versteht sich. Denn mit stolzen 36 Lenzen ist die Deutsche die älteste Europameisterin aller Zeiten. Das Angebot, zusammen mit Pechstein einen Boxkampf der Giganten auf dem Eis zu veranstalten, lehnte der 60-Jährige Foreman aber ab. Der Gewichtsunterschied sei zu groß.

- Temporäres Leistungsloch

Oje, da lief die Vierschanzentournee so vielversprechend und prompt kommt die Ernüchterung. Beim Skifliegen am Kulm verlor Martin Schmitt plötzlich wieder das Erfolgs-Gen. Nach seinen Rängen zwölf und 13 war ihm beim Interview diesmal kein Lächeln zu entlocken. Dabei hätte sich der 30-Jährige vor der Saison über diese durchaus akzeptablen Platzierungen sicher noch wie ein Schnitzel gefreut.

Der "Rückschlag" dürfte aber nur ein kurzes Intermezzo gewesen sein. Schließlich plagten die DSV-Adler am Wochenende gesundheitliche Probleme. "Da fehlt dann einfach die Kraft.", sagte Schmitt. Für das nächste Weltcupspringen in Zakopane ist er wieder optimistisch. Puh, zum Glück.

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