Uhrmann: "Ich finde Klinsi gut!"

Von Interview: Daniel Börlein
Donnerstag, 27.11.2008 | 17:18 Uhr
Skispringer Michael Uhrmann hofft auf eine erfolgreiche Saison 2008/2009
© Getty
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Frischer Wind im deutschen Skisprung-Team: Vor dem Weltcup-Auftakt im finnischen Kuusamo (17 Uhr im LIVE-TICKER) lobt Michael Uhrmann bei SPOX den neuen Bundestrainer Werner Schuster: "Er hat extrem viel Fachwissen und ist sehr akribisch, ohne dabei zu verkrampft zu arbeiten."

Darum will Uhrmann nach seinem schweren Sturz 2007 und der verpatzten letzten Saison in diesem Winter selbst auch wieder ganz oben angreifen.

Und die Voraussetzungen könnten kaum besser sein: Dank Schuster und den jungen Wilden im DSV-Team hoffen alle auf eine schnelle Rückkehr in die Weltspitze.

Pünktlich vor dem Weltcup-Auftakt verrät Uhrmann im Gespräch mit SPOX außerdem, warum Gregor Schlierenzauer den Skisprungzirkus in den nächsten Jahren dominieren könnte und wieso Jürgen Klinsmann der richtige Trainer für die Bayern ist.

Skispringen: Alle Termine der Saison 2008/2009 im Überblick

SPOX: Herr Uhrmann, Sie sind ja bekennender Bayern-Fan. Was sagen Sie eigentlich zu Jürgen Klinsmann?

Uhrmann: Ich finde den Schritt, etwas verändern zu wollen, gut. Immerhin ist der FC Bayern der beste Verein in Deutschland und müsste nicht zwingend etwas tun. Dennoch geht man diesen Schritt, das finde ich mutig und richtig. Momentan läuft es ja auch wieder.

SPOX: Sie spielen auch sehr gerne selbst Fußball. Wie sieht's damit aus nach Ihrer langen Verletzungspause vor der letzten Saison?

Uhrmann: Es geht jetzt Gott sei Dank wieder. Im Frühling habe ich wieder angefangen. Nicht unbedingt auf dem Großfeld, aber in der Halle geht's schon wieder, ein bisschen Kurzpass und klein-klein.

SPOX: Nicht nur die Bayern haben einen neuen Trainer, auch die Skispringer. Hat sich der Wechsel zu Werner Schuster schon ausgezahlt?

Uhrmann: Der Trainerwechsel war ja irgendwie die logische Konsequenz. Wir befinden uns im Moment aber noch immer in der Start- und Findungsphase. Wenn man die Ergebnisse des Sommers hernimmt, könnte man schon jetzt sagen, dass sich der Trainerwechsel voll ausgezahlt hat.

SPOX: Darf man die zweifellos guten Leistungen des Sommers tatsächlich als Maßstab nehmen?

Uhrmann: Man darf sie natürlich nicht überbewerten. Aber wir haben im Vergleich zu den letzten Jahren schon deutlich bessere Ergebnisse erzielt. Vier Deutsche unter den ersten Zehn hatten wir sehr lange nicht mehr. Da haben wir jetzt schon einen Schritt nach vorne gemacht. Natürlich werden wir nicht in den Winter starten und alles niederbügeln. Dennoch sieht es bis jetzt ganz gut aus.

SPOX: Sie klingen sehr optimistisch. Was hat Schuster mit Ihnen gemacht, wo hat er angesetzt?

Uhrmann: Er hat eigentlich überall angesetzt.

SPOX: Das heißt, man musste auch überall ansetzen?

Uhrmann: Wenn man die Ergebnisse des letzten Jahres sieht, dann muss man wohl sagen: ja. Für die älteren Athleten ist es nun natürlich auch nochmal eine Chance, die Karriere positiv zu beenden. Insgesamt sehen wir das alles als Neustart mit einem neuen Trainerteam. Es gibt keine Querschüsse mehr, die in den letzten Jahren nicht unbedingt förderlich waren für die Sportler. Alle arbeiten nun an einem Ziel, ob das Trainer und Sportler oder Alte und Junge sind.

SPOX: Was ist Werner Schuster für ein Typ?

Uhrmann: Er hat extrem viel Fachwissen und ist sehr akribisch, ohne dabei zu verkrampft zu arbeiten. Jeder weiß genau, was er zu machen hat. Er gibt einen Weg vor und jeder versucht, sich daran zu halten. Wir werden sehr gut geführt von ihm. Er hat viel Neues mitgebracht, auch von der Art und Weise, wie er Dinge umsetzt.

SPOX: Musste er auch schon laut und deutlich werden?

Uhrmann: Er versucht, die Dinge ruhig anzusprechen. Aber er kann auch anders, das hat er schon gezeigt.

SPOX: In den letzten Jahren hat sich beim deutschen Team doch eine Lücke aufgetan zur Weltspitze. Ist schon absehbar, wie schnell man wieder heranrücken kann?

Uhrmann: Unser Ziel ist, dass wir wieder kontinuierlich gute Einzelplatzierungen abliefern. Im Team wollen wir so stark werden, dass wir aus eigener Kraft eine Medaille gewinnen können.

SPOX: Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus? Im Sommer lief es ja sehr gut.

Uhrmann: Überraschend gut, das stimmt.

SPOX: Haben Sie schon wieder das Zeug zum Siegspringer?

Uhrmann: Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ich denke, dass ich nun wieder soweit bin, dass ich mich konstant unter den ersten Zehn bis 15 behaupten kann. Und wenn ich mal einen guten Tag habe, dann kann es sicher auch mal weiter nach vorne gehen. Ich bin von der Leistungsfähigkeit noch nicht ganz da, wo ich schon mal war, aber sehr nahe dran.

SPOX: Vor Ihrer Verletzung waren Sie von der Leistung die Nummer eins im Team. Im letzten Winter hat dann Michael Neumayer diesen Platz eingenommen. Wer steht in diesem Jahr ganz vorne?

Uhrmann: Es ist egal, wer das ist. Wichtig ist nur, dass mindestens immer einer vorne dabei ist, das macht es für den Rest auch leichter. Und mittlerweile sind wir wirklich schon so lange zusammen, kennen uns alle sehr gut, da ist man nicht neidisch, wenn es beim anderen mal besser klappt.

SPOX: Und was ist mit den Jungen?

Uhrmann: Wir hatten im Sommer schon ein paar Jungs dabei und sie haben bewiesen, dass sich auch bei ihnen was bewegt hat. Die werden auch im Winter ihre Chance bekommen. Und dann müssen wir Älteren uns schon strecken.

SPOX: Wie sieht es mit der internationalen Konkurrenz aus? Simon Ammann und Gregor Schlierenzauer haben im Sommer die Konkurrenz dominiert. Ist das auch im Winter zu erwarten?

Uhrmann: Das glaube ich nicht. Beide werden zwar sicher nicht nachlassen, aber es werden auch einige andere noch zulegen.

SPOX: Schlierenzauer hatte im vergangenen Jahr schon eine starke Saison und ist nun wieder in Top-Form. Ist er einer, der das Skispringen über Jahre dominieren kann?

Uhrmann: Das glaube ich, ja. Er ist ein riesiges Talent, absolut professionell und auch schon absolut erwachsen für sein Alter. Er springt auf einem außerordentlichen Niveau, das muss man anerkennen. Hut ab! So einen würde sich natürlich jede Nation wünschen.

Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster im Interview

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