" Mit Offenheit an die Aufgabe herangehen"

SID
Donnerstag, 20.11.2008 | 14:15 Uhr
Werner Schuster beerbte Peter Rohwein als Skisprung-Bundestrainer
© Getty
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Werner Schuster hat Peter Rohwein als Skisprung-Bundestrainer beerbt. Im Interview spricht er über seine Herangehensweise.

Werner Schuster hat die Nachfolge von Peter Rohwein als Skisprung-Bundestrainer angetreten. Im Interview spricht der Österreicher über die Zukunft des deutschen Skispringens.

Frage: "Werner Schuster, haben Sie die Entscheidung schon einmal bereut, vom vergleichsweise beschaulichen Trainerposten in der Schweiz zu den erfolgsentwöhnten deutschen Skispringern gewechselt zu sein?"

Werner Schuster: "Nein, ich bin den letzten Monaten eher darin bestärkt worden, dass ich mich richtig entschieden habe. Ich habe die Möglichkeit bekommen, auf die oberste Bühne im Skispringen zu treten. Ich genieße eine große Wertschätzung meiner Kollegen, und wir konnten nach einer relativ schweren Phase recht schnell zum Kern des Geschäfts zurückkehren. Es ist eine spannende Reise."

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Frage: "Fühlen Sie sich im deutschen System wohl, in dem Ihr Vorgänger Peter Rohwein wegen der Meinungsverschiedenheiten mit den Heimtrainern aufgerieben wurde?"

Schuster: "Mein größter Vorteil ist, dass ich unbelastet eingetreten bin. Ich fühle mich in diesem großen deutschen System wohl. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass bis 2002 die ganze Skisprung-Welt wegen der tollen Ergebnisse neidvoll nach Deutschland geschaut hat. Das Skispringen braucht Deutschland, und ich hoffe, dass ich einen Beitrag dazu leisten kann, dass die Springer wieder eine führende Rolle spielen können."

Frage: "Nach 2002 ging es abwärts mit den deutschen Skispringern. Was wollen Sie besser machen als Ihr Vorgänger?"

Schuster: "Da sehe ich vor allem die bessere Kommunikation untereinander. Ich gehe mit Offenheit an die Dinge ran. Wie man in den Wald reinruft, kommt es auch wieder zurück. Außerdem fahre ich eine klare Linie. Ich mache die Vorgaben für den Weltcup-Bereich, Stefan Horngacher für den Continental Cup. Bisher fühlen sich die Leute wohl, aber wir hatten auch noch keine kritische Situation. Man darf dem Frieden nie trauen."

Frage: "Mit welcher Zielsetzung gehen Sie in den Winter?"

Schuster: "Die Erfolge im Sommer-Grand-Prix sind ein guter Gradmesser, aber ob wir im Winter wieder drei Leute unter die Top Ten kriegen, bleibt abzuwarten. Es hilft enorm, dass mein Team wieder das Gefühl hat, in Rufweite zur Weltspitze zu sein. Das ist wahnsinnig wertvoll, um das Selbstwertgefühl zu heben. Wenn Land in Sicht kommt, beginnen die Leute schneller zu rudern. Wir wollen uns in die erlesene Liga der Top Ten reinkämpfen. Vor allem wollen wir aber mit einer guten Teamleistung wieder das Feuer entfachen, in dem einzelne nach oben ausbrechen können. Zum Glück ist es im Skispringen so, dass so eine Dynamik entstehen kann, in der dann manche Dinge schneller gehen."

Frage: "Wann werden deutsche Skispringer wieder die Weltspitze mitbestimmen?"

Schuster: "Derzeit heißen die dominanten Persönlichkeiten in der Skisprung-Welt Schlierenzauer oder Ammann. Wir haben erstmals seit Jahren wieder Medaillen bei Junioren-Weltmeisterschaften gewonnen, und das System Deutschland ist in Sachen Klubs, Stützpunkte und Schanzen mit das beste, was es in der Welt gibt. Deshalb müssen wir kontinuierlich weiterarbeiten, dann werden wir auch Erfolg haben."

Frage: "Wie wichtig sind die älteren Springer wie Martin Schmitt oder Michael Uhrmann in Ihren Plänen?"

Schuster: "Ich bin sehr froh, dass ich sie bis mindestens 2011 habe. Unsere jungen Springer werden vielleicht erst in zwei, drei Jahren so weit sein, dass sie konstant in der Spitze mitspringen können. Bei Martin Schmitt zum Beispiel zeigt die Entwicklung deutlich nach oben. Seit seinem letzten großen Erfolg ist schon eine lange Zeit vergangen, aber er kann es wieder nach oben schaffen. Michael Uhrmann ist sowieso immer ein Mann für die Top Ten, und Georg Späth ist auch ein extrem interessanter Springer. Schade, dass er ausfällt, aber wir werden ihn im nächsten Winter neu aufbauen."

Frage: "Und wie sehen Sie die Entwicklung der jungen Springer um Junioren-Weltmeister Andreas Wank?"

Schuster: "Mal schauen, welche Wellen sie schlagen. Das ist ein sehr spannder Prozess. Sie haben sich im Sommer gezeigt, jetzt müssen sie den nächsten Schritt machen und sich im Weltcup etablieren. Das Ziel für sie ist, kontinuierlich zu punkten. Die etablierten Springer profitieren von der Unbeschwertheit der Jungen und die jungen Leute von der Cleverness der Alten. Das ist eine sehr schöne Situation."

Frage: "Konnten Sie bisher in Deutschland in Ruhe arbeiten?"

Schuster: "Ja. Ich habe der Verbandsspitze auch vorher deutlich gemacht, was ich will. Ich stehe nicht für Hokuspokus, sondern für fundierte Arbeit."

Frage: "Gibt es eine Situation, in der Sie sich vorstellen könnten, Ihren Bundestrainer-Job aufzugeben?"

Schuster: "Ich bin mit der Sportart seit meiner Kindheit verwurzelt und hatte tolle Erlebnisse. Ich möchte den Athleten helfen, einen Schritt weiterzukommen. Sollte ich diese Energie nicht mehr spüren, wäre das ein Grund zum Aufhören. Außerdem habe ich es bisher immer geschafft, meine Arbeit mit den Bedürfnissen meiner Familie in Einklang zu bringen. Ich hoffe, dass mir das in Zukunft immer gelingt, denn auch dieser tolle Job wäre es definitiv nicht wert, meine Familie zu gefährden."

Der Skisprung-Kalender des Winters 2008/09

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