Gesamtweltcup: Neuner gegen Bailly

SID
Dienstag, 11.03.2008 | 13:03 Uhr
wintersport, biathlon, bailly, neuner
© DPA
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Oslo - Magdalena Neuner (rechts im Bild) oder Sandrine Bailly (links) - so lautet die am meisten diskutierte Frage vor dem Saison-Finale der Biathletinnen am Holmenkollen.

Oder jagt gar die 14 Punkte zurückliegende Andrea Henkel dem Spitzenduo noch den Gesamtweltcup ab und gewinnt als erste Deutsche zum zweiten Mal die große Kristallkugel?

"Aufgegeben habe ich noch nicht, auch wenn ich jetzt weder die Gesamtwertung noch die kleine Kugel im Jagdrennen aus eigener Kraft gewinnen kann", kündigte Verfolgerin Henkel an.

Der Gesamtweltcup wäre für die 30-jährige Großbreitenbacherin nach ihren drei Titeln bei den Weltmeisterschaften in Östersund, aber auch einigen verkorksten Rennen, das Sahnehäubchen.

Zuverlässigkeit auf hohem Niveau

"Der Weltcup ist etwas ganz besonderes. Den kann man nicht mit einem Glückstag schaffen. Dafür muss man viele gute Rennen machen", sagte Andrea Henkel.

Dass die nur 1,58 Meter große ehrgeizige Kämpferin überhaupt noch dafür infrage kommt, spricht für ihre Zuverlässigkeit auf hohem Niveau, das sie sich in den vergangenen Jahren erarbeitet hat.

Inzwischen ist sie die einzige Biathletin der Welt, die WM-Gold in allen olympischen Disziplinen besitzt. "Darauf bin ich schon stolz", sagt sie. Obwohl sie heuer auch vier Weltcupsiege landete, sieht sie noch Reserven.

Nicht zu schade für Selbstkritik

"Bis zum Januar war ich mit meinem Schießen überhaupt nicht zufrieden. Dann ging beim Weltcup in Antholz der Knopf auf - und blieb es zum Glück bei drei WM-Rennen. Danach habe ich mir wieder zu viele Klopse am Schießstand erlaubt", stellt sie selbstkritisch fest.

Sollte sie trotzdem die Saisonwertung gewinnen, wäre sie wohl endgültig die Größte.

Doch selbst dann würde die bodenständige Sportsoldatin als Harmoniemensch mit großem Gerechtigkeitsgefühl nicht abheben. Richtig aus sich herausgehen kann sie meist erst, wenn die Kameras abgestellt sind.

Bei Interviews beantwortet sie die Fragen kurz und präzise, schweift nicht ab, was auf Fremde manchmal etwas spröde wirkt. Dagegen blüht sie im kleinen Kreis auf und versprüht, wenn sie sich nicht beobachtet fühlt, viel trockenen Humor.

"Wem gefällt das nicht?"

"So ist nun mal mein Wesen. Klar gefällt es mir auch, wenn meine Leistung anerkannt wird, wenn ich deswegen beachtet werde. Wem gefällt das nicht?", gibt sie freimütig zu.

Um vor dem Saisonfinale auf andere Gedanken zu kommen, hat Andrea Henkel ganz fest eine Shopping-Tour in der norwegischen Hauptstadt eingeplant.

"Wenn wir schon zurück in der Zivilisation sind, will ich das auch nutzen", sagte die modebewusste junge Frau, die sich gern schick kleidet und schmückt.

In den drei Wochen zuvor waren die Skijäger in der Biathlon-Diaspora in Südkorea und dann im sibirischen Chanty Mansijsk weit weg von großstädtischem Flair.

"Prima Klima" im Team

Trotz des harten Kampfs um die letzten Saisontrophäen erwartet Andrea Henkel keine Dissonanzen im Team. "In unserer Mannschaft herrscht ein prima Klima. Da wird Leistung bedingungslos anerkannt - und jede freut sich für die andere, wenn der ein prima Wettkampf gelungen ist. Konkurrentinnen sind wir nur auf der Strecke", bekräftigt Henkel genau das, was Bundestrainer Uwe Müssiggang seit Monaten immer wieder "von der harmonischsten Mannschaft seiner Trainer-Laufbahn" berichtet.

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